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31 August 2009

BIO WAFFEN TERROR - USA Ft Detrick


TV:

hitec: Tod aus dem Labor gesendet 3sat am 31. August 2009
Im Umfeld des 11. September 2001 erschütterten die Briefanschläge mit Milzbranderregern die Weltöffentlichkeit. Fünf Menschen wurden getötet, 17 weitere zum Teil dauerhaft geschädigt. Inzwischen forschen Hochschulen an diesen Erregern - dabei sind weitaus gefährlichere Varianten entstanden. Die Dokumentation geht der Frage nach, ob diese Forschung legitim ist oder eine neue Tod bringende Gefahr schafft, die sie zu bekämpfen vorgibt. Eine Dokumentation von John A. Kantara

Tod aus dem Labor?

Burkholderia Pseudomallei

Das tödliche Bakterium Burkholderia Pseudomallei in einer Petrischale

Ein Film von John A. Kantara

Erstausstrahlung:
01.09.2008, um 21.30 Uhr
Wiederholung:
07.09.2008, um 16.00 Uhr

http://www.3sat.de/mediathek/?obj=9217 DOWNLOAD avi mp4 film dokumentation

Tod aus dem Labor?

Sieben Jahre ist es her, dass eine Anschlagserie fünf Menschen tötete, 17 verletzte und ungleich mehr Menschen in Angst und Schrecken versetzte: Todbringende Bakterien, die die Infektionskrankheit Anthrax, auch Milzbrand genannt, hervorrufen, wurden in normalen Briefen, mit der normalen Post an Journalisten und Regierungsbeamte verschickt. Der Bio-Kampfstoff kam heimlich, unverhofft und hinterhältig zu seinen Opfern.

Anfang August 2008 hat die US-Justiz in einer Indizienkette einen Angestellten eines Forschungslabors, das im Dienste der US-Regierung stand, als “einzig Verantwortlichen” festgestellt.

Durch Militärforschung für Bio-Kampfstoffe und deren Abwehr sind in solchen Laboren gefährlichere, künstliche Varianten bekannter Erreger entstanden. Viele dieser Experimente an solchen „Menschenkillern“ sind normale Versuche an amerikanischen und europäischen Universitäten. Denn, so das Argument, der Rechtsstaat müsse sich vor potenziellen Bio-Gefahren schützen. Doch seit den Anschlägen vor sieben Jahren hat es weltweit keinen weiteren Terrorangriff mit Bio-Waffen gegeben: Alles also nur Panikmache? Erst durch Forschung für Bio-Kampfstoffe und deren Abwehr sind in den Laboren gefährlichere Varianten bekannter Erreger entstanden.

Gefahrenabwehr oder Terrorpotential

Viele dieser Experimente sind “normale” Versuche an amerikanischen und europäischen Universitäten. Denn, so das Argument, der Rechtsstaat müsse sich vor potenziellen Bio-Gefahren schützen. Doch seit dem Anschlag hat es weltweit keinen weiteren Terrorangriff mit Bio-Waffen gegeben. Alles nur Panikmache? Ist diese Art der Forschung legitim oder schafft sie die Gefahr, die sie zu bekämpfen vorgibt?

Gefährliche Milzbranderreger

2001 wurde der 63-jährige Journalist Bob Stevens aus Florida getötet, weil er einen Brief mit Milzbranderregern (Anthrax) öffnete. Außer Stevens wurden durch die Anschläge im September und Oktober 2001 noch vier weitere Menschen durch Anthrax-Briefe getötet.

Ari Fleischer, ehemaliger US-Pressesprecher:
“Alles deutet darauf hin, dass die Milzbrandbakterien aus amerikanischen Labors kommen. Das FBI ermittelt weiter. Mehr kann ich nicht sagen.”

Kapitol, Washington

Auch das Kapitol in Washington DC, das Herz der amerikanischen Supermacht, wird zum Ziel der Bio-Terroristen. Noch immer stellt man sich hier die Frage, ob es ein Wissenschaftler mit Zugang zu amerikanischen Biowaffen war, der den Anschlag verübt hat. Seit den Bio-Terroranschlägen von 2001 investiert Amerika kräftig in die Forschung. Mehr als 50 Mrd. Dollar wurden bereits für den Schutz vor biologischen Bedrohungen ausgegeben. Doch haben Wissenschaftler nicht die Büchse der Pandora schon längst selbst geöffnet?

Viele Gedankenschmieden in dieser Stadt haben die möglichen Konsequenzen überdacht. Gerald Epstein ist Bio-Terrorismusexperte am Zentrum für strategische Studien CSIS:

Gerald Epstein, CSIS Washington

Gerald Epstein, Bio-Terrorismusexperte:
“Die Milzbrand-Anschläge vom Oktober 2001 haben bewiesen, dass es jemanden gibt, der zu solch einer Tat fähig ist. Der Milzbrand könnte von einem Forscher oder Wissenschaftler in Umlauf gebracht worden sein. Es könnte sogar jemand mit Zugang zu unseren eigenen militärischen Vorräten gewesen sein. Das sagt uns nichts über den nächsten Bio-Terror Anschlag. In den USA haben wir den Zugang zu Milzbrand deutlich erschwert. Und ich denke, wir müssen sicherstellen, dass wir es Terroristen nicht zu einfach machen, an solche Substanzen zu kommen.”

Das FBI hat bis heute keinen Täter überführt, der letzte Verdächtige hat sich ohne Schuldeingeständnis selbst getötet. Dafür sind alle Antennen auf den nächsten Anschlag ausgerichtet. Amerika will nie wieder unvorbereitet sein.

Jeff Muller, FBI

Jeff Muller, FBI Agent: (Link zum Video, 3sat-Mediathek, 11.min.)

“Wir betrachten die biologische Bedrohung als sehr real. Seit 2006 wissen wir sicher, dass es einen kontinuierlichen Aufruf – eine Fatwa gibt, die Wissenschaftler und Ingenieure dazu bewegen soll, sich dem Djihad anzuschließen. So sollen zum Beispiel amerikanische Militärbasen als experimentelle Ziele für einen Angriff mit einer biologischen Waffe oder einer schmutzigen Bombe genutzt werden. Das ist eine sehr reale Bedrohung, die Terroristen ständig weiter entwickeln. Wir beobachten ihre Webseiten und Geheimdienstberichte, um einzuschätzen, wohin sich die Bedrohung richtet.”

Die Aufmerksamkeit der Sicherheitsexperten richtet sich bereits auf den Zugang zu Fachwissen. Ist der zukünftige Täter ein Wissenschaftler mit politischer Ambition oder ein Terrorist mit wissenschaftlicher Bildung?

Gerald Epstein, Bio-Terrorismusexperte:
“Ein Biologe, der zum Terroristen wird, erschreckt mich mehr, als ein Terrorist, der Biologe werden möchte. Wenn man in die Zukunft blickt, dann werden wir überall auf der Welt mehr Menschen haben, die sich mit Biologie auskennen. Bleibt die Frage, ob jemand dieser Menschen sein Wissen missbrauchen wird. Dieser Gedanke beunruhigt mich.”

Die tödlichsten Erreger und Gifte, die die Menschheit kennt, stehen auf der “Bio-Gefahrenliste der Amerikaner”. Können Terroristen denn an solche Erreger herankommen? Und wenn ja, wie leicht?

Vanaporn Wouthikanoun

Meliodose – eine tickende Zeitbombe

Das Bodenbakterium Burkholderia Pseudomallei verursacht Meliodose, eine Krankheit die schwer zu erkennen ist und für die Opfer meist tödlich endet. Durch die Erreger sterben jedes Jahr an die 900 Reisbauern, allein in Thailand. Weil das Bakterium eingeatmet wird oder Menschen sich über kleine Risse in der Haut infizieren, gelten die Erreger unter Experten als ideale Bio-Waffe.

Wenn in der Regenzeit die Aussaat auf den Reisfeldern ansteht, steigen die Infektionsraten dramatisch. Das tödliche Bakterium wird aus der Erde geschwemmt. Ein Haar misst beispielsweise einen hundertstel Millimeter. Die Welt der Bakterien beginnt bereits bei einem Tausendstel Millimeter und die der Viren sogar bei einem Zehntausendstel. Der Feind bleibt unsichtbar.

Van Aken

Der Bio-Waffenexperte Jan van Aken arbeitet für das Sunshine Projekt, einer kleinen Nichtregierungsorganisation und berichtet seit Jahren kritisch über den Graubereich biologischer Forschung. In Thailand ist Dr. van Aken auf der Spur von Burkholderia Pseudomallei, denn das Bakterium scheint Bio-Terroristen und Tropenmediziner gleichermaßen brennend zu interessieren.

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:
Hier in Thailand gibt es eine Krankheit, die gerade hier in der Gegend um Ubon Rachanthani sehr häufig vorkommt, das ist die sogenannte Meliodose. Der Erreger dahinter nennt sich Burkholderia Pseudomallei. Den gibt es bei uns in Europa nicht, deswegen haben wir in Deutschland eigentlich nie etwas mit dieser Krankheit zu tun. Er ist aber von verschiedenen Ländern in den letzten Jahrzehnten auch als Bio-Waffe entwickelt worden. Wir wissen das von den Japanern im Zweiten Weltkrieg. Und nach dem Krieg haben es die Sowjetunion und die Amerikaner intensiv untersucht, ob es sich als Bio-Waffe eignet. Und ja, es eignet sich, denn man kann es über die Luft ausbringen, Menschen können es einatmen, sich infizieren und deswegen gilt es als eines der wenigen Krankheitserreger, die wirklich als Waffe auch eingesetzt werden können.”

Am Sapasitthiprasong Regionalkrankenhaus von Ubon Rachanthani werden die meisten Burkholderia Pseudomallei-Opfer behandelt. Jan van Aken besucht hier Kae Wirongrong Chierakul. Die Wissenschaftlerin der Mahidol Universität aus Bangkok erforscht hier zusammen mit Kollegen der britischen Oxford Universität seit zwanzig Jahren den Erreger der Meliodose.

In seiner schlimmsten Form tötet Burkholderia Pseudomallei die meisten seiner Opfer innerhalb weniger Tage. Es vergiftet das Blut und greift Lunge, Herz und Nieren an. Doch bei manchen Patienten kann sich das Bakterium über Jahrzehnte unentdeckt im Körper verstecken, ohne dass eine Krankheit ausbricht – warum ist völlig unklar.

John in Infektionsstation, Ubon Ratchanthani, Thailand

John A. Kantara besucht die Intensivstation

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:
“Das Gefährlichste an der Meliodose ist eigentlich die hohe Todesrate. Wenn man an dem Erreger erkrankt, hat man in der Regel nur eine 50 prozentige Überlebenschance. Die Angst vor dem Bio-Terrorismus ist die Erkenntnis, dass Bio-Waffen vor allem eine Terrorwaffe sind. Weil sie Angst erzeugen, selbst wenn am Ende kaum jemand stirbt, erzeugt es eine weltweite Panik, verursacht Kosten in Milliardenhöhe, kann teilweise auch Gesellschaften durcheinander bringen für einige Zeit, das ist die größere Gefahr bei den Bio-Waffen, als der tatsächliche Schaden vor Ort.”

Bricht Meliodose aus, zeigt sich oft eine Kombination verschiedenster Symptome, die vollkommen unterschiedlichen Krankheiten zuzuordnen sind. In Europa haben Ärzte kaum Erfahrung mit dieser Krankheit. Weil die Behandlung Monate dauert, wäre eine Masseninfektion in Deutschland sehr teuer und nur schwer zu beherrschen.

Das Interesse der amerikanischen Biogefahrenabwehr ist groß. Die Forschungsarbeiten der thailändischen Wissenschaftler werden vom US-Militär genau beobachtet. Immer öfter bekommen sie Besuch aus Amerika. Bisher haben Amerikaner kein Geld in diese Krankheitsbekämpfung gesteckt. Doch aufgrund der vorhandenen vermeintlichen Bio-Gefahr tun sie es nun.

Dr. Kae Wirongrong Chierakul, Wissenschaftlerin:
“Nun, was auch immer sie hierher bringt, wenn das Endergebnis eine Verbesserung für die Patienten ist, wenn wir das Wissen über diese Krankheit verbessern, sie besser kontrollieren können, dann ist es eine gute Sache.”

Selbst wenn die Patienten überleben, müssen sie ihr Leben lang unter Beobachtung bleiben. Die Gefahr, dass das Bakterium als Waffe missbraucht wird, ist immer noch sehr groß. Das wissen auch die Experten der Biogefahrenabwehr. Vanaporn Wuthiekanun hat einen Schnelltest entwickelt, der eindeutig ist und deshalb schon vielen Menschen das Leben gerettet hat.

In ihrem Labor lagern die hochinfektiösen Proben und Abstriche von Tausenden Meliodose-Opfern. Und ihr ist klar: Die Todesrate liegt immer noch bei 50 Prozent. Hinter jeder Petrischale verbirgt sich ein Opfer.

Hohe Sicherheitsstandards im Labor

Im Labor hat sich noch nie jemand mit Meliodose infiziert. Das spricht für die Sicherheitsstandards des Hospitals, die den üblichen internationalen Normen entsprechen. Meliodose wird oft mit Krebs oder Tuberkulose verwechselt. Ein tödlicher Irrtum: Denn wenn die Fehldiagnose erkannt wird, ist es oft schon zu spät.

Versteckt sich der Erreger im menschlichen Körper, kann ein Infizierter dem Bakterium auch noch nach Jahrzehnten zum Opfer fallen. Ein US-Veteran des 2. Weltkrieges erkrankte 62 Jahre nach der Infektion an Meliodose. 250.000 US-Veteranen des Vietnam-Krieges gelten als gefährdet. Wie viele von Ihnen an Meliodose sterben werden ist ungewiss.

Es muss Vorsorge getroffen werden, dass das Labor nicht selbst zur Infektionsquelle wird. Doch der Ausbruch eines hochinfektiösen Erregers aus einem vermeintlich sicheren Labor ist leider keine Seltenheit. Labore sind nie 100 prozentig sicher. Es sind etliche Beispiele bekannt, wo Erreger auch aus einem Labor ausgebrochen sind. Entweder haben sich Mitarbeiter infiziert oder, wie August 2007 im Fall England, hat in einem Labor die Sterilisation nicht geklappt und plötzlich ist in der Gegend die Maul und Klauenseuche aufgetreten. Das hätte zu einem riesigen Desaster führen können.

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:

“Weltweit gibt es solche Fälle. Das heißt, wir sollten möglichst wenig mit solchen Erregern forschen – nur das, was wirklich medizinisch notwendig ist. Wir sollten nur Menschen daran lassen, die es wirklich können, und am Ende hilft nichts, es kann immer wieder Fehler geben, und darauf muss man vorbereitet sein.”

Wer mit extrem gefährlichen Erregern arbeiten will, braucht ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe. Viele davon sind veraltet. In Europa entstehen deshalb gleich sechs neue Hochsicherheitslaboratorien. Drei davon in Deutschland. Eines der größten und modernsten Labore ist gerade im Bau. Sobald die ersten Funktionstests laufen, kommt nichts und niemand mehr ohne komplette Dekontamination in den Sicherheitsbereich.

Maik Preußer im BSL-4 Lab

Der Ingenieur Maik Preußer hat mit seinen Kollegen alle drei neuen Hochsicherheitslabore in Deutschland entworfen. Auch International läuft das Geschäft der Kölner Ingenieure ausgezeichnet. Obwohl die Kosten pro Hochsicherheitslabor bei über 40 Millionen Euro liegen.

Maik Preußer, Ingenieur:
“Das Außergewöhnliche ist, dass das hier ein Edelstahlkäfig ist, der rundum in ein bestehendes Gebäude eingeschweißt wird. Der auch mit einer Druckprobe, die er bestehen muss, ganz klar luftdicht ausgeführt ist. Man kann hier mit jeglichem hochinfektiösen Material arbeiten. Also mit Viren oder Bakterien, das könnte Ebola oder Lassa sein, man kann damit hier bedenkenlos arbeiten. Das ist sicher.”

Spezial-Filter fangen Staub, Bakterien und Viren aus der Abluft. Zwei Filter hintereinander sind in Deutschland Vorschrift. Ihnen entgehen nicht einmal Nano-Partikel. Die Raumluft strömt konstant von den ungefährlichen zu den gefährlicheren Bereichen des Labors. Tote Winkel ohne Strömung werden bei der Einrichtung vermieden.

Maik Preußer, Ingenieur:
“Es ist wichtig, dass hier immer ein Unterdruck gehalten wird, damit von den Bakterien und Viren, mit denen gearbeitet wird, eben nichts raus kann. Wenn ich jetzt versuche eine Tür zu öffnen, dann habe ich immer einen Zug nach hier innen. Also selbst wenn wirklich mal eine Schleuse einen Spalt offen sein sollte, dann zieht eigentlich keine Luft raus, sondern nur die von außen zieht nach innen.”

Abwasser aus den Desinfektionsduschen und dem Labor wird in einen Dekontaminationstank geleitet. Unter hohem Druck wird alles eine halbe Stunde lang bei 125°C gekocht. Ähnlich wie bei den Lüftungsanlagen ist jedes Abwasserrohr und jede Pumpe doppelt vorhanden.

Nichts verlässt das Labor, ohne dekontaminiert zu werden. Technisch ist das System narrensicher – der größte Unsicherheitsfaktor bleibt der Mensch.

Die thailändischen Forscher wissen, dass in der Gegend um Ubon Ratchathani fast jeder Einwohner, ab dem Alter von vier Jahren schon mit dem Bakterium in Berührung gekommen ist und Antikörper im Blut hat.

Es gibt keinen Impfstoff, denn Antikörper schützen nicht gegen eine neuerliche Infektion. Eine Infektion überlebt man nur durch eine schnelle, präzise Diagnose, die Gabe eines Antibiotika-Cocktails und die Vermeidung einer erneuten Infektion.

Eine seltene Erfolgsgeschichte

Die drei Wissenschaflter Jan van Akten, Kae Wirongrong Chierakul und Vanaporn Wuthiekanun besuchen eine Bäuerin, die überlebt hat. Sie ist eine Erfolgsgeschichte, die nur teilweise zufriedenstellend ist. Einerseits hat sie überlebt, andererseits hat sie ihre Lebensgewohnheiten nach der Infektion wenig geändert. Die Ärzte wissen: Der direkte Kontakt des im Boden lebenden Erregers mit der Haut ist ein großes Risiko. Und die Bäuerin bleibt zweifellos eine Risiko-Patientin.

Vor drei Jahren wurde sie infiziert und hatte einen großen Abszess im Gesicht. Eine große Narbe zieht sich von ihrer Stirn bis über ihr Auge. Die größte Gefahr für eine erneute Infektion liegt darin, dass sie barfuß ist! Um sich ausreichend zu schützen, sollte sie Gummistiefel tragen. Ihr Mann macht es mit den Stiefeln richtig.

Würde das Bakterium als Waffe eingesetzt werden, steckt in den Langzeitfolgen ein enormes Terrorpotential. Da der Erreger oft erst bei einer Schwächung des Immunsystems zuschlägt, sind die Langzeitfolgen unkontrollierbar. Alle Infizierten sind bedroht. Auch wenn sie heute noch keine Symptome zeigen, könnten sie selbst zum Überträger werden.

Seit das Genom dieses erstaunlichen Killers entschlüsselt ist, versuchen Wissenschaftler, dem Bakterium mit Hilfe von neuen gentechnischen Methoden beizukommen. Aber sind diese neuen Methoden wirklich harmlos?

Meliodose Research Field

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:
“Ja, in der Burkholderia-Forschung sehe ich im Moment zwei grundlegend verschiedene Ansätze. Das eine ist das, was hier in Thailand gemacht wird, da geht´s direkt um die Patienten, da versuchen sie neue Methoden zu entwickeln, das besser zu heilen, die Todesrate zu senken, das ist an der Medizin, an den Menschen, an den Kranken orientiert.

Und dann gibt es eine zweite Art von Forschung, die zum Teil momentan in den USA auch in Militärlabors gemacht wird, da geht’s eher darum, genetisch zu analysieren, welche verschiedenen Stämme gibt es oder auch gerade jüngst eine Veröffentlichung, welche Gene machen denn Burkholderia so gefährlich?

Wenn ich das weiß, kann ich ihn damit nicht ungefährlicher machen. Und habe keine bessere Behandlung für den Menschen. Sondern diese Art von Forschung ist immer ein zweischneidiges Schwert, damit könnten sie ein noch gefährlicheres Bakterium herstellen am Ende.”

Nachbau von Erregern im Labor

Wimmer

Im Jahr 2002 zeigte der deutsche Wissenschaftler Prof. Eckard Wimmer wie das Poliovirus, das die Kinderlähmung hervorruft, im Labor nachgebaut werden kann. Wimmer und sein Team nutzten dazu die im Internet frei verfügbare DNA-Sequenz des hoch ansteckenden Erregers und kommerziell erhältliche DNA-Schnipsel.

“Dual-Use” nennt die Forschergemeinde das Problem: Neue gentechnische Verfahren versprechen neue Medikamente im Kampf gegen fürchterliche Krankheiten wie SARS, AIDS, Kinderlähmung oder Meliodose. Die andere Seite der Medaille ist der Missbrauch dieser legitimen Forschung für die Herstellung von Biowaffen.

Prof. Eckard Wimmer, Wissenschaftler:

“Es gibt keine Möglichkeit, sich gegen diesen Fortschritt zu schützen. Es gibt keine Möglichkeit, Fortschritt einzudämmen. Und deshalb hat das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten die Neusynthese des Virus finanziell unterstützt und sie waren sehr daran interessiert, dass die Arbeit gemacht wird.”

Es war das erste Mal, dass jemand eine DNA-Sequenz und die notwendigen Chemikalien nutzte, um daraus einen Virus nachzubauen. Die Bauanleitung der meisten Viren steht mittlerweile im Internet. Jedes Virus kann heute im Prinzip im Labor nachgebaut werden. In der nahen Zukunft könnten dies auch Kriminelle oder Terroristen versuchen. Es gibt keinen Grund mehr den Erreger mühsam in der Natur zu isolieren oder aus einem Hochsicherheitslabor zu stehlen. Der erste Schritt, die Synthetisierung eines tödlichen Erregers im Labor, ist ein realistisches Szenario. Kann das bald jeder tun?

Prof. Eckard Wimmer, Wissenschaftler:
“Die Gefahr besteht, dass ein Organismus zusammengesetzt wird aus Teilen von anderen Organismen, der nicht kontrolliert werden kann, der aus dem Labor rauskriecht und anfängt, Menschen und Städte usw. umzubringen. Wir können nicht verhindern, dass irgendwo in der Welt irgendjemand die Gelder zusammensammelt, um sich die gleichen Methoden und Instrumente anzueignen, um Missbrauch zu treiben.”

Am Helmholz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig nutzt man auch die Möglichkeiten der synthetischen Biologie. Auch hier versuchen die Wissenschaftler, Bakterien genetisch so zu verändern, dass sie zum Beispiel Umweltgifte besser abbauen können.

Bio-Informatiker verändern dazu den genetischen Code des Bakteriums am Computer. Die so veränderte DNA wird einfach bei kommerziellen Genkonstrukteuren bestellt. Die maßgeschneiderte Herstellung kompletter Genome wird professionell erledigt.

Aus DNA-Schnipseln künstlich neue Viren oder Bakterien erschaffen? Die meisten Wissenschaftler sind davon allerdings überzeugt, dass die Chancen der synthetischen Biologie die Risiken bei weitem übertreffen.

Rudi Balling

Rudi Balling leitet das Helmholzzentrum für Infektionsforschung. Für ihn sind Gene Bausteine der Natur, die es für den Menschen zu nutzen gilt. Er sieht Chancen und Risiken der neuen Gen-Revolution in der Biologie.

(Link Interview Prof. Rudi Balling)

Prof. Rudi Balling, Genetiker:
“Man kann Bakterien verändern, indem man neue Gene einbringt oder andere entfernt. Man kennt mittlerweile eine Reihe von Genen, die in manchen Bakterien vorkommen, die Dioxine oder bestimmte Umweltsubstanzen oder Schadstoffe abbauen können. Also ich statte Bakterien mit neuen Eigenschaften aus. Und dann mache ich mir schon Bakterien, Viren so zunütze, dass sie das tun, was ich will.”

Langfristig will die synthetische Biologie die Bio-Technologien radikal vereinfachen. Bakterien sollen dazu gebracht werden, Dinge zu tun, für die sie die Natur nicht vorgesehen hat. Nun hat Craig Venter, ein amerikanischer Biologe, bereits angekündigt, das erste künstliche Bakterium zu bauen und die Verfahren zu patentieren. Hybris oder geniale Zukunftsvision?

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:

“Die Aktivitäten des Herrn Venter machen mir Sorgen. Er hat angekündigt, wahrscheinlich noch in diesem Jahr zum ersten Mal ein komplett künstliches Bakterium zu produzieren, mit dem Ziel, dann einen richtigen Baukasten an verschiedenen Genen zu haben, die braucht man nur zusammenzustecken in diesem Bakterium und schon habe ich ein Öl fressendes Bakterium, ein CO-2 fressendes Bakterium oder ich produziere damit Rohstoffe, sozusagen, die ganze Welt wird gerettet mit diesem Bakterium. Und wenn ich diesen Satzbaukasten erst einmal habe, dann kann ich den natürlich ganz einfach für Bio-Terroristische Zwecke missbrauchen.”

Nun kommen selbst den Befürwortern dieser neuen Technologie Zweifel, ob der freie Zugang zu dieser Technik nicht zu gefährlich ist. Heute braucht es nur noch Geschick, Geduld und Geld, um einen Organismus künstlich herzustellen.

Prof. Rudi Balling, Genetiker:
“Unsere Erkenntnis, das, was wir wissen, über Mechanismen, wie Leben funktioniert, wie etwas überlebt und lebt und die Physiologie, denk ich, müssen, sollten, wollen wir teilen. Wie gehen wir mit potentiellen Anleitungen für Waffenbau um? Ich denk, hier ist die Wissenschaft durchaus bereit, auch selbst zu schauen, was sollten wir im Grunde nur den Personenkreis, den Forschungsinstitutionen den Firmen zur Verfügung stellen, die damit verantwortlich umgeht, so eine Vertrauensüberprüfung.”

Das Vertrauen in die Selbstregulation der Wissen- schaft gründet auf der Transparenz wissenschaft- licher Arbeit. Solange Forschung nicht im „Geheimen“ stattfindet, gibt es auch Kontrolle. Und: Das Szenario, wonach ein Bio-Terrorist in einer Garage einen tödlichen Erreger reproduzieren könnte, entspricht „noch“ nicht der Realität. Schon in ein paar Jahren könnte es vielleicht soweit sein.

Für die Menschen in Thailand sind diese Diskussionen weit weg. Für sie ist die Natur noch immer der größte Bio-Terrorist. Und: Die Natur hält vielleicht auch die Lösung des Problems bereit. Der Kampf einer Mikrobe gegen eine andere. Denn das hohe Ansteckungsrisiko mit Burkholderia Pseudomallei hängt eng mit der dichten Verteilung des Bakteriums im Boden zusammen.

Ein Experiment mit Bio-Dünger

Auf einem Test-Reisfeld suchen die Wissenschaftler der Mahidol-Universität nach einer biologischen Lösung, um die hohe Konzentration des gefährlichen Bakteriums im Boden zu senken. Auch auf dem Testfeld steht die Bio-Sicherheit an erste Stelle. Während der Entnahme einer Bodenprobe wird die Umgebungsluft angesaugt, um festzustellen, ob der Erreger in der Luft nachzuweisen ist.

Beobachtungen der thailändischen Wissenschaftler im Labor haben ergeben, dass die Mikroorganismen eines kommerziell erhältlichen Bio-Düngers die Konzentration des Erregers im Boden deutlich senken können. Ein Test-Reisfeld dient Vanaporn Wuthiekanun für ihr Experiment, ein anderes ist ein Kontrollfeld, das normal weiter bewirtschaftet wird.

Der Bio-Dünger beinhaltet mehr als 100 verschiedene Organismen. Einige Bakterien, Hefen und Pilze sind auch darunter. Vanaporn Wuthiekanun weiß: Im Labor konkurriert irgendetwas mit Pseudomallei um Ressourcen in der ökologischen Nische.

Auf den Feldern der Reisbauern, die den Bio-Dünger seit Jahren nutzen, konnte sie Pseudomallei nicht mehr nachweisen. Ganz im Gegensatz zu den Feldern, auf denen immer noch mit einem chemischen Dünger gearbeitet wird. Kann die Lösung wirklich so einfach sein?

Dr. Jan van Aken, Bio-Waffenexperte:
“Ja, ich finde das eine ganz phantastische Idee zu sagen, wenn dieser Erreger wirklich so gefährlich ist, dass wir ihn nicht wirklich heilen können, wenn die Menschen damit krank geworden sind, dann von vorneherein die Infektion zu verhindern. Man kann den Reisbauern nicht verbieten, in ihre Reisfelder zu gehen, aber der Versuch hier ist jetzt, dieses Bakterium aus den Feldern zu vertreiben. Und die Daten, die bis jetzt vorliegen, deuten alle in die Richtung, wenn man das drei, vier Jahre macht, ist unser Krankheitserreger verschwunden und der Bauer hat kein Problem mehr.”

Noch ist es zu früh zu sagen, ob der Versuch wirklich ein Erfolg sein wird. In den nächsten Monaten wollen die Forscher erste Ergebnisse vorliegen haben. Doch für die Menschen, die heute das Risiko tragen, Opfer von Meliodose zu werden, bedeutet jeder Versuch, etwas daran zu ändern, Hoffnung.

Die Gefahr, dass das Bakterium aus den Reisfeldern Thailands von Terroristen für Anschläge missbraucht wird, bleibt bestehen. Genau wie die Gefahr aus dem Labor. Menschen machen Fehler. Menschen können bösartig sein. Menschen sind manipulierbar.

Uns bleibt die eine Erkenntnis: Nur die Wissenschaft und weitere Forschungsanstrengungen können den Menschen vor dem Menschen schützen.


26 August 2009

Kommumen!! DRUCKT GELD!! gegen Privatisierungen

Angesichts derzeitigen Explosion der Geldmenge
gibt es IMO nur zwei Moeglichkeiten:

ENTWEDER ist unser Finanzsystem resistent gegen kollaps
weil es zu gross geworden ist...

ODER es wird ein gigantischer kollaps.

Im ersten Fall koennte man auch annehmen, dass eine Elite gibt,
die das Wissen darueber benutzt, es vielleicht sogar steuert.
Es kann kein Zufall sein, dass die Banken so gut weggekommen sind.
Im Vergleich zu historischen Bankenkrisen, wo verstaatlichung immer die
loesung war, wird jetzt so weitergemacht wie bisher, mit etwas
besserem accounting aber auf demselben perversen niveau.

Oder Kollaps?
Was kommt nach dem Kollaps? Ein ehrlicheres,
staatliches Geldsystem. Die Herstellung des Tauschmittels MUSS
der Authoritaet des Volkes unterliegen, denn Tauschmittelpolitk
IST politik!
Wer schrieb das wohl:

Finanz ist keine persönliche, es ist eine gesellschaftliche Macht.

Financier sein, heißt nicht nur eine rein persönliche, sondern eine gesellschaftliche Stellung in der Produktion einnehmen.

Also, Was kommt nach dem Kollaps?

Die WIR bank!!

http://nhzzs.blogspot.com/2008/10/wir-machen-unsere-eigene-bank-auf-die.html

Kommumen!! DRUCKT GELD gegen Privatisierungen und Finanzkrise!
http://nhzzs.blogspot.com/2008/09/kommumen-druckt-geld-gegen.html
Diese waehrungen koennen so gut designed sein, dass sie krisen
meistern helfen.


Uebrigens, der 4te Artikel aus der FAZ Serie
'Zukunft des Kapitalismus' ist lesenswert! (Dirk Baecker)

http://nhzzs.blogspot.com/2009/06/zukunft-des-kapitalismus-1-10.html

Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird.
Karl Barth

25 August 2009

Schweizer Zeitung: USA hat evt 11.September veruebt

quelle: sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ausland/663864.html

TAGES ANZEIGER

Der erbitterte Streit um den 11. September

In den USA, aber auch in der Schweiz werden immer wieder bohrende Fragen gestellt zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 (9/11) und den dadurch ausgelösten Kriegen in Afghanistan und im Irak.

Von Daniele Ganser*

Im Irak-Krieg gehe es nicht um Terrorbekämpfung, sondern in erster Linie um die Kontrolle der weltweit abnehmenden Vorräte an Erdöl und Erdgas, ist der Amerikaner Fadel Gheit, ehemals Manager beim Erdölkonzern ExxonMobil, überzeugt. «Unsere Lebensweise in den USA setzt täglich 20 Millionen Barrel voraus, von denen die Hälfte importiert werden muss. Wir gleichen einem Patienten auf Erdöldialyse», so Gheit. «Hier geht es um Leben und Tod.»

Saddam Hussein, der gestürzte Diktator des Irak, trage entgegen den Behauptungen von Vizepräsident Dick Cheney keine Verantwortung für 9/11 und habe auch keine Atombombe angestrebt, protestiert Scott Ritter, ehemals Uno-Inspektor im Irak. «Uns werden eine Menge Lügen erzählt, und die Medien folgen blind und wiederholen diese Lügen. Die Bush-Regierung hat die Daten manipuliert, um die Invasion des Irak zu begründen.»

Afghanistan diene als Durchgangsland für Erdöl- und Erdgaspipelines vom Kaspischen Meer zum Indischen Ozean sowie als Militärbasis, um den Nahen Osten «unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung» zu umzingeln, so Michael Ruppert, ehemals Polizist beim Los Angeles Police Departement.
Drei Theorien

Die These vom grossen geostrategischen Kampf der Supermächte USA, Russland und China um die schwindenden Erdöl- und Erdgasreserven ist auf den ersten Blick einleuchtend, und nicht zuletzt wegen des steigenden Erdölpreises auch in Europa weit verbreitet. Problematisch ist sie trotzdem. Denn sie wirft die fundamentale Frage auf, ob die US-Administration in erster Linie Terroristen oder Erdöl jagt.

Es erstaunt daher nicht, dass der erbitterte Streit in den USA nicht auf die laufenden Kriege im Irak und in Afghanistan beschränkt blieb, sondern auch 9/11 erfasst hat, den mit 2973 Toten grössten Terroranschlag der Geschichte. In den vergangenen fünf Jahren wurden in den USA verschiedene Filme, Internetseiten und Bücher zu 9/11 veröffentlicht. Diese bilden heute eine nur schwer überschaubare Masse von Behauptungen und Gegenbehauptungen.

Drei sich gegenseitig ausschliessende 9/11-Theorien stehen sich gegenüber. Alle drei Theorien sind Verschwörungstheorien, obschon ihre Vertreter das gerne negieren. Dies heisst, sie gehen alle von einer geheimen Absprache von zwei oder mehr Akteuren vor dem 11. September als gegeben aus.

Die erste Theorie, die so genannte «Überraschungs-Theorie» (Surprise), stammt von der US-Regierung und wird von der offiziellen amerikanischen Untersuchung - dem «9/11 Commission Report» von Thomas Kean, der im Sommer 2004 erschien - unterstützt. Sie ist die offizielle 9/11-Erzählung: Osama Bin Laden habe zusammen mit Khalid Sheikh Mohammed die Anschläge zuerst in Afghanistan geplant, worauf eine von Mohammed Atta angeführte Gruppe von 19 Muslimen den Terroranschlag in den USA mit vier Flugzeugen ausführte. Bin Laden und sein Netzwerk seien der kriminellen Handlung schuldig.

Die zweite Theorie, die so genannte «Let-It-Happen-on-Purpose-Theorie» («Lass es absichtlich passieren», Lihop), behauptet, Bin Laden und das Al-Qaida-Netzwerk hätten den Anschlag geplant und ausführen lassen. Teile der US-Regierung hätten dies herausgefunden, den Anschlag aber trotzdem absichtlich nicht abgewehrt und fast 3000 Menschen geopfert, um eine Serie von Kriegen zu legitimieren, von denen jene in Afghanistan und im Irak nur die ersten zwei seien. Sowohl Bin Laden als auch Teile der US-Regierung seien der kriminellen Handlung schuldig.

Die dritte Theorie schliesslich, die so genannte «Make-It-Happen-on-Purpose-Theorie» («Führe es absichtlich selbst aus», Mihop), behauptet, die Anschläge seien vom Pentagon und/oder den US-Geheimdiensten ausgeführt worden, die Videos von Bin Laden seien gefälscht. Fast 3000 Menschen seien kaltblütig geopfert und das eigene Volk und die Welt getäuscht worden, um eine Serie von Kriegen zu legitimieren. Teile der US-Regierung seien der kriminellen Handlung schuldig.

Kevin Barrett, der ein Seminar zum Islam an der University of Wisconsin-Madison unterrichtet, ist ein Mihop-Vertreter, wie er im Juni 2006 öffentlich erklärte. Andere Amerikaner entsetzten sich. Barrett «sei peinlich für die Universität und die Menschen in Wisconsin», so der republikanische Kongressabgeordnete Steve Nass, der zusammen mit anderen Republikanern die Universität aufforderte, Barret sofort zu entlassen.

Der Verwaltungschef der Universität, Patrick Farrell, wehrte sich und betonte die Freiheit in Lehre und Forschung. «Wir können nicht zulassen, dass politischer Druck von Kritikern unpopulärer Ideen den freien Austausch von Meinungen verhindert», so Farrell. «Das würde die Tür für noch schwerere und umfassende Einschränkungen öffnen.» Die Studenten seien durchaus in der Lage, abweichende Theorien zu analysieren und sich ihre eigene Meinung zu bilden. «Wissen wächst, wenn man über Meinungen streitet», so Farrell.

Auch James Fetzer, emeritierter Philosophieprofessor der Universität Minnesota, hält die Surprise-Theorie für Unsinn. Er denkt Lihop oder Mihop beschreiben die Wahrheit besser. Dafür wurde er wiederholt angegriffen, was ihn und andere Amerikaner aber nicht abschreckt. «Wir werden das weitermachen», so Fetzer gegenüber CNN. «Unsere Rolle ist es herauszufinden, was am 11. September wirklich passiert ist.»
Debatte in der Schweiz

«Es erstaunt mich nicht, dass nach den Schwierigkeiten im Irak und in Afghanistan nun auch um 9/11 gestritten wird», so Kurt Spillmann, emeritierter ETH-Professor für Sicherheitspolitik. «Man muss aber vorsichtig untersuchen, denn die Lihop- und Mihop-Theorien hätten eine unglaubliche politische Sprengkraft.»

Welche Theorien die Schweizer Bevölkerung bevorzugt, ist noch unbekannt. «Eine breite Debatte zu diesen drei Theorien ist meines Wissens in der Schweiz noch nie öffentlich und im grossen Stil geführt worden. Aber da und dort sind sie immer wieder aufgeflackert», so Professor Karl Haltiner, Leiter der jährlich erscheinenden Erhebungsstudie «Sicherheit» der Militärakademie der ETH.

Dass der amerikanische Geheimdienst bei 9/11 die Finger im Spiel hatte, hält «Weltwoche»-Journalist Hanspeter Born für einen «ungeheuerlichen Verdacht», wie er in einem Beitrag zum auch in der Schweiz weit verbreiteten Antiamerikanismus schreibt. «Wenn dem so wäre, dann wäre Amerika tatsächlich ein bis ins Innerste verrottetes, krankes Land.»

Philipp Sarasin, Professor für Geschichte an der Universität Zürich, hat zu den Anthrax-Anschlägen, die auf 9/11 folgten, ein Buch vorgelegt, in dem er die Politik der Angst kritisch hinterfragt und die These vertritt, dass diese Brief-Anschläge möglicherweise ein «Inside-Job» waren. 9/11 sei noch völlig ungeklärt: «Welche der drei 9/11-Theorien stimmt, muss durch Historiker weiter untersucht werden», so Sarasin. «Doch schon heute lässt sich sagen, dass die offizielle Version - .Wir hätten uns nie denken können, dass wir durch Zivilflugzeuge angegriffen werden. - zumindest in einem Punkt nachweislich falsch ist: Solche Angriffe wurden seit Jahren als Möglichkeit in Betracht gezogen; im November 2000 wurde gar ein Angriff mit Zivilflugzeugen auf das Pentagon an einem grossen Gebäudemodell geübt.»

Unter den vielen komplizierten Sachfragen, über die sich die drei Theorien streiten, ist auch World Trade Center 7 (WTC 7). Es ist wenig bekannt, dass am 11. September in New York nicht zwei Wolkenkratzer einstürzten - WTC 1 und WTC 2, die bekannten Twin Towers -, sondern drei. Beim dritten Gebäude handelt es sich um das 170 Meter hohe WTC 7, das um 17.20 Uhr in sieben Sekunden vollkommen zusammenstürzte.
Misstrauen wegen WTC 7

In einer Zogby-Umfrage vom Mai 2006 erklärten 43% der Amerikaner, sie hätten noch nie etwas von WTC 7 gehört. Dies vor allem deshalb, weil nur die Twin Towers wiederholt am Fernsehen gezeigt wurden. Verunsicherte 42% erklärten, sie glaubten, die US-Regierung und die 9/11-Untersuchung würden etwas verheimlichen.

«Die Amerikaner sind schlecht und einseitig über 9/11 informiert worden, in erster Linie wurde die Surprise-Theorie auf allen Kanälen verbreitet», so Professor Albert Stahel von der Universität Zürich. «Das rächt sich nun. Alternative Medien haben zum Gegenschlag ausgeholt und verbreiten die Lihop- und die Mihop-Theorie. Wer gewinnt, wird sich erst in Zukunft zeigen. Das Misstrauen gegenüber der Regierung ist gross.»

«Es gibt ein Problem mit WTC 7», erklärte der Schauspieler Charly Sheen, bekannt aus seinen Rollen in «Platoon» und «Wall Street». «Und wenn es ein Problem mit WTC 7 gibt, dann gibts ein Problem mit der ganzen 9/11-Geschichte», so Sheen im März 2006 am Radio. WTC 7 könne nicht durch ein Flugzeug zum Einsturz gebracht worden sein, da es gar nie von einem Flugzeug getroffen wurde. Es könne auch nicht durch ein Erdbeben oder den Einsturz der Twin Towers eingerissen worden sein, da zwischen dem Einsturz der Twin Towers und WTC 7 fast sieben Stunden liegen. Mögliche Ursachen seien nur Feuer oder Sprengung.

In der Tat gab es ein kleines Feuer in WTC 7. Sheen zweifelt aber, dass dieses Feuer das WTC 7 zum Einsturz brachte. Wer das glaubt, «brauche psychiatrische Behandlung», so Sheen. Eine Sprengung brauche mehrere Tage Vorbereitung. Osama Bin Laden und seine Helfer seien es wohl nicht gewesen, denn dafür wurden sie nie angeklagt. Also bleibe nur Mihop.

Sheens Aussagen führten zu einem heftigen Streit. «Wie kann irgendeine vernünftige Person glauben, dass unsere Regierung unser eigenes Volk angegriffen hat?», fragte ein Zuschauer auf CNN per E Mail. Ein anderer meinte: «Das ist eine ganz wichtige Sache, die in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden muss. Es ist unsere patriotische Pflicht herauszufinden, warum und wie 9/11 passieren konnte.»

Sheen, unterstützt von Hollywoodstar Sharon Stone, blieb bei seiner Frage: «Ich bin einfach nur ein aufrechter amerikanischer Bürger, der seine Steuern bezahlt, sein Land liebt und der sich dagegen wehrt, dass solch grosser Unsinn über so offensichtliche Wahrheiten ausgebreitet wird.»

Wer im 566 Seiten langen Kean-Report nach WTC 7 und der Ursache für dessen Einsturz sucht, wird enttäuscht. WTC 7 wird im offiziellen Bericht zu 9/11 mit keinem Wort erwähnt. Theologieprofessor David Ray Griffin kritisierte dieses «Weglassen und Verdrehen» scharf und publizierte ein viel beachtetes Buch zu den vielen Unzulänglichkeiten des Kean-Reports in dem er schreibt: «Die 9/11-Kommission umgeht ein anderes peinliches Problem - die Erklärung, wie WTC 7 in praktisch freiem Fall einstürzen konnte -, indem sie den Einsturz des Gebäudes einfach gar nicht erwähnt.»

«Wenn die offizielle und abschliessende Untersuchung des 11. September nur vom Einsturz von zwei Wolkenkratzern berichtet, während in Tat und Wahrheit drei Wolkenkratzer in Manhattan einstürzten, dann fällt es schwer, den Kean-Report als solide historische Quelle für das Monumentalereignis 9/11 einzustufen», so Geschichtsprofessor Georg Kreis von der Universität Basel. «Von diesen Details wissen die wenigsten, aber sie sind Besorgnis erregend.»
Feuer oder Sprengung?

Peter Forster, Präsident der eidgenössischen Konsultativkommission für innere Sicherheit, betont, dass es auch für die Schweiz sehr wichtig ist zu wissen, ob der «Krieg gegen den Terrorismus» ein Vorwand ist, um Energieressourcen zu erbeuten. «Die Debatte um WTC 7 muss man im Auge behalten, unbedingt. Aber die Lihop- und Mihop-Theorien sind sehr explosiv, das wäre ungeheuerlich.»

In den USA hat die Federal Emergency Management Agency (Fema) im Mai 2002 einen Zwischenbericht vorgelegt, in dem sie erklärt, WTC 7 sei ein ganz spezielles Gebäude gewesen. Das Pentagon, die CIA und der US Secret Service hätten Teile des Hauses gemietet. Im Keller standen grosse Dieselgeneratoren, um das Haus während Notfällen mit Energie zu versorgen. Es sei «zurzeit noch unbekannt», so das Fazit der Fema, «wie das Feuer das Haus zum Einsturz bringen konnte». Die «New York Times» kommentierte, das WTC 7 sei das «grosse Geheimnis» der Anschläge, weil bis zu diesem Tag in den USA noch nie ein Gebäude aus Stahl und Beton nur wegen Feuer eingestürzt war.

«Wir wissen einfach nicht, was im WTC 7 genau passiert ist», so Mario Fontana, amtierender Professor am ETH-Institut für Baustatik und Konstruktion (IBK). An Konferenzen von Baustatik-Experten habe man in den vergangenen fünf Jahren nur sehr wenig zum Einsturz von WTC 7 erfahren. Es sei zumindest denkbar, dass ein lange anhaltender Brand das Gebäude zum Einsturz gebracht habe.

Die Fema gab das WTC-7-Dossier an das National Institute of Standards and Technology (Nist) der Regierung weiter. Worauf verunsicherte Amerikaner und Journalisten anriefen und vom Nist wissen wollten, warum das WTC 7 einstürzte. «Ich verstehe diese Faszination der Menschen für WTC 7 nicht», erwiderte Nist-Sprecher Michael Newman im März 2006.

«Nach meiner Meinung ist das Gebäude WTC 7 mit grosser Wahrscheinlichkeit fachgerecht gesprengt worden», sagt Hugo Bachmann, emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion. Und auch Jörg Schneider, ebenfalls emeritierter ETH-Professor für Baustatik und Konstruktion, deutet die wenigen vorhandenen Videoaufnahmen als Hinweise, dass «das Gebäude WTC 7 mit grosser Wahrscheinlichkeit gesprengt wurde».

Der Eigentümer von WTC 1, WTC 2 und WTC 7, Larry Silverstein, erinnerte sich ein Jahr nach den Anschlägen im September 2002 im US-Fernsehen an den Einsturz von WTC 7. Die Feuerwehr habe ihn informiert, dass es im Haus brenne. Darauf sagte Silverstein gemäss seinen eigenen Angaben: «Vielleicht ist es am besten, wenn wir es sprengen» («to pull it»). «Und so haben sie entschieden, es zu sprengen, und wir schauten zu, wie das Gebäude runterkam.» Später verteidigte sich Silverstein, er habe mit «pull it» die «Feuerwehrmänner evakuieren» gemeint. Worauf 9/11-Kritiker wie US-Millionär Jimmy Walter betonten, das sei Unsinn, «it» müsse sich auf eine Sache beziehen.
Stahlträger in Asien

Ob Feuer oder Sprengung zum Einsturz von WTC 7 führte, müsste man an den Stahlträgern untersuchen. Aber die sind weg. «Über 80% des Stahls des WTC ist schon verkauft worden, das meiste, wenn nicht sogar alles, bevor die Wissenschafter und Kriminologen es untersuchen konnten», protestierte Anthony Weiner, Parlamentarier aus New York, im März 2002 im US-Parlament. Der Stahl wurde in Asien recycelt. Professor Frederick Mowrer vom Fire Protection Engineering Department der University of Maryland, der zusammen mit anderen US-Experten den Zusammensturz der WTC-Gebäude untersuchen musste, kritisierte dieses Vorgehen scharf: «Ich finde die Geschwindigkeit, mit der wichtige Beweise weggeschafft und recycelt wurden, erschreckend.»

* Daniele Ganser ist Historiker an der Universität Zürich. Sein Buch «NATO.s Secret Armies» untersucht inszenierten Terrorismus im Kalten Krieg. Zum neuen Sammelband von David Ray Griffin («911 and American Empire: Academics Speak Out») hat er ein Kapitel beigetragen.
www.danieleganser.ch

24 August 2009

Soldaten Blut - zerfetzte Koerper GRAUSIGE BILDER


Zerbombter deutscher Soldatentransport... Leichen der Soldaten, Koerperteile, Blut..

Diesmal echtes deutsches Blut und Koerperteile. Wie viele Afghanis sind waehrend des illegalen Auslandeinsatzes in Afghanistan von deutschen ermordet worden? Wieviel BLUT und EINGEWEIDE von Einwohnern eines fremden Landes muessen deutsche, fremde, unkundige, befehligte Mordsklaven noch fuer den KAPITALISMUS abschlachten?

Ja, wenn Sie diese Worte stoeren, dann versuchen Sie einmal nachzuvollziehen, welche Worte ein Afghanischer Vater benutzen wuerde wenn er ueber sein von Westlern getoetetes Kind redet? Benutzen Sie lieber weiche Worte? Die Schreibtischtaeter werden Ihnen dankbar sein.

Bespritzt mit dem Blut seiner Kameraden, wie sooo viele Afghanis und Pakistanis aus der Hand von Deutschen und USamerikanischen Waffen.


WARUM??

Pipeline!

http://www.worldpress.org/images/maps/central_asia1.gif
GAS aus dem Schwarzen Meer!!
Carbohydrates from the Black Sea!


Deutschland der welt drittgroesste WAFFENLIEFERANT... verdient am Blut junger Maenner, denen erzaehlt wird die Zivilisation wuerde verteidigt.

Der Anschlag vom 11.September 2001 war eine ultra-high-tech Illusion,

http://www.drjudywood.com/articles/JJ/indexpics/010911_WTC6_911_1328.jpg
Strahlenwaffen! Lachen Sie nicht! Siehe www.drjudywood.com/articles/JJ/ usw
ein FALSE FLAG ATTACK, perfekt und blutig-moerderisch ausgefuehrt, um den Vorwand fuer eine GLOBALE BEHERSCHUNG und Rechtfertigung fuer DIREKTE ANGRIFFE, weltweit!

Now you see it.
Now you don't.

Figure 2. The height of the towers is compared to the height of WTC6 and the "rubble pile" shown in Figure 17.
(1978) Source
Figure 3. This photo was taken was take around noon on 9/11/01, showing the height of WTC6 compared to the "rubble pile" of WTC1 which is appears in the foreground. Where did the building go?
(9/11/01) Source and here
Figure 4. A view of the vacant lot where WTC1 stood just the day before. Where did the building go?
(9/12/01)

Aus der Sicht der Afghanis koennte man so formulieren:
Die radikal kapitalistisch christlichen Militaers mit hochtechnisierten Massenvernichtungswaffen besetzen wie die Englaender in den 1920er aus neo-kolonialistischen Motiven unseren Hindukusch! Wir sind im Vorteil, weil die Christen weit weg von zuhause sind.

Taleban, Maedchenschulen?

Klar. Lass uns Entwicklungshilfe leisten. Oder sogar Entschaedigung fuer die Verbrechen von uns westlichen Kolonialisten.
BITTE LESEN SIE DIE GESCHICHTE!!
Wir haben uns NIE um die Leute gesorgt, nein, unsere PRIVAT-FIRMEN gingen immer schon ueber Leichen, und haben es immer schon als HILFE deklariert.

Rheinmetall, Heckler und Koch, Krupp Thyssen, Mauser, EADS, HDW, Krauss-Maffei Diehl BGT Defence (Nürnberg) sind happy! Sie machen


Rheinmetall AG
Corporate Sector Defence Press and Information

SUPER PROFITE !!


obige Bilder liefen im deutschen Fernsehen:


Leben und Sterben fuer Kabul - Teil 1/5
8:49
10 months ago
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POLTERJAN
Leben und Sterben fuer Kabul - Teil 2/5
8:49
10 months ago
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POLTERJAN
Leben und Sterben fuer Kabul - Teil 3/5
8:50
10 months ago
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POLTERJAN
Leben und Sterben fuer Kabul - Teil 4/5
8:51
Leben und Sterben fuer Kabul - Teil 5/5
8:49
http://www.youtube.com/watch?v=bYWtaEkBxJg
http://www.youtube.com/watch?v=Xz8cXji_09E
http://www.youtube.com/watch?v=kB45y_aYn1M
http://www.youtube.com/watch?v=2OCrKq0mVJE
http://www.youtube.com/watch?v=3ulo5gMIDmE

Leben und Sterben für Kabul - Begründung der Jury

Ist die Bundeswehr in Afghanistan in einen Krieg verwickelt? Diese Frage beschäftigt 2008 Öffentlichkeit und Regierung. Und Hubert Seipel – in seinem Film „Leben und Sterben für Kabul“. „Wir sind dort in keinem Krieg“, sagt Verteidigungsminister Jung vor der Kamera. Seipel kontrastiert diese Sequenz im Laufe des Films mit Szenen von Kampfhandlungen, mit Aussagen von Opfern. Er vermeidet dabei den Duktus des Besserwissenden, vermittelt nicht den Eindruck abschließender Antworten. Er liefert vielmehr Informationen und lässt Spielraum für offene Fragen.

Der Film zeigt die offensichtlich unbeherrschbare Weite des Landes. Er vermittelt einen Eindruck von den Schwierigkeiten, wenn Afghanis und Deutsche zusammen auf Patrouille gehen. Und er weist mit beeindruckenden Aufnahmen auf den nur oberflächlich geführten Kampf gegen den Mohnanbau.

Seipel lässt erkennen, dass kulturelle Welten aufeinander prallen, wenn er offen legt, dass nach dem von deutschen Soldaten verschuldeten Tod von Zivilisten eine Blutrache nur durch Zahlung eines erheblichen Geldbetrages vermieden werden kann. Hier und in der Episode, die Außenminister Steinmeier bei einem öffentlichen Auftritt mit einem ehemaligen Warlord zeigt, liefert der Film Einblicke in die schwer durchschaubaren Vorgänge, mit denen am Hindukusch die Freiheit verteidigt werden soll.

„Leben und Sterben für Kabul“ zeigt, was den Soldaten dort abverlangt wird und wie sie damit umgehen. Erfreulicherweise vermeidet der Film die üblichen martialischen Bilder von kämpfenden Soldaten, wie wir sie aus Frontberichten kennen. Er zeigt Opfer der Kampfhandlungen – Tote oder Soldaten mit schweren Verletzungen; und auch Soldaten, die psychisch schwer traumatisiert sind noch Jahre nach ihrem Einsatz. Sie berichten mit erstaunlicher Offenheit von ihrem bisher nicht geglückten Weg zurück in ein normales Leben.

Dem Film kommt das Verdienst zu, durch seine Beobachtung mit der Kamera und seine behutsame Sprache dem Zuschauer zu vermitteln, wie deutsche Soldaten über ihre Ängste und psychischen Verletzungen sprechen. Wer will, kann aus diesem Film nicht nur über Afghanistan viel erfahren, sondern auch über den Umgang mit den Themen Angst und Krieg in Deutschland. Dem Autor Hubert Seipel gelingt in Zeiten des gelenkten, so genannten eingebetteten Journalismus ein erstaunlich unabhängiger und informativer Film, der zum Nachdenken anregt: Aufklärung in bester Tradition




23. Juni 2009
Um 11.59 Uhr Ortszeit (09.29 Uhr MESZ) wurde eine deutsche Patrouille im Rahmen einer gemeinsamen Operation deutscher und afghanischer Sicherheitskräfte circa sechs Kilometer südwestlich des PRT Kunduz durch Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen beschossen.
Im Rahmen der Gefechtshandlungen kam gegen 12.44 Uhr Ortszeit (10.14 Uhr MESZ) beim Rückwärtsfahren ein Transportpanzer Fuchs von der Fahrbahn ab und überschlug sich.
Infolge dieses Vorfalls sind drei Soldaten gefallen.

29. April 2009
Gegen 18.50 Uhr Ortszeit geriet eine deutsche Patrouille des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kunduz nordwestlich von Kunduz in einen Hinterhalt.
Die Patrouille wurde dabei mit Handfeuerwaffen und Rocket Propelled Grenades (RPG) beschossen.
Bei diesem Feuergefecht ist ein deutscher Soldat gefallen.

10. Januar 2009
Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Karlheinz Viereck, übergibt das Kommando über das Deutsche Einsatzkontingent ISAF von Brigadegeneral Jürgen Weigt an Brigadegeneral Jörg Vollmer.

03. Januar 2009
Generalmajor Hans-Lothar Domröse ist nach einjähriger Amtszeit als Chef des Stabes der Internationalen Schutztruppe ISAF verabschiedet worden. Domröse übergibt seinen Posten an den italienischen Generalmajor Marco Bertolini.


20. Oktober 2008
Gegen 13.00 Uhr Ortszeit (10.30 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit) wurde etwa 5 Kilometer südwestlich des deutschen PRT Kunduz ein Selbstmordanschlag auf eine deutsche Patrouille der Verstärkungskräfte des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) verübt.

Bei dem Anschlag der radikalislamischen Taliban wurden zwei Bundeswehrsoldaten getötet.

16. Oktober 2008
Der Deutsche Bundestag stimmt dem Antrag der Bundesregierung über die Verlängerung des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan um weitere 14 Monate zu.

27. August 2008
Bei einem Anschlag gegen 09.25 Uhr Ortszeit (07.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) auf eine deutsche ISAF-Patrouille unweit des PRT Kunduz kommt ein deutscher Soldat ums Leben. Drei weitere werden verletzt.

09. Juli 2008
Der US-General David D. McKiernan, als Befehlshaber der ISAF-Truppen in Afghanistan und der Stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalmajor Rainer Glatz, entbinden Brigadegeneral Dieter Dammjacob von der Führung des Regionalkommandos Nord (RC N) sowie des 16. Deutschen Einsatzkontingentes und übertragen die Verantwortung auf Brigadegeneral Jürgen Weigt.

07. Juli 2008
Der Kontingentführer Deutsches Einsatzkontingent ISAF und Kommandeur Regionalkommando Nord (RC N), Brigadegeneral Dieter Dammjacob, übergibt das Kommando über das Provincial Reconstruction Team (PRT) Kunduz von Oberst Rainer Buske an Oberst Christian Meyer.

01. Juli 2008
Seit 0 Uhr stellt die Bundeswehr die Quick Reaction Force (QRF) des Regionalkommandos Nord in Afghanistan und übernimmt damit die Verantwortung für die schnelle Eingreiftruppe von Norwegen.

09. Januar 2008
Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie übergab Generalmajor Bruno Kasdorf, Chef des Stabes HQ ISAF, am 9. Januar das Kommando über das ISAF Regional Command North sowie das Kommando über das 15. Deutsche Einsatzkontingent ISAF von Brigadegeneral Dieter Warnecke an Brigadegeneral Dieter Dammjacob.

07. Januar 2008
Oberst Jürgen Setzer übergibt das Kommando über das Wiederaufbauteam (Pocincial Reconstruction Team - PRT) Kunduz an seinen Nachfolger, Oberst Rainer Buske.

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13. Dezember 2007
Oberst Michael Hochwart wird neuer Kommandeur des Provincial Reconstruction Team Feyzabad. Er übernimmt die Dienstgeschäfte von Oberst Hans Sahm, der mehr als fünft Monate an der militärischen Spitze des PRT Feyzabad stand.

12. Oktober 2007
Der Deutsche Bundestag stimmt dem Antrag der Bundesregierung über die Verlängerung des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan um weitere zwölf Monate zu.

01. August 2007
Der Stellvertretende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalmajor Rainer Glatz, übergibt das Kommando über das Deutsche Einsatzkontingent ISAF von Brigadegeneral Josef D. Blotz an Brigadegeneral Dieter Warnecke.

09. Juli 2007
Das Provincial Reconstruction Team (PRT) Feyzabad erhält eine neue militärische Spitze. Der Kommandeur des Regional Command North, Brigadegeneral Josef D. Blotz überträgt nach sieben Monaten das Kommando von Oberst Artur Schwitalla an Oberst Hans Sahm.

19. Mai 2007
Bei einem Selbstmordanschlag wurden um 10.08 Uhr Ortszeit (07.38 Uhr MEZ) im Stadtzentrum von Kunduz drei Bundeswehrsoldaten getötet und fünf weitere sowie ein afghanischer Sprachmittler zum Teil schwer verletzt.

27. Februar 2007
Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Karlheinz Viereck, übergibt die Dienstgeschäfte des Regionalkommandos Nord von Brigadegeneral Volker Barth, nationaler Befehlshaber und Kommandeur Deutsches Einsatzkontingent, feierlich an Brigadegeneral Josef D. Blotz.

14. Februar 2007
Generalleutnant Johann-Georg Dora, stellvertretender Generalinspekteur der Bundeswehr, besucht das Regionalkommando Nord und das deutsche Einsatzkontingent in Mazar-E Sharif, um sich ein Bild von der Lage im Norden Afghanistans zu machen.

05. Februar 2007
Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung besucht die zur Zeit in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten, die dort den Wiederaufbau betreiben und Sicherheit gewährleisten.

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14. Dezember 2006
Oberst Gerhard Brandstetter übergibt das Kommando über das Wiederaufbauteam (PRT) Kunduz an seinen Nachfolger, Oberst Peer Luthmer.

12. Dezember 2006
Das Kommando über das Provincial Reconstruction Team (PRT) Feyzabad wird von Oberst Martin G. Robrecht an Oberst Artur Schwitalla übergeben.

06. November 2006
Der belgische Außenminister Karel de Gucht besucht das PRT (Provincial Reconstruction Team) in Kunduz.

29. Oktober 2006
In der Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Balkh, Mazar-E Sharif, wird das letzte von insgesamt fünf Hauptquartieren der Afghan National Police (ANP) mit einem feierlichen Akt seiner Bestimmung übergeben.

12. Oktober 2006
Der amtierende Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalmajor Rainer Glatz, hat das Kommando über das deutsche Einsatzkontingent ISAF im Norden Afghanistans an Brigadegeneral Volker Barth übertragen.

28. September 2006
Der Deutsche Bundestag beschließt, das ISAF-Mandat um ein weiteres Jahr zu verlängern.

27. September 2006
Das PRT Kunduz (Provincial Reconstruction Team) hat die Brücke in der nordafghanischen Ortschaft Madrasa im District Ali Abad neu aufgebaut.

21. September 2006
Der Kommandeur des PRT Feyzabad, Oberst Martin G. Robrecht, hat den Flugplatz der Provinzhauptstadt Feyzabad eröffnet. Das Provincial Reconstruction Team hatte beim Aufbau geholfen.

06. September 2006
Der Kommandeur des PRT Feyzabad, Oberst Martin G. Robrecht, übergibt das Provincial Coordination Centre (PCC) an die örtlichen Behörden in Feyzabad.

17. August 2006
Der Kommandeur des Regional Command North, Brigadegeneral Markus Kneip, übergibt in Termez das Kommando über das Einsatzgeschwader Termez von Oberst Norbert Daniel an Oberst i.G. Klaus Rühl. Für Oberst i.G. Rühl ist es der zweite Einsatz als Verbandsführer in Termez.

14. August 2006
Im deutschen Provincial Reconstruction Team (PRT) in Kunduz wird das erste NATO Operational Mentoring and Liasion Team (OMLT) durch den Kommandeur der ISAF-Truppen in Afghanistan, den britischen Generalleutnant David J. Richards, in Dienst gestellt.

08. August 2006
Brigadegeneral Markus Kneip, Regional Commander North und deutscher ISAF-Kontingentführer, übergibt das Kommando über das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) Kunduz von Oberst Hans Werner Patzki an Oberst Gerhard Brandstetter.

02. August 2006
Das Camp Marmal in Mazar-e Sharif wird in der Steppe Nordafghanistans errichtet. Es ist mit rund 1.000 Soldaten das größte Feldlager der Bundeswehr im Ausland.

24. Juli 2006
Das Kommando über das PRT Feyzabad wird durch Brigadegeneral Markus Kneip, Kommandeur RC North, von Oberst Bernd Schütt an Oberst Martin G. Robrecht übertragen.

03. Juli 2006
Flottillenadmiral Jens-Volker Kronisch, Chef des Stabes im Einsatzführungskommando der Bundeswehr, übergibt das Kommando über das Deutsche Einsatzkontingent ISAF mit seinen rund 2.700 Soldaten an Brigadegeneral Markus Kneip.

01. Juni 2006
Deutschland stellt mit Brigadegeneral Markus Kneip den ersten Regional Commander North (RC North) der ISAF-Truppen. Etwa vier Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes hat die Bundeswehr damit das Kommando über die ISAF-Kräfte im Norden des Landes übernommen. Kneip war zuvor Regional Area Coordinator North (RAC North).

09. Mai 2006
Im Camp Warehouse in Kabul herrscht Aufbruchstimmung. Die Schwerpunktverlagerung der deutschen Afghanistanmission nach Mazar-e Sharif im Rahmen der Ausweitung des ISAF-Einsatzes der NATO auf ganz Afghanistan beginnt.

10. April 2006
Brigadegeneral Markus Kneip übernimmt das Kommando als RAC North von Brigadegeneral Bernd Kiesheyer.

24. Februar 2006
Das Kommando über das PRT Feyzabad wird von Oberst Peter Baierl an Oberst Bernd Schütt übergeben.

27. Januar 2006
Das Kommando über das PRT Kunduz wird von Oberst Bernd-Otto Iben an Oberst Hans Werner Patzki übergeben.

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14. November 2005
In Kabul wird ein Sprengstoffanschlag auf ein deutsches Fahrzeug der internationalen Schutztruppe ISAF verübt. Ein Soldat wird getötet, zwei weitere werden zum Teil schwer verletzt.

03. November 2005
Symbolisch wird der Schlüssel für das neue Feldlager in Mazar-e Sharif an das Deutsche ISAF-Einsatzkontingent übergeben. Auf dem Gebiet entsteht das neue Hauptquartier des RAC North.

28. September 2005
Der Bundestag beschließt, das ISAF-Mandat um ein weiteres Jahr zu verlängern. Die Personalobergrenze der Bundeswehr wird von 2.250 auf 3.000 Soldaten erhöht. Ferner können deutsche ISAF-Soldaten ab jetzt nicht nur in der Nordregion und Kabul, sondern auch in anderen Landesteilen Afghanistans eingesetzt werden, allerdings nur zeitlich und im Personalumfang begrenzt.

04. August 2005
Die Türkei übergibt das Kommando über die von der NATO geführte Internationale Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) an Italien.

30. Juli 2005
Brigadegeneral Bernd Kiesheyer wird erster Regional Area Coordinator (RAC) für den Norden Afghanistans. Hauptaufgabe des RAC, der zunächst in Kunduz seinen Sitz hat, ist die Koordination der zivil-militärischen Aktivitäten (CIMIC) der zugeordneten Regionalen Wiederaufbauteams (PRT). Damit trägt Deutschland die Verantwortung für die Koordination des Wiederaufbaus im gesamten Norden Afghanistans.

25. Juni 2005
Bei einer Munitionsexplosion in Rustaq, etwa 120 Kilometer nordöstlich von Kunduz, werden zwei Bundeswehrsoldaten getötet und drei weitere sowie mehrere Afghanen verletzt.

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30. Oktober 2004
Der Deutsche Bundestag stimmt einer Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) für weitere zwölf Monate zu. Die Personalobergrenze der Bundeswehr beträgt 2.250 Soldaten.

12. Juli 2004
Die ersten deutschen Soldaten treffen in Feyzabad ein.

06. Mai 2004
Bei einem Unfall, bei dem sich ein mit 18 US-Soldaten besetzter LKW überschlägt, übernehmen deutsche Kräfte die notfallmedizinische Versorgung. Insgesamt werden fünf schwer und mehrere leicht verletzte Soldaten nach Erstversorgung in das nächstgelegene Hospital abtransportiert.

März 2004
In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen einigt man sich auf die Schaffung eines weiteren PRT in Feyzabad im Nordosten Afghanistans. Das PRT Kunduz soll den Aufbau logistisch unterstützen. Auch in Feyzabad sollen deutsche Soldaten eingesetzt werden.

30. Januar 2004
Das Deutsche Einsatzkontingent Kunduz eröffnet eine PRT-Außenstelle in Taloqan.

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30. Dezember 2003
Die Führung des PRT-Projekts ISAF-Insel Kunduz wird von den amerikanischen Streitkräften an die NATO übergeben.

November 2003
Die deutschen Soldaten in Kunduz unterstützen das DDR-Programm zur Entwaffnung und Reintegration ehemaliger Kämpfer in Afghanistan.

25. Oktober 2003
Die ersten 27 Bundeswehrsoldaten treffen in Kunduz ein.

24. Oktober 2003
Der Deutsche Bundestag beschließt die Ausweitung des Mandats für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Damit sind die Voraussetzungen für das PRT-Projekt ISAF-Insel Kunduz geschaffen. Bis zu 450 deutsche Soldaten sollen in der nordafghanischen Provinz den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wiederaufbauprozess unterstützen.

13. Oktober 2003
Der Weltsicherheitsrat beschließt die Ausweitung des ISAF-Mandats für Gebiete auch außerhalb Kabuls. Gleichzeitig wird eine Verlängerung des Mandats für weitere zwölf Monate beschlossen.

11. August 2003
Im Beisein von Bundesverteidigungsminister Peter Struck und Generalleutnant Friedrich Riechmann übernimmt Generalleutnant Götz Gliemeroth das Kommando über die International Security Assistance Force in Kabul von Generalleutnant Norbert van Heyst. Die NATO führt damit die zuvor von den Niederlanden und Deutschland ausgeübte Führung bei ISAF weiter.

17. Juli 2003
Der Kommandeur der International Security Assistance Forces (ISAF), Generalleutnant Norbert van Heyst, übergibt das Kommando über die Multinationale Brigade Kabul vom deutschen Brigadegeneral Werner Freers an den kanadischen Brigadegeneral Peter J. Devlin.

07. Juni 2003
Ein deutscher Konvoi, der sich auf der Fahrt zum Kabul International Airport befindet, wird durch ein Selbstmordkommando angegriffen. Mittels einer in einem Taxi gezündeten Bombe wird ein deutscher Bus zerstört. Vier Soldaten verlieren ihr Leben, 29 werden zum Teil schwer verletzt.

29. Mai 2003
Während einer Erkundungsfahrt fährt ein deutsches Fahrzeug auf eine Mine. Dabei kommt ein Soldat ums Leben, ein weiterer wird verletzt.

10. Februar 2003
Deutschland und die Niederlande werden Lead-Nation in Afghanistan. Der deutsche Generalleutnant Norbert van Heyst wird der ISAF-Kommandeur .

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21. Dezember 2002
Während eines Erkundungsfluges über Kabul kommen beim Absturz eines CH-53-Hubschraubers sieben deutsche Soldaten ums Leben.

20. Dezember 2002
Der Deutsche Bundestag beschließt eine Verlängerung des Mandates für die internationale Schutztruppe in Kabul. Gleichzeitig wird beschlossen ab Februar 2003 gemeinsam mit den Niederlanden die Führung von ISAF zu übernehmen und das deutsche Kontingent auf bis zu 2.500 Soldaten zu verstärken.

27. November 2002
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt mit der Resolution 1444 eine Verlängerung des Mandates für die Internationale ISAF-Schutztruppe über den 20. Dezember 2002 hinaus für ein Jahr.

20. Juni 2002
Die Türkei übernimmt von Großbritannien die Führung (Lead Nation) der Gesamtoperation ISAF.

14. Juni 2002
Der Deutsche Bundestag verlängert das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr an ISAF bis zum 20. Dezember 2002.

23. Mai 2002
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschließt mit der Resolution 1413 eine Verlängerung des Mandats für die internationale ISAF-Schutztruppe bis zum 20. Dezember 2002.

27. März 2002
125 deutsche Soldaten nehmen an einem Hilfskonvoi über das Hindukuschgebirge in das nordafghanische Erdbebengebiet teil.

19. März 2002
Deutschland übernimmt die taktische Führung der multinationalen Brigade in Kabul (KMNB) während Großbritannien die Führung der Gesamtoperation behält.

06. März 2002
Beim Entschärfen einer Flugabwehrrakete sowjetischer Bauart sterben in Kabul zwei deutsche und drei dänische Soldaten, weitere werden schwer verletzt.

15. Februar 2002
Die Luftwaffe nimmt in Termez/Usbekistan einen selbst eingerichteten Luftumschlagplatz für die Versorgung des deutschen ISAF-Kontingentes in Betrieb. Wegen der in Afghanistan bestehenden Gefährdung erfolgen die Personentransporte der Bundeswehr nach Kabul mit C-160 Transall-Transportflugzeugen über Termez.

14. Januar 2002
Deutsche Soldaten beteiligen sich erstmals an Patrouillen in Kabul.

02. Januar 2002
Das Vorauskommando der ISAF trifft in Kabul ein, anschließend erfolgt die Verlegung der Vorauskräfte. Die Gesamtoperation ISAF steht unter britischer Führung (Lead Nation).

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22. Dezember 2001
Der Deutsche Bundestag erteilt das Mandat für die deutsche Beteiligung am ISAF-Einsatz auf Basis der VN-Resolution 1386.

20. Dezember 2001
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet mit der Resolution 1386 „die Einrichtung einer internationalen Sicherheitsbeistandstruppe für einen Zeitraum von sechs Monaten, um die afghanische Interimsbehörde bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und seiner Umgebung zu unterstützen, damit die afghanische Interimsbehörde wie auch das Personal der Vereinten Nationen in einem sicheren Umfeld tätig sein können“.

27. November bis 5. Dezember 2001
Die größten ethnischen Gruppen Afghanistans einigen sich auf der „Petersberger Konferenz“ auf eine „Vereinbarung über provisorische Regelungen in Afghanistan bis zum Wiederaufbau dauerhafter Regierungsinstitutionen“ („Bonner Vereinbarung“).

http://aftermathnews.files.wordpress.com/2007/08/bush-911-jetfuel-wtc-laff.jpg






Somalia (United Nations Operation in Somalia - UNOSOM II)
Auftrag: Logistische Unterstützung von UNO-Truppen; Luftbrücke Mombasa - Somalia

Personal: ca. 1.700 Soldaten Heer in BELET UEN/SOMALIA, ca. 600 Soldaten Marine, ca. 120 Soldaten Luftwaffe in DIJBOUTI und MOMBASA/KENIA

Dauer: 28. August 1993 bis 23. März 1994 Heereskontingent, 25. August 1992 bis 21. März 1993 Luftbrücke

Mittel: Transportflugzeuge der Luftwaffe, Transporthubschrauber Heer, Transport- und gepanzerte Fahrzeuge

Bilanz: 18.300 medizinische Behandlungen, rund 30 Einzelprojekte Humanitäre Hilfe, 650 Hilfsflüge


quelle
www.einsatz.bundeswehr.de

Grundeinkommen und Reinheitsgebot im selben Jahr!

Grundeinkommen und Reinheitsgebot im selben Jahr!

In Thomas Morus. Roman Utopia (1516) wurde statt der Bestrafung von Dieben vorgeschlagen, allen Menschen des Landes eine Art Lebensunterhalt zu zahlen, um Diebstahl vorzubeugen

Das vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. im April 1516 erlassene Reinheitsgebot!!

http://www.brauer-bund.de/bierfans/rein.htm


Auf Grund einer Klage der EWG-Kommission im Jahre 1984 entschied der Europäische Gerichtshof am 12. März 1987, dass das Verbot, ausländische Biere, die nicht nach den deutschen Regeln hergestellt wurden, in Deutschland unter der Bezeichnung .Bier. zu verkaufen, gegen die Warenverkehrsfreiheit des EWG-Vertrages verstößt (EuGH, Rs. 178/84, Slg. 1987, 1227 [4]). Die Beschränkung der Bezeichnung .Bier. auf Produkte, die dem traditionellen deutschen Reinheitsgebot entsprachen, war nicht durch zwingende Erfordernisse des Verbraucherschutzes gerechtfertigt, weil dafür Kennzeichnungsregelungen ausreichend sind. Darüber hinaus war das absolute Verkehrsverbot für Biere mit Zusatzstoffen ungerechtfertigt, weil es unverhältnismäßig und auch nicht nach Art. 36 EWGV (heute Art. 30 EGV zwingende Gründe des Gemeinwohls) gerechtfertigt war.

Mit der Neufassung des BierStG im Jahre 1993 wurden die Regelungen des alten BierStG zur Bierherstellung und zum Reinheitsgebot als sogenanntes Vorläufiges Biergesetz (VorlBierG) beibehalten und die steuerlichen Bestimmungen in das neue BierStG (1993) überführt.

Ein Verweis auf eine Herstellung nach dem .Reinheitsgebot. ist bei vielen Herstellern außerhalb Deutschlands, vor allem in den USA, ein beliebtes Marketinginstrument bei der Etikettierung und Werbung. Ob diese Angabe in allen Fällen wirklich zutrifft, ist allerdings nicht sichergestellt. In Griechenland besteht die Verpflichtung auf das Reinheitsgebot durch König Otto.

23 August 2009

endlich mehr geschichten aus der geschichte

07 September 1901:
Die Unterzeichnung des Boxer-Protokolls und die internationale Intervention in China

Mit der Unterzeichnung des Boxer-Protokolls mußte sich China verpflichten, Kriegsentschädigung im Wert von 330 Millionen Dollar bis 1940 zu zahlen (eine damals gigantische Summe), sich offiziell für die Ermordung des deutschen und japanischen Botschafters entschuldigen, eigene Befestigungen zu zerstören, zusätzliche Stützpunkte der Großmächte erlauben, Anhänger und Unterstützer der Boxer zu bestrafen und die "Politik der Offenen Tür" akzeptieren. Eine Intervention von mehr als 100 000 Soldaten aus elf imperialistischen Staaten (Deutschland, Österreich-Ungarn, Belgien, Spanien, USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Niederlande und Rußland) hatte zuvor Peking und andere Regionen Chinas erobert, wobei der Aufstand der Boxer und die Ermordung von Diplomaten und Missionaren als Vorwand gedient hatte. China wurde zwar keine Kolonie und das chinesische Kaisertum blieb die offizielle Regierung, tatsächlich verlor China die staatliche Souveränität. Die beteiligten imperialistischen Staaten sollten, nach dem sie China gemeinsam unterjocht hatten, ein Jahrzehnt später selbst übereinander herfallen (siehe 04. August 1914 Der Erste Weltkrieg beginnt).


Unterzeichnung des Boxer-Protokolls in Peking

China war Europa lange technologisch voraus. Die gesellschaftliche Entwicklung war schon um 250 v.Chr. vergleichbar mit Europa im späten Feudalismus. Die Chinesen waren schon im 15. Jahrhundert in der Lage umfangreiche Entdeckungsreisen bis nach Afrika zu unternehmen. Allerdings geriet China wiederholt in schwere gesellschaftlichen Krisen ('Mittelalter'). So mußten die Entdeckungsfahrten wegen der hohen Kosten eingestellt werden, was sicher stellte, dass nicht Europa von einer technisch überlegenen Macht "entdeckt" wurde. Trotz der technologischen Fortschrittlichkeit konnte sich in China keine kapitalistische Produktionsweise durchsetzen. Es gab keine bürgerliche Revolution vergleichbar mit der Englischen (1641-49; 1688), Amerikanischen (1773-83, siehe 16.12.1773: Boston Tea Party) oder Französischen Revolution (1789-94, siehe 14.7.1789: Der Sturm auf die Bastille und die Französische Revolution. In Europa setzte sich das Bürgertum durch, und wenn es auch nicht überall in der Lage war den Adel von der Macht zu verdrängen, konnte überall die kapitalistische Produktionsweise durchgesetzt werden. Chinas Bürgertum war nicht relativ unabhängig, wie das europäische Gegenstück in den Städten, sondern abhängig von der kaiserlichen Staatsbürokratie und deshalb unfähig einen gesellschaftlichen Fortschritt zu erkämpfen. Dadurch konnten Chinas Krisen nicht überwunden werden und die Wirtschaft und Staat befand sich im Niedergang, wodurch China anfällig für Invasionen wurde. Noch im 16. Jahrhundert erzielte China einen Exportüberschuß durch weltweite Exporte von Waren wie Seide und Porzellan, während die europäischen Händler China nichts zu bieten hatten. Die Briten änderten dies durch den Opium-Anbau in Indien, was ein Außenhandelsdefizit für China verursachte. Nach dem der Opium-Handel verboten wurde, erzwangen die Briten in den Opium-Kriegen (1840-42 und 1856-58) die Öffnung der chinesischen Märkte, auch für andere billige Industriewaren, wodurch der Niedergang der chinesischen Wirtschaft beschleunigt wurde. Zu der erzwungenen Öffnung der Märkte kamen auch die Eroberung von Stützpunkten wie Hong Kong (1842/43). Andere europäische Mächte folgten. So eroberte Frankreich Indochina (1885) und Kuangchouwan, Japan Formosa (1895), Großbritannien Weihaiwei, Nepal, Tibet, Bhutan und Burma (1886), Rußland Teile Sinkiangs, der Mongolei und der Mandschurei, sowie Dairen (Port Arthur) und Deutschland Kiautschou (1898). Die einzelnen Großmächten schufen für ihre Unternehmen Einflußzonen, die von den militärischen Stützpunkten aus kontrolliert wurden.

Die Kolonialisierung (z.B. Enteignung der Bauern Eisenbahnstrecken), christliche Missionierung und "Strafexpeditionen", z.B. deutscher Truppen im Bereich um Tsingtao zur Durchsetzung der wirtschaftlichen Interessen der Großmächte, schürten den Haß gegen die "ausländischen Teufel". Die Situation wurde zusätzlich durch die Korruption des kaiserlichen Staatsapparats und Hungersnöte angeheizt. Ab 1898 erhielt die "Miliz für Gerechtigkeit und Eintracht" oder "Fäuste für gerechte Harmonie" (Yihetuan), die im Westen als Boxer bezeichnet wurden, massenhaften Zulauf. Die Boxer glaubten, dass sie magische Kräfte hatten, die sie immun gegen Kugeln machen würden. Wie schon beim Tai Ping-Aufstand zwischen 1850-64 nahm die Bewegung religiöse Formen an. Die Boxer hatten ihren Ursprung in ländlichen Gebieten. Wer ihre Aktivitäten anfangs die Vertreibung der Ausländer und den Sturz der Ch?ing (Qing)-Dynastie verfolgte, war die Regierung in der Lage die Boxer zu beeinflussen, so dass "Unterstützt die Ch'ing, zerstört die Ausländer" der neue Slogan der Boxer wurde.


Propagandaplakat der Boxer gegen Ausländer

Ab dem Frühjahr 1900 kam es zu schweren Ausschreitungen gegen Ausländer (Missionare, Diplomaten, Geschäftsleute) und christliche Chinesen. Der chinesischer Staatsapparat war sich uneinig, wie mit den Boxer umzugehen sei. Während ein Teil sie wegen fehlenden eigenen Kräften tolerierte (z.B. die tatsächliche Herrscherin Tzu-Hsi, die im Namen des unmündigen Kaisers Kuang-Hsu regierte) und sogar förderte (viele Adelige im Umfeld der Kaiserin-Witwe Tzu-Hsi), gingen andere, z.B. der Gouverneur der Provinz Schantung Yuan Shikai aktiv gegen die Boxer vor. Im wesentlichen wurden die Differenzen im Umgang mit den imperialistischen Mächten deutlich.

Anfangs war der Schwerpunkt des Aufstands in der Provinz Schantung, später im Großraum Peking. Die Ausländer flohen in die Großstädte Peking und Tientsin. Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan, Rußland, USA, Italien und Österreich-Ungarn, später auch aus Niederlande und Portugal zogen im Golf von Petschili (Beizhili) zum Schutz ihrer Diplomaten Kampfschiffe zusammen. Damit befanden sich die Schiffe an der Mündung des Pei Ho, über den Tientsin erreichbar ist. Von dort gab es eine Eisenbahnstrecke und schiffbare Wasserstraßen bzw. Flüsse nach Peking. Ende Mai/Anfang Juni war eine kleine Zahl von Soldaten der Großmächte zum der Diplomaten nach Peking verlegt worden. Am 10.6.1900 brachen 2100 Marinesoldaten unter dem Befehl des britischen Vizeadmiral Edward Seymour in Richtung Peking auf, wurden aber von Boxern gestoppt, die die Bahnlinie nach Peking wiederholt vor und hinter Seymours Truppen zerstören. Diese mußten sich nach Tientsin zurückziehen, wobei beim Rückzug Seymour bei Kämpfen um ein Arsenal den Befehl "Germans to the front" an das deutsche Kontingent gab. Dieser Satz wurde in der deutschen Propaganda reichlich ausgeschlachtet.

Nach dem die Boxer Peking erreicht hatten und dort am 13./14. Juni Massaker an chinesischen Christen verübten, zerstörten britische, russische, deutsche und französische Kanonenboote am 17.6. die Forts von Taku, die den Zugang zum Pei Ho kontrollieren. Dies verursachte eine Eskalation der Situation. Am 20.6. wurde der deutsche Gesandte Klemens Freiherr von Kettler in Peking ermordet, die Belagerung des Diplomatenviertels begann und China erklärte den Kriegszustand gegenüber den Großmächten. Die kaiserlichen Truppen griffen aktiv in die Kämpfe auf Seite der Boxer ein. Nach Berichten in der westlichen Presse Ende Juni, dass alle ausländischen Diplomaten ermordet worden seien (was eine Falschmeldung war und im Widerspruch zu Berichten z.B. des US-amerikanischen Botschafters stand), versuchte u.a. Deutschland dies auszunutzen um seine Machtposition in Ostasien auszubauen und verlegte massiv Truppen nach China. Bei der Verabschiedung von Soldaten in Bremerhaven am 27.7. hielt Kaiser Wilhelm II seine berüchtigte Hunnenrede:
Zitat:
Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. [...] Wie vor tausend Jahren die Hunnen [...]

Ermordung von Mitgliedern der Boxer durch internationale Truppen, hier u.a. japanische Soldaten und in britischen Diensten stehende indische Sikh-Soldaten

Tientsin, wo das Ausländerviertel von Boxern belagert wurde, konnte am 14. Juli nach schweren Straßenkämpfen von den internationalen Truppen erobert werden. Diese Niederlage der Chinesen bewirkte, dass in Peking ein Waffenstillstand ausgerufen wurde und die Angriffe gegen das Diplomatenviertel für die meiste Zeit eingestellt wurden. Dieser Waffenstillstand hielt bis zum 4.August, als ca. 20 000 Soldaten (10 000 Japaner, 4000 Russen, 3000 Briten, 2000 US-Amerikaner, 800 Franzosen, 200 Deutsche und weniger als Hundert Italiener und Österreicher) mit dem Angriff auf Peking begannen. Waffentechnisch weit überlegen, konnten sie sich leicht gegen die Boxer durchsetzen, während die kaiserliche Armee passiv blieb. Am 14.8. entsetzten sie das Ausländerviertel in Peking und eroberten und plünderten Peking. Zu diesem Zeitpunkt war der Großteil der imperialistischen Truppen noch auf dem Weg nach China. Am 28.8. wurde auch die 'Verbotene Stadt' besetzt und geplündert. Schließlich befanden sich über 100 000 Soldaten unter dem deutschen Feldmarschall Graf Alfred von Waldersee in China, der am 17.10 sein Hauptquartier in Peking aufbaute. Die einzelnen Großmächte versuchen einzelne Regionen unter Kontrolle zu bringen, z.B. russische Truppen die Mandschurei und deutsche Truppen Teile der Provinz Schantung.


Großbritannien, Deutschland, Rußland, Frankreich und Japan streiten um den chinesischen Kuchen (zeitgenössische Karikatur)

Letztendlich setzte sich auf Betreiben der USA die "Politik der Offenen Tür" (also die gemeinsame Ausbeutung Chinas) durch, da sich die Großmächte nicht auf eine Aufteilung Chinas einigen konnten. Diese wurde China im Friedensvertrag (Boxer-Protokoll) aufgezwungen. China blieb bis 1949, als Mao Tse-Tung Gesamt-China (mit Ausnahme von Formosa/Taiwan) eroberte, Spielball im Kampf der imperialistischen Staaten.

(von max)
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11. September 1973:
Militärputsch Pinochets in Chile


Das letzte Foto Allendes vor seinem Tod bei der Bombardierung des Moneda-Palast

Heute vor 30 Jahren putschte das Militär unter der Führung von General Augusto Pinochet gegen den gewählten Präsidenten Chiles Salvador Allende, der auf "friedlichen Weg" den Sozialismus aufbauen wollte. Unter dem Beifall der bürgerlichen Rechten auf der ganzen Welt (inklusive der CDU/CSU), die die Militärdiktatur als Rückkehr zur Demokratie bezeichneten, wurden ca. 30 000 Menschen ermordet und Konzentrationslager aufgebaut, in denen die Anhänger der Volksfront eingesperrt und gefoltert wurden.


General Pinochet und Präsident Allende

In Chile kam es im Rahmen eines weltweiten Aufschwungs der Linken nach 1968 zur einer Radikalisierung zugunsten der sozialistischen Linken. Die Zahl der Streiks, Landbesetzungen und Demonstrationen der Studenten stieg stark an und bereite den Boden für den Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen Allendes im November 1970. Allerdings erzielte Allende bei seiner Wahl lediglich 36% und das Parlament blieb in der Hand der Rechten. Allende war der Kandidat der Unidad Popular (Volksfront), der allen linken Parteien mit Ausnahme des MIR (Anhänger Che Guevaras) angehörten. Die wichtigsten Parteien in diesem Wahlbündnis waren die Kommunistische Partei, die wie alle anderen Partei der stalinisierten III. Internationale aufgehört hatte eine revolutionäre Politik zu verfolgen, und die Sozialistische Partei. Zu dem rechten Flügel der letzteren gehörte Allende. Der linke Flügel der Sozialisten stand dagegen meist weit links von der Politik der Volksfront und damit näher an den Positionen des MIR. Zu dem Programm der Volksfront gehörte die Nationalisierung der Schlüsselindustrien (u.a. Kupferminen in Besitz von US-Unternehmen), was aber keine Maßnahme in Richtung einer sozialistische Planwirtschaft war, sondern eine Maßnahme zum Erlangen wirtschaftlicher Unabhängigkeit innerhalb des kapitalistischen Systems von den USA. Weitere Punkte des Programms war eine Landreform zugunsten der Kleinbauern (im wesentlichen die Umsetzung eines Gesetzes der christdemokratischen Vorgängerregierung von Eduardo Frei) und die Anhebung des Lebensstandards. Das Programm wurde als friedlicher Weg zum Sozialismus propagiert.

Auf Grund der rechten Parlamentsmehrheit mußte die Volksfront ein Bündnis mit den Christdemokraten (PDC) schließen, wobei Allende garantieren mußte, dass Militär, Medien, Bildungswesen, Kirche und Polizei nicht angetastet würden, sprich der alte Machtapparat erhalten bleibe. Nach anfänglichen Erfolgen der Regierungen in Form von Lohnerhöhungen und Nationalisierung von Unternehmen, geriet die Politik Allendes bald in Probleme. Die ArbeiterInnen nationalisierten spontan weitere Betriebe, so dass die Regierung ihr Bündnis mit der Rechten gefährdet sah. Dazu stellte sich die Bourgeoisie und das Kleinbürgertum mehrheitlich gegen die Regierung und verstärkten durch Investitionsstops, Kapitalflucht und Warenhorten (Erzeugung einer künstliche Lebensmittelknappheit) die wirtschaftlichen Probleme. Anstatt den ArbeiterInnen angesichts steigender Lebenshaltungskosten zu helfen, bekämpfte die Regierung Streiks für Lohnerhöhungen. So denunzierte sie Streiks der Kupferbergarbeiter als faschistisch und unterdrückte diese mit Spezialeinheiten der Polizei.

Obwohl es immer deutlicher wurde, dass das Militär und die Bourgeoisie eine Bedrohung für den "friedlichen Weg zum Sozialismus" darstellten, verklärte die Volksfront das chilenische Bürgertum als demokratisch und antiimperialistisch und das Militär als verfassungstreu und patriotisch. Während die Militärs (darunter die spätere Führung des Putsches) in die Regierung geholt wurden, sorgte Allende für die Entwaffnung der ArbeiterInnen. Er erreichte damit, dass diese so wehrlos und politisch desorientiert gegen den kommenden Putsch waren.

Ein erster Versuch der Rechten die Regierung zu stürzen war ein Streik der Transortunternehmer im Oktober 1972, der die gesamte Versorgung in einem Land ohne größeres Eisenbahnnetz gefährdete. Als Reaktion wurden in den Betrieben die 'Cordones', eine Art embryonale Räte, aufgebaut, die auch die Versorgung wieder in Gang bringen konnten. Die Cordones hätten ein Schritt in Richtung einer sozialistischen Räterepublik sein können, aber es fehlte eine politische Organisation die diese Alternative voran gebracht hätte. Bei den Parlamentswahlen im März 1973 siegte die Volksfront angesichts fehlender linker Alternativen. Als Reaktion begannen die Militärs mit der Planungen eines Putschs. Ein Putschversuch am 29. Juni eines Panzerregiments unter Führung eines Offiziers, der Anhänger der faschistischen Organisation 'Patria y Libertad' war, fand keine keine Unterstützung des restlichen Militärs und stellte nicht mehr als bewaffnete Propaganda dar, um den Rest für Putsch zu gewinnen. Ab Juli begann die Armee Linke aus ihren Reihen zu entfernen. Dazu kamen Angriffe auf einzelne Fabriken und politische Organisationen, auf die aber die Regierung nicht reagierte und damit ihre Machtlosigkeit demonstrierte. Die Parole der Kommunistischen Partei damals war "Nein zur Gewalt von Rechts und Links". In Wirklichkeit ignorierten sie die Bedrohung durch die Militärs und die Rechte und phantasierte dafür über einen angeblichen linken Terrorismus, der nicht existierte.

Gegen den Putsch am 11. September 1973 unter der Führung des von Allende zum Oberbefehlshabers der Armee ernannten Augusto Pinochet gab es dann auch keinen koordinierten Widerstand. Der Putsch begann um 6:00 Uhr morgens in der Hafenstadt Valparaiso, die die Marine besetzt. Die Putschisten lassen die Nachricht darüber zum Präsidenten durchsickern, der sich daraufhin zum Präsidentenpalast La Moneda begibt - es ist eine Falle. Im Unklaren über das Ausmaß der Gefahr dementiert Allende anfangs Nachrichten über den Putsch und ruft die Bevölkerung zur Passivität auf, noch hofft er auf die Unterstützung des bisher regierungstreuen Pinochets. Das Militär riegelt derweil das Zentrum von den Vorstädten ab, und umzingelt den Palast. Als Allende die Gefahr erkennt, ist es zu spät - zusammen mit seinen Getreuen sitzt er in der Falle. Seine letzte Rede lautet:
Zitat:
Aus meinen Worten sprciht keine Bitterkeit, nur Enttäuschung. Die Verräter werden ihre moralische Strafe erhalten. Ich werde nicht zurücktreten. Sie können uns unterjochen, aber den Fortschritt nicht aufhalten. Ich danke ihnen, daß sie einem Mann vertraut haben, der der Sehnsucht nach Gerechtigkeit eine Stimme gegeben hat.
Nach dem Allende unter dem Bombardement durch die Armee Selbstmord begangen hatte und der Regierungssitz in die Hände der Armee gefallen war, rief die Gewerkschaften zu Widerstand auf. Der linke Flügel der Sozialistischen Partei und der MIR versuchten eine Verteidigung zu organisieren, aber dem Militär gelang es nach zwei Tagen jeden Widerstand mit äußerster Brutalität zu brechen.

Der Putsch fand mit Unterstützung der US-Regierung unter Nixon und dessen Außenministers, Friedensnobelpreisträgers und Kriegsverbrechers Kissinger statt. Aber obwohl die CIA beteiligt war, die US-Unternehmen wegen der Enteignungen zu den frühesten Gegner der Regierung zählten und militärische Hilfe in Vorbereitung des Putsches von 0,8 Millionen 1970 auf 10,9 Millionen Dollar 1972 erhöht wurde, kann der Putsch nicht durch einen äußeren (US-amerikanischen) Einfluß erklärt werden. Das Militär war mit Ausnahme von ein paar Einzelpersonen komplett auf Seite der Putschisten. Auch die bürgerlichen Parteien ordneten sich freiwillig unter. Die Nationale Partei (PN), die die Großgrundbesitzer und die mit ausländischen Kapital verbundenen Industriellen vertrat, löste sich freiwillig selbst auf und forderte zur Unterstützung des Putsches auf. Auch die Christdemokraten, die mit den kleineren Unternehmer verbunden waren, unterstützten die Militärs.

Die chilenische Bourgeoisie galt bis dahin im Gegensatz zu anderen herrschenden Klassen Lateinamerikas als demokratisch und Chile gehörte zu den ältesten Demokratien Lateinamerikas. Die Ereignisse zeigen aber, dass auch sie nicht bereit war die Macht abzugeben, auch wenn sie ihre Macht nur durch die Zerstörung der Demokratie erhalten konnte. Die europäischen Kommunistischen Parteien zogen aus diesen Ereignis die Lehre, dass es notwendig ist die Bürgerlichen nicht zu verprellen, statt zu realisieren, dass diese für den Kampf für den Sozialismus nicht zu gewinnen sind.

Diese historische Niederlage der Linken stellten einen Auftakt für die Durchsetzung rechter Wirtschaftspolitik dar. Der Diktator Pinochet ernannte mehrere 'Chicago-Boys' (Anhänger der Neoliberalen um Milton Friedman, die bei ihm in Chicago studiert hatten) zu seinen wirtschaftlichen Beratern. Die Militärdiktatur schuf die Möglichkeit für "wirtschaftliche Freiheit" und einer Regierung durch "Experten", sprich Möglichkeit die Interessen der Konzerne ohne Rücksicht auf Demokratie der Bevölkerung aufzwingen zu können. Das von Neoliberalen wie Friedman gefeierte wirtschaftliche Wunder Chile stellte ein Desaster dar. 1976 waren Löhne um 35% gesunken und sollten sich seitdem nicht mehr erholen, im ersten Jahrzehnt der Militärdiktatur stieg die Arbeitslosigkeit auf 30%. Der Anteil der Bevölkerung unter der offiziellen Armutsgrenze stieg im gleichen Zeitraum von 17% auf 40%. Die Politik der Chicago-Boys bewirkte, dass Chile die höchsten Schulden (pro Kapital) in Lateinamerika hatte. Die Ausgaben in Gesundheitssystem wurden von 1973-85 halbiert, was eine starke Zunahme von armutsbedingten Krankheiten wie Typhus, Diabetes und Hepatitis auslöste. Die Militärs setzten somit einen fallenden Lebensstandard für die Mehrheit und einen steigenden Reichtum für wenige durch.

(von max, mit Ergänzungen von Jack Crow)

Einen interessanten Artikel zu dem Thema war auch im tazmag vom letzten Wochenende, abzurufen hier
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16.-18. September 1982:
Massaker in Sabra und Shatila



Vom 16. Bis 18. September massakrierten rechtsextreme, christliche Falangen-Milizen die Bewohner der palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Shatila in Beirut. Dem war der Einmarsch der israelischen Armee in den Libanon und die Besetzung Beiruts im Juni vorausgegangen. Zwar hatte es Ende August ein Waffenstillstandsabkommen unter Vermittlung der USA gegeben, doch nach der Ermordung des libanesischen Präsidenten am 14. September rückte Israel erneut ein. Die USA hatten Garantien für die Sicherheit der palästinensischen Zivilisten abgegeben, jedoch ihre Truppen vor dem Massaker bereits wieder abgezogen. Die israelische Armee umstellte die Lager und überließ es den libanesischen Rechtsextremen, die Bewohner zu ermorden. Zwischen 800 und 3500 Menschen wurden umgebracht und zahlreiche weitere verletzt. Diese Greueltat verursachte einen ungeheuren Proteststurm in Israel, allein in Tel Aviv gingen 400.000 Menschen auf die Straße und es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt Der damalige israelische Verteidigungsminister und heutige Regierungschef Ariel Scharon wurden von dieser schwer belastet, für untauglich für Regierungsämter erklärt und war gezwungen zurückzutreten. Bis heute wurde niemand für dieses Verbrechen juristisch zur Verantwortung gezogen, und trotz des rechtskräftigen Urteils, das Sharon das Amt des Verteidigungsministers verbietet, konnte er Regierungschef werden.



Schon bei der Gründung Israels wurde Terror angewandt um die Palästinenser zu vertreiben. In den folgenden Nahostkriegen kam zu erneuten Vertreibungen. Die Palästinenser wurden über den Nahen Osten zerstreut. So bildeten sie die Mehrheit der Arbeiterklasse in den Golfstaaten, wo sie über keine Staatsbürgerrechte verfügen. Viele Flüchtlinge lebten in Lagern in Jordanien und Libanon. 1970 vertrieb König Hussein von Jordanien die PLO ('Palästinensische Befreiungsorganisation'), wobei 3000 Palästinenser getötet wurden ('Schwarzer September'). Die PLO verlagerte darauf ihre Operationsbasis in den Libanon. Dort existierte eine Schicht palästinensischer Kapitalisten, die bedeutenden Einfluß in der libanesischen Wirtschaft hatten. Allerdings versuchte die christlichen libanesischen Bürgerlichen (Maroniten) diesen Einfluß zu begrenzen. So gelang es ihnen mit Hilfe der herrschenden Familien in Saudi-Arabien und Kuwaits in den 60er Jahren die größte Bank Libanons, die im palästinensischen Besitz befindliche Intra-Bank, in den Bankrott zu treiben. Diese Erfahrungen bewirkte, dass auch bürgerlichen Palästinenser die PLO unterstützten um einen eigenen Staat zu erkämpfen. Die PLO wurde gleichzeitig abhängiger von den arabischen Staaten, die jeweils ihre Fraktion in der PLO besaßen. Die daraus resultierende Entwicklung der PLO nach rechts bewirkte, dass sie sich wie in Jordanien auch im Libanon isolierte. An statt die dortigen immensen sozialen Probleme aufzugreifen, die Libanesen und Palästinenser betrafen, beschränkte sich die PLO auf eine nationalistische Politik und Terrorismus, was es ihr auch unmöglich macht größere Unterstützung von der israelischen Bevölkerung zu erlangen.

1975 brach der Bürgerkrieg zwischen rechtsextremen christlichen Gruppen und den linken und moslemischen Gruppen aus. Die wichtigste christliche Gruppe war die Falange, die in den 30er Jahren von Pierre Gemayel nach faschistischen Vorbild aufgebaut wurde. In den 70er Jahren war sein Sohn Bashir Gemayel ihr führender Politiker, der sich die Unterstützung Israels sichern konnte (ein wichtiger damaliger Verbindungsoffizier war der spätere israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elizier) . Die PLO verfolgte eine Politik der Nichteinmischung, obwohl die Palästinenser wiederholt das Ziel der Angriffe der Rechten waren. Der Einfluß der PLO reduzierte sich in Folge auf die Flüchtlingslager. Den Bürgerkrieg nahm Syrien zum Anlaß auf Seite der Christen mit 40 000 Soldaten einzugreifen. Trotz dem Einsatz einer multinationalen Friedenstruppe (MNF) schwelte der Bürgerkrieg letztendlich bis in die 90er Jahre weiter.

Das Ziel der israelischen Regierung war es der PLO auch die Basis im Libanon zu nehmen. Wiederholt griffen israelische Kommandos palästinensische Ziele im Libanon an. So wurde am 28.12.1968 auf dem Flugplatz von Beirut der Großteil der Flugzeuge der Middle East Airlines zerstört und am 10.4.1973 mehrere palästinensische Funktionäre und ihre Familien mitten in Beirut ermordet. An letzter Terroraktion war auch der spätere Regierungschef Barak beteiligt. Nach dem Einmarsch der israelischen Armee 1978 im Südlibanon und einer mehrmonatigen Besetzung, marschierte die israelische Armee am 6. Juni 1982 erneut im Libanon ein (der zynischer Name war 'Operation Frieden in Galiläa'). Als Vorwand wurde ein Attentat auf den israelischen Botschafter in London genutzt, tatsächlich war der Angriffskrieg aber schon lange im voraus geplant, was auch am Anstieg der Lieferung von US-Militärgütern um 50% im ersten Quartal 1982 im Vergleich zum Vorjahr sichtbar ist. Der israelische Vormarsch war Blitzkrieg-artig und schon am 13. Juni erreichte die israelische Armee die Vororte Beiruts. Dort wurde das moslemische West-Beirut am 3. Juli eingeschlossen. Die palästinensischen Flüchtlingslager wurden durch die israelische Marine und Luftwaffe bombardiert bzw. durch die vorrückende Armee zerstört. Den Höhepunkt erreichte die Angriffe auf die Zivilbevölkerung am 12. August ('Schwarze Donnerstag'), als Beirut elf Stunden lang einem Flächenbombardement ausgesetzt war und sogar der US-Präsident Reagan sich genötigt sah zu protestieren. Die überlebenden männlichen Bewohner wurden in Lagern eingesperrt. Mindestens 19 000 Tote und 30 000 Verwundete forderte der israelische Vormarsch.

Der Überlebende des Holocaust Dr. Shlomo Shmelzman begründete seiner Hungerstreiks als Protest gegen das israelische Vorgehen so:
Zitat:
Während meiner Kindheit litt ich unter Angst, Hunger und Erniedrigung, denn mein Weg führte mich vom Warschauer Ghetto in die Arbeitslager und nach Buchenwald. Heute, als Bürger Israels, kann ich die systematische Zerstörung von Städten, Dörfern und Flüchtlingslagern nicht akzeptieren. Ich kann die technokratische Grausamkeit der Bombardierung, der Zerstörung und der Tötung von Menschen nicht akzeptieren.

Ich werde zu vieler vertrauter Laute gewahr, Laute, die durch den Krieg verstärkt werden. Ich höre die Worte 'Scheiß Araber' und denke an 'Scheiß Juden'. Ich höre von 'abgesperrten Gebieten' und denke an Ghettos und Lager. Ich höre die Worte 'zweibeinige Tiere' und denke an die Worte 'Untermenschen'. Ich höre von der Notwendigkeit, den Belagerungsring enger zu ziehen, das Gebiet zu räumen, die Stadt mit allen Mitteln zu unterwerfen, und denke an das Leid, die Zerstörung, den Tod und das Morden... Zu viele Dinge in Israel erinnern mich an meine Kindhei
Am 14. August wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt. Die bewaffneten PLO-Einheiten zogen ab, während im Gegenzug die USA die Sicherheit der zurückbleibenden Zivilisten (vor allem Frauen und Kinder) garantierten. Dies sollte durch Einheiten der multinationalen Streitkräfte (MNF), u.a. US-Marines, französische Fremdenlegionäre und italienische Bersaglieri bewerkstelligt werden, die bis zum 21. September in Beirut bleiben sollten. Aber schon am 8.9. begannen die US-Amerikaner mit dem Abzug, am 11. folgten die Franzosen und am 13. die Italiener.

Am nächsten Tag, dem 14.9., wurde der neue gewählte Präsident, der Phalange-Führer Bashir Gemayel, ermordet, als eine Bombe das Falange-Hauptquatier zerstörte. Die Hintergründe sind unklar. Es gab Spekulationen, dass Scharon dahinterstand, da Gemayel sich gegen die Besetzung Südlibanons gewandt hatte. Aber auch andere Fraktionen der Christen, gegen die sich Gemayel blutig durchgesetzt hatte, und Syrien könnten verantwortlich gewesen sein.

Dieses Attentat nahm die israelische Armee als Vorwand auch das bisher von linken Milizen kontrollierte West-Beirut zu besetzen, was damit gerechtfertigt wurde, dass nur die israelische Armee dort die Sicherheit garantieren könnte. Die Flüchtlingslager in West-Beirut, darunter Sabra und Shatila, wurden von der Armee abgeriegelt, wobei die angebliche Anwesenheit von (später nie gefundenen) 2000 palästinensischen Terroristen als Begründung herhalten mußte.

Nach Sitzungen zwischen israelischen Militärs und Befehlshaber der rechtsextremen Milizen (darunter Elie Hobeika von der Falange, der 2002 ermordet wurde, nach dem er angekündigt hatte gegen Scharon auszusagen) marschierten am Abend des 16.9. die Milizen in die Lager ein und begannen das Massaker. Die israelische Armee hinderte die Rechten nicht daran, sondern unterstützte sie noch, indem sie ganze Nacht durch mit Leuchtgranaten und Leuchtbomben die Lager erhellten. Erst am 18.9. wurden die Massaker gestoppt, nach dem der israelische Befehlshaber den Milizen am Nachmittag des 17.9. bis fünf Uhr am nächsten Tag Zeit gegeben hatten sich zurückzuziehen!

Nach Bekanntwerden der Massaker in Israel kam es zur größten Friedensdemonstration in Israel, die das Land je gesehen hatte. 400.000 Menschen demonstrierten in Tel Aviv für ein Ende des Libanon-Krieges und sogar die Arbeiterpartei, die den Krieg bis dahin unterstützt hatte, sah sich gezwungen für diese Demonstration zu mobilisieren.

Als Reaktion wurden erneut multinationale Truppen in den Libanon geschickt, die aber im wesentlichen die israelische Besetzung absicherten und deshalb mit zu einer Kriegspartei wurden. Nach einem Bombenanschlag der Hisbollah 23.10.1983, bei dem 230 US-Marines und 58 französische Soldaten ermordet wurden, mußten sie sich wieder zurückziehen. Wiederholt kam es noch zu Bombardierungen des Libanons durch die US-Marine und die französische Marine. Auch Arafat mußte im Dezember 1983 den Libanon auf syrischen Druck verlassen und die PLO-Kämpfer wurden in verschiedenen arabischen Ländern interniert. An die Stelle der PLO trat die Hisbollah, die vom Iran unterstützt wurde. Ihr gelang es durch einen Guerilla-Krieg die israelische Armee 1985 zum Rückzug in den Südlibanon zu zwingen. Dort errichtete die Armee eine 40 Kilometer breite Sicherheitszone und ein Marionetten-Regime mit einer eigenen Armee (Südlibanesischen Armee, SLA), welches aber 2000, als Israel sich komplett zurückziehen mußte, sofort zusammenbrach.

Heute droht eine Neuauflage der blutigen Ereignisse von 1982, da der Friedensprozeß in Trümmern liegt und in der israelischen Regierung die die Oberhand erlangen, die eine erneute Vertreibung nicht nur Arafats, sondern aller Palästinenser fordern.

(von max)
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1. Oktober 1965:
Militärputsch Suhartos in Indonesien


Präsident Sukarno and General Suharto vor dem Putsch vom 1. Oktober

Am 1. Oktober 1965 putschte das indonesische Militär unter General Suharto gegen die Regierung Sukarno. Mit Unterstützung von den USA und Australien ging das Militär und moslemische Gruppen gegen die Kommunistische Partei Indonesiens vor und ermordeten zwischen einer halben und einer Million Kommunisten und deren Unterstützer. Die Putsch war ein Teil des Versuchs der US-Regierung die Kontrolle über Südostasien zu erlangen und den Einfluß der UdSSR zurückzudrängen und stellte den blutigsten Militärputsch der jüngeren Geschichte dar. Das Times Magazin berichtete über die damaligen Ereignisse:
Zitat:
Das Töten hatte ein solches Ausmaß erreicht, dass die Entsorgung der Leichen ein ernsthaftes sanitäres Problem im Norden Sumatras darstellte, wo die feuchte Luft den Gestank verfaulenden Fleischs trug. Reisenden aus diesen Gegenden berichteten uns, dass die Flüsse buchstäblich mit Körpern verstopft waren, so dass der Flußverkehr ernsthaft behindert wurde.
Indonesien ist sehr rohstoffreich und war deshalb eine begehrte Beute für die Kolonialmächte. Anfangs hatten diese es vorallem auf Gewürze, später auf Erdöl und Gummi abgesehen. Die Niederländische Ostindien- Kompanie eroberte Indonesien im 17. Jahrhundert und machte es zu einer niederländischen Kolonie. Großbritannien besetzte Indonesien zwischen 1811-16 und behielt danach Malaysia, während der Rest erneut an die Niederlande fiel. Dieses beutete die Bevölkerung und die Rohstoffe aus, während das Land selbst, z.B. das Gesundheits- und Bildungssystem, nicht entwickelt wurden. So war 1945 die Analphabetenquote 93%. Im Zweiten Weltkrieg wurde Indonesien 1942 von Japan besetzt. Die Unabhängigkeitsbewegung, die schon in den 20er Jahren unter kommunistischer Führung erste Aufstände unternommen hatte, wurde unter japanischer Besatzung stärker und kooperierte mit dieser. Am 17.8.1945 wurde die Unabhängigkeit während des Zusammenbruchs Japans ausgerufen. Niederländische Truppen mit britischer und japanischer (!) Unterstützung versuchten die ehemalige Kolonie zurückzuerobern, scheiterten am bewaffneten Widerstand. 1949 akzeptierte die Niederlande die Unabhängigkeit Indonesiens, konnte aber Besitzansprüche niederländischer Konzerne an großen Teilen der Rohstoffindustrie sichern.

Ahmed Sukarno wurde der erste Präsident. In der ersten allgemeinen Wahl 1955 wurde er bestätigt und ließ sich 1963 zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen. Sukarno war ein radikaler Nationalist und Begründer der Indonesischen Nationalpartei (PNI). Sukarno regierte im Namen von fünf Prinzipien: Glaube an einen einzigen Gott, Humanismus oder Internationalismus, Nationalismus oder Patriotismus, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Unterstützt wurde Sukarno von der Kommunistischen Partei (PKI). Diese war 1921 in Folge der Oktoberrevolution gegründet worden und gewann Unterstützung im Kampf gegen die Kolonialherren. Allerdings wurde auch die KPI wie die meisten anderen Parteien der III. Internationale Ende der 20er stalinisiert. Ihre Ideologie war in den 60ern maoistisch. Wie China selbst verfolgte sie das Prinzip des "Blocks der vier Klassen" (Arbeiterklasse, Bauern, Kleinbürgertum und nationale Bourgeoisie) und die zwei Stufen-Theorie. Diese besagte, dass in kolonialen und halbkolonialen Staaten erst die Stufe der bürgerliche Republik auf der Tagesordnung stünde und erst in ferner Zukunft der Sozialismus. Beide Theorien bedeuteten in der Realität die Unterordnung der Interessen der Bauern und ArbeiterInnen unter die Interessen der Bourgeoisie. Verbunden war dies mit einer Verglorifizierung des Staatsapparats als antiimperialistisch und demokratisch. Diese Ansicht, daß der Staat tatsächlich sowohl die Interessen der Unterdrücker wie der Unterdrückten vertreten könnte, führte zu einigen grotesken Einschätzungen. So sagte einer der obersten Führer der PKI, Njoto, einem Journalisten nur wenige Tage vor seinem Tod während des Putsches:
Zitat:
Die PKI ist immer der Ansicht gewesen, daß die indonesische Armee nicht dasselbe ist wie Armeen in den imperialistischen Ländern oder wie jetzt in Indien. Dies erklärt sich sowohl aus ihrer Entstehungsgeschichte wie auch aus ihren antiimperialistischen und antifeudalen Zielen, aber auch aus der Zusammensetzung ihrer Soldaten, die meistens aus der Bauernschaft und Arbeiterklasse kommen.
Die PKI wurde durch militante Kampagnen ihrer Bauern- und Industriegewerkschaften und antiimperialistischer Rhetorik zur größten Kommunistischen Partei nach der russischen und chinesischen. Sie hatte 1965 drei Millionen Mitglieder. Die mit ihr verbündeten Industriegewerkschaften bezifferten ihre Mitgliederzahl auf dreieinhalb Millionen, die Bauerngewerkschaften auf drei Millionen, die Frauenorganisationen auf eineinhalb Millionen und die Jugendorganisationen auf zwei Millionen.

Aber die Arbeiter und Bauern ließen sich nicht so einfach zurückhalten, wie es die nationalistische Ideologie Sukarnos oder die stalinistische Ideologie der KPI vorsah. 1957 und 1964 kam es zu einem massiven Bewegungen von unten. Trotz Unterstützung von der PKI konnte Sukarno diese Bewegung nicht kontrollieren oder stoppen. Niederländische, britische und US-amerikanische Plantagen, Betrieben und Banken wurden von Bauern und Arbeitern besetzt. Um die Bewegung zu spalten wurde Rassismus und religiösen Spaltungen geschürt, die heute noch Indonesien erschüttern (z.B. in Aceh). Nach einem gescheiterten Putschversuch im November 1956 und von US-Militär unterstützten Aufständen in den ölreichen Gebieten Sumatras und Sulawesis, bildete ein Putsch von angeblichen PKI-nahen Offizieren am 30.9.1965 den Anlaß für einen erneuten Militärputsch. Militärs ermordeten sechs hohe Generäle, u.a. dem Chef des Generalstabs. Der Putsch war nach Aussagen von überlebenden Beteiligten nicht von der PKI kontrolliert, sondern stellte einen Machtkampf innerhalb des Militärs dar. General Suharto, der damaligen Chef der Strategischen Armeereserve (Kostrad), war von den Putschisten selbst informiert worden und hatte entweder den Putsch toleriert oder selbst organisiert, um einen Vorwand zu besitzen um gegen die Kommunisten vorzugehen.

Die USA befürchten seit der Niederlage der Franzosen 1954 gegen die vietnamesische Unabhängigkeitsbewegung unter Ho Chi Minh den Verlust ganz Südostasiens. Indonesien wurde wegen seines Rohstoff- und Bevölkerungsreichtums als Schlüssel gesehen. Das militärische Vorgehen gegen Vietnam wurde intensiviert und der Botschafter Marshall Green, der schon bei der Errichtung der Militärdiktatur von Park Chung Hee in Südkorea geholfen hatte und 1975 bei dem Sturz der australischen Labor-Regierungen unter Whitlam half, geschickt um die Bemühungen zur Ausschaltung der Kommunisten zu koordinieren. US-amerikanische und australische Geheimdienstler und Militärs trainierten indonesisches Militär in Vorbereitung auf den Putsch, während die US-Regierung das Militär zum Putsch drängte und dem Militär Listen von PKI-Mitgliedern zur Verfügung stellte.

Gegen den Putsch Suhartos und die Massaker gab es kaum Widerstand. Suharto behielt Sukarno bis 1967 als Präsident. Sukarno rief, wie auch die PKI, Moskau und Beijing nicht zur Gegenwehr, sondern zur Ruhe und nationaler Einheit (also mit den mordenden Militärs!) auf. Das hielt Suharto nicht davon ab alle Organisationen der PKI zu zerschlagen und ihre komplette Führung zu ermorden. Tausende wurden in Konzentrationslager gesperrt. Der von den Rechten geschürte Rassismus entlud sich an Massakern an der chinesischen Minderheit.

Suharto errichtete eine Militärdiktatur, die durch ihr Vorgehen gegen die Gewerkschaften optimale Bedingungen für die westlichen Großkonzerne bot, die in Indonesien zahlreiche Sweat-Shops (Billigstlohnfabriken) aufbauten. Suharto konnte erst in einer Revolution, in der sich die Studenten mit den städtischen Armen verbündeten, in der Folge der schweren Wirtschaftskrise in Südostasien im Mai 1998 gestürzt werden.

(von max)
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14. Oktober 1943:
Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibór


Jüdische Partisanen-Einheit im Wald von Parczew, der sich einige der Entkommenen anschlossen

Am 14. Oktober 1943 um 16 Uhr begann der Aufstand der jüdischen Gefangenen im Vernichtungslager Sobibór. Ein Teil der Juden gelang es so zu entkommen, zu den Partisanen fliehen und dadurch den Krieg und Holocaust überleben. Dieser Aufstand ist ein Beispiel für erfolgreichen Widerstand in einer quasi ausweglosen Situationen und ein Beispiel dafür, dass es jüdischen Widerstand auch innerhalb der KZ gab.

Im Rahmen der "Endlösung der Judenfrage" wurden im Zuge der "Aktion Reinhard" drei Vernichtungslager - Treblinka, Belzec und Sobibór - errichtet. Die gesamte jüdische Bevölkerung in Polen plus der Juden, die aus anderen Ländern in Ghettos nach Polen gebracht wurden, sollten in dieser Lagern ermordet werden. Damals lebten in Polen ca. 2 284 000 Juden.

Den Oberbefehl bei der "Aktion Reinhard" hatte der SS-Brigadeführer Otto Globocnik, der direkt Himmler unterstand. Etwa 434 deutsche SS-Leute waren direkt an Aktion beteiligt, die meist davor am Euthanasie-Programm gearbeitet (d.h. gemordet) hatten. Sie waren neben der Gesamtplanung nur in leitenden Positionen in den Lagern beschäftigt, so dass es nur zwischen 20 und 30 SS-Leute pro Lager gab. Als Wachmannschaften wurden pro Lager um die 100 ukrainische Hilfstruppen, die speziell hierfür in dem SS-Trainingslager Trawniki ausgebildet worden waren, eingesetzt. Der erste Kommandant von Sobibór wurde der SS-Obersturmführer Franz Stangl (1908-1971), der zuvor in den Euthanasie-Anstalten Hartheim und Sonnenstein/Pirna tätig gewesen war.

Sobibór wurde Anfang 1942 in dünnbesiedelten Gelände bei Lublin nach dem Vorbild des ersten Vernichtungslagers Belzec errichtet. Das Morden sollte geheim bleiben, weshalb das Lager zusätzlich getarnt und abgeschirmt wurde. Sobibór lag direkt an der Bahnstrecke Chelm-Wlodawa um Transporte der zu ermordenden Menschen zu erleichtern. Die Transporte benötigten teilweise mehrere Tage, wobei die Häftlinge nicht versorgt wurden, so dass oft schon die Hälfte vor der Ankunft im Vernichtungslager starb.

Den Häftlingen wurde bei der Ankunft die Illusion vermittelt, dass es sich um ein Übergangslager zu neuen Siedlungsgebieten in der Ukraine handeln würde. Sie wurden tatsächlich aber meist sofort nach der Ankunft in die Gaskammern geschickt, die als Duschen getarnt wurden. Zuvor mußte Kleidung und Wertgegenstände abgegeben werden und Frauen wurden die Haare abgeschnitten, die, wie die persönlichen Besitztümer der Häftlinge, für eine Nutzung gesammelt wurden. Die Ermordung erfolgte durch das Einleiten von Motorabgasen. Nach der Ermordung wurden die Goldzähne der Häftlinge entfernt. Anfangs wurden die Ermordeten in Massengräbern vergraben. Ab Juni 1942 wurden Krematorien genutzt um die Spuren der Verbrechen zu beseitigen. Im Oktober 1942 gingen in Sobibor sechs neue Gaskammern in Betrieb, in denen rund 1.300 Menschen gleichzeitig umgebracht werden konnten.

Jüdische Häftlinge mußten bei der Ermordung, sowie der Ausschlachtung und Beseitigung der Leichen helfen. Dazu mußten sie für das Lagerpersonal als Schneider, Schuster, Schreiner oder persönlicher Arbeitssklaven arbeiten. In Sobibór arbeiteten 600 bis 1000 jüdische Zwangsarbeiter, wobei die Zwangsarbeiter, die bei der Ermordung helfen mußten, selbst in kurzen Abständen ermordet und durch neue Gefangene ersetzt wurden.

Das Lager Sobibór war das kleinste der drei im Zuge der "Aktion Reinhard" errichteten Vernichtungslager. Bis zu seiner Schließung kurz nach dem erfolgreichen Aufstand wurden hier etwas 250.000 Menschen ermordet, in Vergleich dazu wurden in Treblinka über 700.000 und in Belzec rund 800.000 umgebracht. Von den in Sobibór ermordeten Juden waren über 158.000 aus Polen, über 34.000 aus den Niederlanden, über 30.000 aus der Tschechoslowakei (d.h. aus dem Protektorat Böhmen und Mähren und aus der Slowakei), über 13.000 aus der Sowjetunion, über 10.000 aus Deutschland und Österreich und über 5.000 aus Frankreich.

1943 war die Mehrheit der Juden in Polen ermordet worden und die drei Vernichtungslager der "Aktion Reinhard" sollten geschlossen werden. Als Vernichtungslager wurde seit dem Auschwitz-Birkenau verwendet, dessen Kapazität ausgebaut wurde. Am 5. Juli 1943 ordnete Himmler die Umwandlung Sobibórs in ein Konzentrationslager an, in dem erbeutete Munition sortiert und gelagert werden sollte.

In Sobibór war inzwischen unter den Zwangsarbeiter die Nachricht von der Niederlage der Deutsche in der Schlacht von Stalingrad (September 1942 bis Februar 1943), dem Näherrücken der Front und der Aufstand im Warschauer Ghetto am 19.4.1943 bekannt geworden. Diese positiven Nachrichten motivierten gemeinsam mit der Befürchtung, dass das Lager aufgelöst und alle Überlebenden ermordet werden sollten, eine Gruppe von Häftlingen um Leon Feldhendler, ein ehemaliges Mitglied des Judenrats von Zólkiewka, Widerstand zu leisten. Nach zwei gescheiterten Ausbruchsversuchen kleinerer Gruppen wurde im September 1943 mit den Planungen eines Aufstands begonnen. Ausschlaggebend war dabei, dass eine Gruppe kriegsgefangener jüdischer Offiziere der Roten Armee in das Lager verlegt wurde. Diese waren noch nicht so demoralisiert wie die restlichen Gefangenen und verfügten dazu über militärische Erfahrung. Die militärische Planung übernahm einer dieser Offiziere, Alexander Petscherski. Dieser hatte das Glück gehabt, dass er aus einer Gruppe von 1200 Kriegsgefangenen einer der sechzig Männer war, die von der SS für Schwerarbeit und Instandhaltungsmaßnahmen ausgewählt worden waren.

Um zu verhindern, dass der Plan verraten werden würde, wurden nur ca. 10% der Häftlinge eingeweiht. Der Plan bestand darin, erst die Führungsstruktur des Lagers, also die SS-Leute, heimlich mit Hieb- und Stichwaffen zu ermorden, die Kommunikation aus dem Lager lahmzulegen, Waffen zu erbeuten und dann die Wachmannschaften zu überrumpeln.

Es gelang zehn von 17 SS-Leuten auszuschalten und mit deren Waffen das Waffenlager zu stürmen. Dazu wurden die Telephonleitung zerstört. Zwischen 300 und 600 Juden gelang es in der folgenden Verwirrung die Zäune des Lagers zu überwinden. Aber viele von ihnen starben in dem dahinter liegenden Minenfeld oder wurden von den Wachmannschaften erschossen. Etwa 150 Juden gelang es in kleinen Gruppen sich zu linken polnischen Partisaneneinheiten durchzuschlagen, wovon 53 bis zum Einmarsch der Roten Armee überlebten.

Nach dem Aufstand wurden die verbliebenen Juden und ein Teil der ukrainischen Wachmannschaft, denen Verrat vorgeworfen wurde, umgebracht. Das Lager wurde dem Erdboden gleichgemacht um alle Spuren zu zerstören und Bauernhöfe auf dem Gelände errichtet.

Ein Teil der verantwortlichen Nazis wurde nach dem Krieg verurteilt, andere, u.a. der erste Kommandeur von Sobibór Franz Stangl, konnte mit Hilfe der katholischen Kirche entkommen. Stangl, der insgesamt für den Tod von einer Million Menschen verantwortlich war, konnte schließlich von Simon Wiesenthal in Brasilien aufgespürt werden. Von dort wurde er 1967 in die BRD ausgeliefert, wo er 1970 wegen des Mordes an über 900.000 Juden im Vernichtungslager Treblinka zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt wurde und 1971 an Herzversagen starb.

(von max)
24. Oktober 1923:
Aufstand in Hamburg und der "Deutsche Oktober"



In den frühen Morgenstunden des 24. Oktobers stürmten mehrere Hundert Kommunisten unter der Führung von Ernst Thälmann, der später eine Schlüßelrolle bei der Staliniserung der Partei haben sollte, zwölf Polizeireviere in den Vororten Hamburgs und begannen auf das Stadtzentrum zu marschieren. Der Aufstand brach aber bald zusammen. Der Aufstand in Hamburg war Teil einer geplanten Offensive der KPD, die aber abgesagt wurde. Diese Nachricht hatte aber Hamburg nicht erreicht. Die revolutionäre Epoche in Deutschland von 1918-23 endete mit diesem Aufstand in einer Farce.

Das Jahr 1923 war vor schweren wirtschaftlichen Problemen und einer Polarisierung zwischen der Rechten und Linken gezeichnet. Im Juni 1922 begann die große Inflation. Zu diesem Zeitpunkt war ein Dollar 300 Mark wert, sechs Monate später bereits 8000 Mark. Der internationale Wert der Mark wurde alle sechs Wochen halbiert. Als schließlich die Währung stabilisiert wurde, wurde der Kurs der neuen zur alten Mark auf eins zu 10 000 Milliarden Mark festgesetzt! Die Preise stiegen nicht ganz so stark, die Auswirkungen auf die Löhne und Ersparnisse waren trotzdem katastrophal. Den Bergarbeiter war es gelungen die Löhne 1920 von 60% auf 90% des Standes von 1914 zu heben, aber Ende 1922 war ihr Wert auf weniger der Hälfte von 1914 gesunken. Im Spätsommer wurde die Währung und damit die Löhne komplett entwertet. Für ein Kilo Brot, was 1913 0,29 Mark kostete, mußten im November 1923 428 Millionen Mark gezahlt werden. Der durchschnittliche Lohn betrug nur die Hälfte des Minimums für die Versorgung ein vierköpfigen Familie.

Die Inflation war kein Naturereignis, sondern ein Versuch der Großindustrie die Zugeständnisse an die Arbeiter nach der Novemberrevolution rückgängig zu machen und die Löhne drastisch zu senken, sowie der Versuch der rechten Regierung unter Cuno, die ab November 1922 im Amt war, die Verschuldung aus dem Ersten Weltkrieg durch Gelddrucken zu zahlen und die Reparationszahlung an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zu verringern. Industrielle wie Stinnes nutzten die Inflation dazu zum Ausbau ihres Imperiums, in dem sie mit durch die Inflation billigen Krediten Firmen aufkauften.

Zu den Versuchen durch die Inflation die Reparationszahlung zu senken, stoppte die Regierung Cuno auch noch die Kohlelieferungen, ebenfalls ein Teil der Reparationen, an Frankreich. Cuno hoffte mit Hilfe der britischen und US-amerikanischen Regierung eine Reduzierung durchzusetzen. Die rechte französische Poincaré ließ darauf im Januar 1923 ihre Armee zusammen mit belgischen Truppen in das Ruhrgebiet einmarschieren um die Kohleförderung selbst unter Kontrolle zu nehmen. Diesen Einmarsch wiederum suchte Cuno zum Anstacheln einer nationalen Hysterie auszunutzen um den Widerstand gegen seine Politik zu schwächen. Sie rief zum passiven Widerstand auf, der aber nach anfänglichen Erfolgen bald zusammenfiel. Ein Grund war die internationale Solidaritätskampagne der Komintern, der KPD und der Kommunistischen Partei Frankreichs, die in Frankreich gegen die Besatzung Proteste organisierten und sich mit der Parole "Schlagt Poincaré an der Ruhr und Cuno an der Spree" gegen die Besatzung und die deutsche Regierung stellte. Der Hauptgrund für den Zusammenbruch des Widerstands war die Zusammenarbeit der Industriellen im Ruhrgebiet mit der französischen Besatzungsmacht, während gleichzeitig ab April die Inflation sich zu einer Hyperinflation verschlimmerte.

Wegen der Hyperinflation begann ausgehend vom Ruhrgebiet eine Welle von Streiks, die sich bis Anfang Juli 1923 auf ganz Deutschland ausweitete. Der KPD gelang es massiv an Einfluß zu gewinnen. Eine deutschlandweite Versammlung der Betriebsräte Ende 1922, die unabhängig vom Gewerkschaftsbund ADGB einberufen worden war und die von der KPD dominiert wurde, gewann an Bedeutung. Ein Teil der Gewerkschaften, z.B. die Metallarbeitergewerkschaft in Stuttgart oder die der Eisenbahner in Berlin und Leipzig, waren unter Kontrolle der KPD. Dazu hatte der Aufruf zur Bildung "proletarischer Hundertschaften", eine auf den Betrieben basierende Miliz gegen die Rechte, und der "Kontrolkomitees", in denen die Betriebsräte mit Arbeiterhausfrauen zusammen gegen die Preissteigerungen vorgingen, einigen Erfolg. Dazu gewann die KPD 70 000 neue Mitglieder hinzu und erreichte ihre größte Stärke in der Weimarer Republik. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland war der Meinung, dass es so nicht weiter gehen konnte. Nicht nur die Situation der Arbeiter verschlechterte sich, sondern auch große Teile der Mittelschichten verarmten. Die Hochburg der Linken waren Sachsen und Thüringen, wo linke SPD-Regierungen an der Macht waren.

Nicht nur die Kommunisten, sondern auch die extreme Rechte, wenn auch in einem geringeren Umfang, gewann an Unterstützung hinzu. Die Rechte war insbesondere in Bayern, wo sie sich während des Kapp-Putschs an die Regierung geputscht hatte, stark. Hier plante Hitler, der von der Reichswehr und der bayrischen Regierung protegiert wurde, einen Marsch nach Berlin nach dem Vorbild Mussolinis. Auf dem Weg wollte er die Linke in Sachsen und Thüringen angreifen.

Um gegen die Rechte vorzugehen, plante die KPD einen deutschlandweiten Antifaschistischen Tag am 29.Juli, wozu die anderen Arbeiterorganisationen aufgerufen wurden diesen zu unterstützen. Angesichts der frischen Erinnerungen an den Kapp-Putsch und des Versagen der Cuno-Regierung erschien ein rechter Putsch wahrscheinlich. Allerdings verbot die SPD-Regierung im größten Land Preußen die Demonstrationen an diesem Tag. Die KPD scheute die Kraftprobe und hielt lediglich Massenveranstaltungen ab, wobei in Berlin alleine 200 000 teilnahmen.

Im August erreichte die Hyperinflation einen Höhepunkt und die KPD-dominierte Bewegung der Betriebsräte rief am 11. August einen Generalstreik gegen die Regierung Cuno und ihre Wirtschaftspolitik und zur Bildung einer Arbeiterregierung auf. Der Streik war vor allem in Berlin erfolgreich, weniger in anderen Regionen, aber Cuno konnte zum Rücktritt gezwungen werden.

Statt der rechten Regierung Cunos wurde am 13. August eine große Koalition unter Stresemann aus DVP (rechts-konservative Partei der Großindustrie), Zentrum (katholisch), DDP (liberal) und SPD gebildet, wobei die vier SPD-Minister der Regierung ein "linken" Anstrich verleihen sollte. Allerdings beruhigte die Bildung der neuen Regierung die Lage nicht. Die SPD war tief gespalten. Während ein Teil die neue Regierung als "kleineres Übel" unterstützte, wollte ein anderer mit der KPD eine Arbeiterregierung bilden. Bei der Vertrauensabstimmung für die neue Stresemann-Regierung enthielten sich 53 der 171 SPD-Abgeordneten.

Die KPD wollte die gewonnene Unterstützung nutzen um gegen die Rechte in die Offensive zu gehen und die Betriebsräte zur Basis einer Räterepublik machen. Deshalb trat die KPD im Oktober 1923 in die Landesregierungen von Thüringen und Sachsen ein um Kontrolle über deren Waffenvorräte zu erlangen. Ein Generalstreik gegen den drohenden Einmarsch der Reichswehr in Sachsen und Thüringen um diese Regierungen zu stürzen, sollte das Signal für eine deutschlandweite Offensive gegen die Rechte und die Reichswehr werden.

Am 20. Oktober 1923 marschierte schließlich die Reichswehr in Sachsen und Thüringen ein, vermied es aber die SPD zu provozieren. Die SPD-Mehrheit in der Regierung stellte sich darauf gegen den Generalstreik und bewaffneten Widertand, was angesichts der Politik der SPD in den Jahren davor niemand hätte überraschen sollen. Die KPD-Führung um Heinrich Brandler aber blies den geplanten Generalstreik ab. Diese Nachricht erreichte Hamburg nicht, wo der isolierte Aufstand unweigerlich scheitern mußte. Die Reichswehr stürzte nach Absage des Streiks die Regierung Sachsens und Thüringens, wobei weder die KPD, noch die SPD Widerstand leisteten. Hitlers Putschversuch am 9. November 1923 in München scheiterte, weil er keine Unterstützung der Reichswehr gewinnen konnte, die der Meinung war, dass Hitlers Methoden nach der Niederlage der KPD nicht notwendig war. Jahre später in der Folge der Weltwirtschaftskrise sollte die Reichswehr und die Mehrheit der Großindustriellen aber Hitlers Dienste in Anspruch nehmen.

Die KPD vergab 1923 ihre beste Chance für eine sozialistische Revolution. Ihre früheren Fehler während des Spartakus-Aufstands 1919 und der Märzaktion 1921, als die KPD isoliert und ohne größere Unterstützung vorging, hatte die Führung zu vorsichtig gemacht. Da die KPD nicht handelte, wird es niemals festzustellen sein, wie groß das Ausmaß der Unterstützung wirklich war. Bei den nächsten Reichstagswahlen im Mai 1924 konnte zwar die KPD ihren Stimmenanteil von 2,1% bei den Wahlen 1920 auf 12,6% steigern. Allerdings hatte die KPD durch ihren Mißerfolg und Inaktivität zu diesem Zeitpunkt schon große Teile ihrer Unterstützung verloren. Der Deutsche Oktober war das Ende der revolutionären Epoche in Deutschland. Die Niederlage der KPD leitete ihre Stalinisierung ein, wodurch sie von einer revolutionären Partei zu einem Instrument der Außenpolitik Stalins degradiert wurde.

Auf die Ereignisse des Jahres 1923 folgte eine scheinbare Stabilisierung der Weimarer Republik, die Goldenen Zwanzinger, die aber 1929 ein jähes Ende haben sollten.

(von max)
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25. Oktober 1929:
Der "Schwarze Freitag" und die Weltwirtschaftskrise



An diesem Tag kamen die Goldenen Zwanziger Jahre zu einem abrupten Ende. Die US-Börse fiel an einem Tag um ein Drittel. Reiche Spekulanten verloren alles und auch viele Mittelständler verloren ihr erspartes. Es entwickelte sich die bis dahin schwerste Wirtschaftskrise im Kapitalismus. Die Krise zog sich über mehrere Jahre hin. In den USA gingen 5000 lokale Banken Pleite, in Deutschland und Österreich ging je eine Großbank. Zwischen 1929 und 1932 fiel die Industrieproduktion weltweit um 29%. Am stärksten waren die USA, Polen und Deutschland betroffen. In den USA fiel die Industrieproduktion bis 1932 um 46%, im gleichen Zeitraum wurde in Deutschland die Industrieproduktion auf die Hälfte reduziert, in der Schwerindustrie fiel die Produktion sogar auf ein Drittel der Standes von 1928. Die Summe der Investitionen betrug 1932 nur ein Sechstel der Summe von 1928. Nach offiziellen Angaben waren 5,6 Millionen arbeitslos, was 30% der Arbeiterschaft entspricht. Es gibt Schätzungen, dass tatsächlich um die 10 Millionen arbeitslos wurden. In den USA war ebenfalls mindestens ein Drittel der Arbeiterschaft arbeitslos, in Großbritannien ein Fünftel. Nicht nur die Industriearbeiter waren betroffen, sondern große Teile der Menschen, die sich zu den Mittelschichten zählten, verarmten. Anpreisungen der Börse, wie von John J. Raskop, der in dem Artikel "Everybody Ought to be Rich" einen Plan entwarf, wie die Armen an der Börse reich werden könnten, entlarvten sich als lächerlich.

In den Jahren vor 1929 stieg die Produktivität insbesondere in Deutschland und den USA stark, wobei große Überkapazitäten aufgebaut wurden. Die deutschen Stahlwerke waren z.B. 1925 nur zu 60% ausgelastet. Der Anstieg der Produktivität hatte 1929 bereits eine Million Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet.

Ab 1925 stiegen die Aktienkurse auf den weltweiten Börsen massiv, was die hohen Profite in der Industrie widerspiegelte. Allerdings haben die Börsen die Tendenz die wirtschaftliche Entwicklung sowohl in der Aufwärts-, als auch in der Abwärtsentwicklung zu verstärken. Ende der 20er Jahre entwickelte sich so eine gewaltige Seifenblase, das Kurs-Gewinn-Verhältnis erreichte im September 1929 den Spitzenwert von 32,6. Die Aktien waren also massiv überbewertet. Als die konjunkturelle Entwicklung sich 1929 deutlich abschwächte und die Überkapazitäten der Konzerne deutlich wurde, löste dies Panik an den Börsen und massive Kursstürze aus.

Der Kauf der Aktien war oft durch Kredite finanziert. Um diese zurückzahlen zu können, verkauften Anleger ihre Aktien, worauf der Preisverfall dieser verstärkt wurde. Dadurch wurde der Finanzsektor nahe an den Kollaps gebracht. Durch die Reduzierung der Zahl der Banken und der damit verbundenen Zunahme der Größe der einzelnen Banken im scharfen Konkurrenzkampf in den Jahren zuvor, bedeute der Kollaps einer dieser Großbanken, dass eine Welle von anderen Unternehmen mit in den Konkurs gerissen wurden. Dies war die Ursache, warum die Krise, die 1929 begonnen hatte, 1931 immer noch keiner Erholung entgegenging, sondern sich statt dessen vertiefte, von einem Sektor des Kapitals auf den anderen übergriff und erst dann ein Ende fand, als Staaten intervenierten, um zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Kriegswirtschaft aufzubauen.

Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise gingen die meisten Staaten zum Protektionismus und deflationärer Politik über, wodurch die Krise noch verschärft wurde. Mit Schutzzölle, Importquote und Abwertung ihrer Währungen versuchten die Regierungen die Konkurrenzfähigkeit ihrer Konzerne zu erhöhen. Der Welthandel, der im Vergleich zu der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nur relativ schwach gewachsen war, brach auf ein Drittel des schon geringen Standes von 1928 ein.

Die Wirtschaftskrise zerschlug die Illusionen der Liberalen und Sozialdemokraten. In Deutschland hatte der führende Wirtschaftstheoretiker der SPD, Rudolf Hilferding, angenommen, dass mit dem "Organisierten Kapitalismus", also durch Bildung von Großkonzernen und Kartellen, die Konkurrenz und Anarchie des Kapitalismus und damit seinen Krisen überwunden wären. Er sah ihn diese Entwicklung hin zu Monopolen sogar einen Schritt in Richtung Sozialismus.

Das Ende der sozialdemokratischen und liberalen Illusionen von einem stabilen Kapitalismus und das Scheitern der Sparpolitik bei der Bekämpfung der Krise, wie z.B. in Deutschland unter Brüning, bewirkte in vielen Ländern eine Radikalisierung. In Spanien wurde 1931 die Monarchie gestürzt und 1936 gelang eine Volksfront unter Beteiligung der Linken an die Macht, was wiederum einen faschistischen Putsch unter Franco auslöste (siehe hier). Im gleichen Jahr kam auch eine Volksfront in Frankreich auf einer Welle von Streiks an die Macht, während in den USA die Arbeiter sich das Recht auf Gewerkschaften erkämpfen konnten.

In Deutschland, was von der Krise durch den Rückzug von US-amerikanischen Kredite besonders stark betroffen war, gipfelte die Wirtschaftskrise in der ultimativen Barbarei ausgerüstet mit modernster Technik: der Nazi-Herrschaft und dem Holocaust (siehe auch hier).

(von max)
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24. Dezember 1814:
Friedensvertrag zwischen den USA und Großbritannien über den "Krieg von 1812"



In Gent, Belgien, unterzeichen Vertreter der Vereinigten Staaten und der britischen Krone einen Friedensvertrag, der den 1812 begonnenen Krieg zwischen den beiden Ländern beendet. Sämtliche eroberten Territorien werden zurückgegeben, und Pläne zur Festlegung der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada gemacht.

Die USA hatte im Juni 1812 Großbritannien aus drei maßgeblichen Gründen den Krieg erklärt: Der US-Händler treffende britische Handelsboykott gegen das napoleonische Frankreich, die Pressung tausender amerikanischer Seeleute in die britische Navy, und die britische Unterstützung für den Siedlern feindlich gesonnene Indianerstämme im Gebiet der Großen Seen. Eine hauptsächlich aus Abgeordneten aus dem Westen und Süden bestehende Fraktion des Kongresses hatte diesen Schritt schon seit Jahren gefordert. Die als „War Hawks“ bekannten Politiker erhofften sich von einem Krieg mit dem mit Frankreich beschäftigten England territoriale Gewinne in Kanada und dem britischen Florida.
In den Monaten nach der Kriegserklärung begannen US-Streitkräfte drei Invasionsversuche in Kanada, die jedoch alle zurückgeschlagen wurden. Auf See war die junge US-Navy erfolgreicher: Die USS Constitution und andere amerikanische Fregatten errangen eine Reihe von Siegen über die stolze britische Seestreitmacht. Nach der Niederlage Napoleons in Europa 1814 waren die Briten jedoch in der Lage, größere militärische Ressourcen gegen die USA aufzubringen. Im August fiel Washington D.C., und britische Truppen brandschatzten das Weiße Haus, das Kapitol und andere Gebäude als Vergeltung für ähnliche Aktionen der US-Streitkräfte in Kanada. Die Briten mussten sich jedoch bald darauf zurückziehen, und das Schlachtenglück wendete sich wieder den Amerikanern zu: Am 11. September erlangte die amerikanische Navy unter Thomas Macdonough einen entscheidenden Sieg bei der Seeschlacht von Plattburg Bay auf dem Champlain-See. Eine starke britische Streitmacht unter Sir George Prevost musste gleichzeitig eine Invasion im Nordosten abrechen und sich nach Kanada zurückziehen.

Dies führte zur Aufnahme von Friedensverhandlungen in Belgien, und zum Friedensvertrag von Gent. Dieser Vertrag öffnete die Region der Großen Seen für die amerikanische Expansion, drängte die Briten auf dem amerikanischen Kontinent weiter zurück und wurde in Amerika als großer diplomatischer Sieg gefeiert. Die Überbringung der Vertragsergebnisse über den Atlantik dauerte fast zwei Monate – britische Soldaten führten in dieser Zeit die Kampfhandlungen fort und erfuhren beim Angriff auf New Orleans im Januar 1815 die erbittertst Niederlage des ganzen Krieges gegen eine US-Streitmacht unter Gen. Andrew Jackson. Die amerikanische Öffentlichkeit erfuhr nahezu zeitgleich von diesem Sieg und dem Vertragsschluß in Belgien – was unter dem Eindruck einer Kausalität das Selbstbewusstsein und den Expansionsdrang der jungen Republik weiter beflügelte.
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12. Januar 1904:
Der Hereroaufstand in Deutsch-Südwestafrika


Gefangene Herero werden gehängt

Vor 100 Jahren begann der Aufstand der Hereros (Ovaherero) in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Es kam zu Angriffen auf Polizeistationen, Stützpunkte der deutschen Kolonialtruppen ('Schutztruppe') und Siedlungen, Läden und Farmen, wobei 123 Deutsche umgebracht wurden. Die deutschen Truppen erlitten Anfangs mehrere Niederlagen. Daraufhin wurden die deutschen Truppen massiv verstärkt, die den Aufstand brutal unterdrückten. Von den ursprünglich ca. 80 000 Hereros überlebten innerhalb der deutschen Kolonien ca. 15 000, weshalb die Reaktion der deutschen Truppen auf den Aufstand als Völkermord charakterisiert werden muß. Auch bei dem folgenden Aufstand der Hottentoten (Nama) wurden die Hälfte der Aufständischen (ca. 10 000) umgebracht.

Die Wirtschaftskrise in den 1870ern bewirkte eine verstärkten Kapitalexport und einen Aufschwung des Kolonialismus. Die Eroberung von Kolonien wurde als Möglichkeit gesehen die wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Das heutige Namibia wurden im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter den Großmächten von Deutschland besetzt. Erste private Erwerbungen in den Jahren 1882 und 1883 wurden schließlich unter staatlichen Schutz gestellt und aus ihnen die Kolonie Deutsch-Südwestafrika aufgebaut. Der erste Reichskommissar war Heinrich Göring, der Vater des Nazi-Reichsfeldmarschals Hermann Göring.

Die deutschem Kolonien waren wirtschaftlich relativ unbedeutend, die deutsche Konzerne investierten z.B. stärker in britischen, als in deutschen Kolonien. Die wichtigsten Exportgüter aus Deutsch-Südwestafrika waren Diamanten, Kupfer, Wolle, Häute, Felle und Fleisch. Auch wanderten relativ wenig Deutsche in die Kolonien aus. Bis zum Ersten Weltkrieg waren es nur 23 000 Siedler, während im Vergleich von 1887 bis 1906 eine Million Deutsche in die USA auswanderten. Aber die Eroberung war ein Teil des Versuchs Deutschland zur Weltmacht zu machen. Die Kolonien waren neben der Funktion als Rohstofflieferanten und Absatzmärkte, hauptsächlich Handels- und Militärstützpunkte.

Neben diese wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen für die Eroberung der Kolonien, gab es noch ideologische. Die rechten bürgerlichen Partei vertraten die Ansicht, dass es die Aufgabe der weißen Rasse sei, die Welt zu führen und zu zivilisieren.

Vor der deutschen Besetzung lebten mehrere halbnomadische Völker, die hauptsächlich von Viehzucht lebten, auf diesen Gebiet: u.a. die Hereros (Ovaherero), die Hottentotten (Nama) und die Bondelzwarts. Diese kämpften untereinander um die besten Weidegebiete. Die Herrschaft Deutschlands über Südwestafrika wurde mit einem "Teile und Herrsche"-Ansatz aufrechterhalten. Mit einzelnen Häuptlingen wurden Schutzverträge ausgehandelt und deren Truppen zur Unterdrückung der anderen Völker verwendet. Neben einer Polizeitruppe bildete die 'Schutztruppe' die militärische Basis für das Kolonialregime (in einem bemerkenswerten Anfall von Ehrlichkeit erhielten die heutigen deutschen Truppen in Afghanistan den gleichen Namen wie die Kolonialtruppe im Kaiserreich).

Gegen das deutsche Kolonialregime gab es zahlreiche Aufstände. Vor dem Hereroaufstand von 1904 gab es den Aufstand der Hottentoten unter Hendrik Witbooi 1893/94. Dazu gab es in den Jahren 1896 bis 1898 gab es mehrere kleinere Aufstände der Hereros und der Hottentoten. 1903 gab es im Süden der Kolonie einen Aufstand der Bondelzwarts, der ein Teil der Schutztruppe zu Beginn des Hereroaufstands band.

Die Ursachen des Hereroaufstand waren der Raub von Land für den Eisenbahnbau (eine 20 km breite Trasse wurden beschlagnahmt) für Aufbau der Kupferminen und für deutsche Siedler. Dazu kam, dass der Verkauf von Waren mit Krediten erfolgte, die mit Vieh zurückgezahlt werden mussten. Dabei wurden die Preise mit Hilfe der militärischen Überlegenheit der Siedler gewaltsam ungünstig angesetzt, was für die Hereros einen Verlust der Hälfte der Viehbestände bedeutete. Dazu kamen zahlreiche Mißhandlungen und Vergewaltigungen durch die Siedler, die von der Justiz kaum geahndet wurden. Bezeichnend für die Ungleichbehandlung durch die Justiz sind die Urteile bei Morden. Von 1894-1905 wurden sechs "Weiße" von "Schwarzen" ermordet. Es ergingen 15 Todesurteile! Fünf "Schwarze" wurden von "Weißen" ermordet. Die Mörder kamen mit Gefängnisstrafen von zwischen drei Monaten bis zu fünfeinhalb Jahren davon!

Als Reaktion befahl der Häuptling der Hereros Samuel Maherero am 11.1.1904 den Aufstand, der dann am 12.1.begann. Der Aufstand war relativ unorganisierte und unkoordinierte und brach in den verschieden Teilen im Norden Südwestafrikas verschiedenen Zeiten aus, so in Okahandja am 12.01., in Omaruru am 17.01. und in Otjimbingwe erst am 23.01.


Schutztruppen-General Lothar von Trotha
Der Gouverneur Theodor Gotthilf Leutwein, der eine Verhandlungslösung anstrebte, wurde bald als militärischer Oberbefehlshaber abgesetzt und durch General Lothar von Trotha ersetzt, der sich bereits bei der Niederschlagung der Wahehe in Ostafrika und bei der Niederschlagung des Boxeraufstands (siehe 07 September 1901: Die Unterzeichnung des Boxer-Protokolls und die internationale Intervention in China) den Beinamen "der Schlächter" verdient hatte. Die deutschen Truppen wurden von ca. 800 auf 14 000 verstärkt, von denen 1500 umkommen (die Mehrheit starb an Krankheiten). Die Kosten für den Vernichtungskrieg gegen die Hereros betrugen 585 Millionen Goldmark.

Durch die technische Überlegenheit (z.B. Artillerie, Maschinengewehre) zwangen die deutschen Truppen die Hereros zum Rückzug zum Waterberg, einem Hochplateau etwa 250 km nördlich von Windhuk. Dort wurden die Hereros am 11. August einkesselt. Beide Seiten erlitten während dieser Gefechte schwere Verluste. Einem Großteil der Herero gelang am 12.8. der Ausbruch. Ohne Wasser- und Lebensmittelvorräte versuchten sie durch die wasserlose Region Omaheke auf britisches Gebiet (Betschuanaland) zu entkommen. Die Mehrheit verdurstete und verhungerte. Nur wenigen gelang es jedoch, die Wüste auch zu durchqueren. Die Schutztruppe versperrte die Rückkehr und jagte mit einzelnen Patrouillen die Überlebenden, die entweder sofort umgebracht oder als Zwangsarbeiter verschleppt wurden.

Das deutsche Generalsstabswerk schrieb über die Situation vor
dem Ausbruch:
Zitat:
Sollten die Hereros indessen versuchen, hier durchzubrechen, so müsste ein solcher Ausgang der deutschen Führung um so erwünschter sein, als dann der Feind freiwillig in sein Verderben rannte.
und später:
[quote]Diese kühne Unternehmung zeigt die rücksichtslose Energie der deutschen Führung bei der Verfolgung des geschlagenen Feindes in glänzendem Lichte. Keine Mühen, keine Entbehrungen wurden gescheut, um dem Feinde den letzten Rest seiner Widerstandsfähigkeit zu rauben: wie ein halb zu Tode gehetztes Wild war er von Wasserstelle zu Wasserstelle gescheucht, bis er schließlich willenlos ein Opfer der Natur seines eigenen Landes wurde. Die wasserlose Omaheke sollte vollenden, was die deutschen Waffen begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes[/url]
Nach der Darstellung des deutschen Generalstabs war es also der Plan die Hereros zu vernichten, in dem sie in die Omaheke gejagt wurden. Es gibt auch (rechte) Historiker, die diese "Omahekelegende" anzweifeln und den Völkermord als normalen Kolonialkrieg rechtfertigen. Es spielt aber eigentlich keine Rolle, ob es geplant war die Hereros in die Omaheke zu treiben und dort verdursten zu lassen oder ob die Hereros verzweifelt in diese flüchteten. Der deutsche Kriegsführung hatte auf jeden Fall die Vernichtung der Hereros als Ziel. Deutlich wird dies in den Äußerungen des deutschen militärischen Oberbefehlshaber von Trotha. Dieser schrieb am 2.10.1904 in einer Proklamation an die Herero:
[quote][...]Innerhalb der Deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück, oder lasse auf sie schießen. Dies sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers.[/url]
In einem Rapport an den Generalstab vom 4. Oktober 1904, der vom Chef des Generalstabes auch gebilligt wurde, formuliert von Trotha sein weiterreichendes Ziel:
Zitat:
Meine genaue Kenntnis so vieler zentralafrikanischer Stämme, Bantu und anderer, hat mir überall die überzeugende Notwendigkeit vor Augen geführt, dass sich der Neger keinem Vertrag, sondern nur der rohen Gewalt beugt. Deshalb halte ich es für richtiger, dass die Nation in sich untergeht, und nicht noch unsere Soldaten infiziert und an Wasser und Nahrungsmitteln beeinträchtigt. Außerdem würde irgendeine Milde von meiner Seite von Seiten der Herero nur als Schwäche aufgefasst werden. Sie müssen jetzt im Sandfeld untergehen oder über die Betschuanagrenze zu gehen trachten. Dieser Aufstand ist und bleibt der Anfang eines Rassenkampfes, den ich schon 1897 in meinem Bericht an den Reichskanzler für Ostafrika vorausgesagt habe.
Bundesarchiv Potsdam, Akten des Reichskolonialamtes 10.01 2089 Bl. 5/6
In Teilen der politischen Führung in Deutschland und Südwestafrika gab es Bedenken wegen von Trothas Vernichtungskrieg. Diese Bedenken waren aber weniger humanitär, sondern ökonomisch. Sie waren der Meinung, dass die Hereros als Arbeitskräfte noch notwendig wären. Nach einer erfolgreichen Intervention beim Kaiser ließ der Reichskanzler Fürst von Bülow General von Trotha in einem Schreiben vom 11. Dezember 1904 anweisen, "Konzentrationslager für die einstweilige Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Hererovolkes" einzurichten. Die Überlebenden wurden in Konzentrationslagern an der kalten und feuchten Atlantikküste interniert, wo sie zu Tausenden starben. 1906 lebten von den in früheren Jahren auf etwa 80000 geschätzten Herero noch etwas 15000. Etwa 80% der Hererobevölkerung fielen der deutschen Kriegführung zum Opfer. Dies ist die Bilanz des ersten deutschen Vernichtungskrieges.

1907 wurde General von Trotha durch Gouverneur Friedrich von Lindequist ersetzt. Dieser ließ im Frühjahr 1908 die letzten Konzentrationslager öffnen und legte mit einer neuen "Eingeborenenverordnung" die Zukunft der Herero fest. Die Rindernomaden sollten in eine anonyme Masse von "freien Lohnarbeitern" verwandelt werden. Dafür wurden ihnen systematisch die Rechte geraubt. Der afrikanischen Bevölkerung wurden Reservate aufgrund ihrer "Stammeszugehörigkeit" zugewiesen - gerade einmal 60000 qkm von 835000 qkm Landesfläche. Den Hereros wurde der Besitz von Land und Vieh, sowie die gemeinsame Ansiedlung von mehr als zehn Familien verboten. Kriegsgefangenen Herero wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, wobei die OMEG, ein Kupferbergbaukonzern, gegenüber anderen Unternehmen bevorzugt wurde. Anfang April 1906 standen 900 Männer, 700 Frauen und 620 Kinder als Zwangsarbeiter im Dienst der OMEG. Insgesamt waren die Arbeitsbedingungen katastrophal. Z.B. auf den Diamantfeldern bei Lüderitzbucht gab es eine jährliche Sterberate von durchschnittlich 15 Prozent, in einzelnen Fällen sogar bis zu 50 und 70 Prozent.

Angesichts der Brutalität der Deutschen schlossen sich die Hottentoten unter Hendrik Witbooi am 3.10.1904 auch zum Aufstand, nach dem sie anfangs noch Truppen den Deutschen zur Verfügung stellten. Der neue Krieg im Süden unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Krieg im Norden. Während die Hereros sich immer wieder den Deutschen stellten und schließlich in der entscheidenden Schlacht am Waterberg vernichtend geschlagen wurden, stellen sich die Nama-Truppen im Süden nicht zu einem entscheidenden Gefecht, sondern verwickeln die Deutschen in einen endlosen Kleinkrieg mit über 200 Gefechten, wurden aber letztendlich auch geschlagen.

In Deutschland gab es gegen die Kolonialpolitik hauptsächlich Widerstand von Seiten des Zentrums und der SPD. August Bebel, der Vorsitzende der damals noch marxistischen SPD, verurteilte in einer Rede im Reichstag den Vernichtungskrieg gegen die Hereros:
Zitat:
Meine Herren, dieser Krieg ist auch von unserer Seite mit großer Rücksichtslosigkeit geführt worden. Es ist erklärt worden, die Eingeboren müßten vernichtet werden - nicht nur die waffentragenden Männer, auch Frauen und Kinder. [...] Nun sagt man - 'Ja, aber die Greueltaten der Eingeborenen!' - Diese Greueltaten leugnet niemand. Aber erst durch die Greueltaten von unserer Seite [...] ist das Volk der Eingeborenen zum Äußersten getrieben worden und hat seinerseits mit Greueltaten geantwortet! [...] Wenn es einmal vor der Geschichte ein Abwägen von Schuld und weniger Schuld gibt, dann kann es keinen Zweifel bestehen, daß das größere Maß Schuld auf unserer Seite ist. [...] Die gewaltigen Mittel, die das Reich bisher nach den Kolonien geworfen hat, sind in Wahrheit ausschließlich den großkapitalistischen Gesellschaften zugute gekommen, die dort Profite machen wollen.
Im Schatten des Nationalsozialismus und unter betreiben reaktionärer Kolonialromantiker ist der Völkermord an den Herero in Deutschland lange Zeit fast vollständig in Vergessenheit geraten. Zum Jahrestag ist er momentan wieder in den Medien, da nach jahrelangen Bemühungen um eine offizielle deutsche Entschuldigung und Wiedergutmachung die Herero nunmehr ihre Rechte einklagen wollen. Verklagt wurdenvor einem amerikanischem Gericht sowohl die deutsche Regierung (die Klage ist im Moment allerdings ausgesetzt) als auch drei deutsche, früher in Südwest-Afrika engagierte, Firmen, allen voran die Deutsche Bank. Die Bundesrepublik weist die Forderungen der Herero seit jeher zurück - zu mehr als der Anerkennung einer "besonderen Beziehung aufgrund unserer Verantwortung für die Kolonialgeschichte" (Außenminister Fischer) und dem Verweis auf besonders hohe Entwicklungshilfe hat es bisher nicht gereicht. Eine offizielle Entschuldigung - wie in den Fällen Polens, Russlands oder Israels geschehen - wird mit der Begründung verweigert, diese könnte "entschädigungsrelevant" werden. Der Eindruck drängt sich auf, die Wiedergutmachungsbereitschaft könnte abhängig von der Prominenz und Organisation der jeweiligen Opfergruppe sein.

(von max, letzter Absatz von Jack Crow)


17. April 1979:
Die erste reguläre Ausgabe der "tageszeitung" erscheint





"Wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie", schrieb die "tageszeitung" in ihrer ersten täglichen Nummer - am 17. April 1979. Wer hätte schon gedacht, dass sich ein Blatt über längere Zeit am Markt halten würde, das sich heute wie damals als "links, respektlos und konzernunabhängig" definiert. Die taz warf sich wider die Mächtigen, für die Andersdenkenden auf den Markt - und ist seither so oft tot gesagt worden, dass es schon fast wie ein Stehsatz klingt. Der Grünen-Abgeordnete und taz-Mitbegründer Hans-Christian Ströbele hält das hartnäckige Überleben der Zeitung für das "größte Wunder" - die Leute, die das Blatt am Anfang täglich im Berliner Arbeiterviertel Wedding machten, hätten weder von Finanzen noch vom Zeitungmachen eine Ahnung gehabt, meint er.

Von Anfang an verstand sich die taz nicht als wirtschaftliches Unternehmen, sondern als alternatives Projekt, inzwischen ist sie - seit 1992 - genossenschaftlich organisiert und wird von mehr als 5000 Lesern, Mitarbeitern und Förderern erhalten. Um weitere Unterstützung wird auch auf der Web-Site geworben: "Wer hier mitmacht, findet eine politische Rendite wichtiger als finanzielle Gewinne." So muss es wohl auch sein, schrammte das alternative Blatt mit der Tatze als Logo doch mehr als einmal am finanziellen Ruin vorbei. Ende 1991 etwa wurde allen Mitarbeitern gekündigt - weil die Auflage auf 60.000 Stück gesunken war und viele der Redakteure das Modell der Selbstverwaltung mit niedrigem Einheitslohn für überholt hielten. Der ist inzwischen abgeschafft, Chefredakteurin Bascha Mika meint aber: "Wir können uns nie zurücklehnen." Müsste sie den Redakteuren anständige Gehälter zahlen, wäre man pleite. Inzwischen liegt die Auflage konstant bei knapp unter 50.000 Stück, auch wenn regelmäßige - meist höchst originelle - Rettungskampagnen versuchen, diese Marke zu knacken.

So kämpferisch wie einst klingt die taz inzwischen nicht mehr. Manche meinen sogar, sie sei ein wenig langweilig geworden, seit ihr nur noch ein Hauch von Anarchie anhafte. "Die Zeitung wird heute viel professioneller gemacht, die Zeiten der heftigen ideologischen und politischen Debatten sind vorbei", meint taz-Gründungsmitglied Michael Sontheimer ("Spiegel"). Die taz, das späte Kind der 68-er Generation, ist salonfähig geworden. Geblieben ist allerdings der besondere Humor der Zeitung, zu sehen in den Schlagzeilen - heute etwa: "Welteke wird abgetreten" - und verkörpert in der Satire-Seite "die Wahrheit".

Auch die heutige Jubiläumsausgabe ist wieder ein Highlight: Eine im komplett neuen Layout gestaltete Sonderausgabe feiert bereits den 50. Geburtstag - im Jahre 2029...

Eine Fotostrecke gibt es hier
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Wir haben uns vor Gott und unserem Gewissen geprüft, es muss geschehen, denn dieser Mann ist das Böse an sich.“
(Claus Schenk Graf von Stauffenberg)




Der 20. Juli 1944 ist zum Innbegriff und Symbol des deutschen Widerstandes gegen die Diktatur des Nationalsozialismus und die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers geworden. Er ging als "Aufstand des Gewissens" in die Geschichte ein. 60 Jahre nach der Tat gelten Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter als deutsche Vorbilder.
Die Ereignisse vom 20. Juli 1944 bilden den umfangreichsten Widerstand von Deutschen gegen das Regime Adolf Hitlers in der Zeit des Nationalsozialismus . Die Beteiligten der Verschwörung stammen aus vielen Schichten der Bevölkerung und hatten vielfältige Kontakte zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke . Unter den 200 nach der Erhebung Hingerichteten sind 19 Generäle, 26 Obersten, zwei Botschafter, sieben Diplomaten, ein Minister, drei Staatssekretäre sowie der Chef der Reichskriminalpolizei; des weiteren mehrere Oberpräsidenten, Polizeipräsidenten und Regierungspräsidenten. Zum Ausgangspunkt des Machtwechsels wurde ein Attentat auf Hitler gemacht. Die von Claus Schenk von Stauffenberg platzierte Bombe tötete Hitler jedoch nicht. Diese Tatsache brachte den gesamten Plan zum Scheitern.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg, geb. 15.11.1907 in Jettingen/Schwaben. Seine Eltern waren der letzte Oberhofmarschall des Königs von Württemberg, Alfred Schenk Graf von Stauffenberg und Caroline geb. von Üxküll-Gyllenband. Seine Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen Brüdern Berthold und Alexander vor allem in der Landeshauptstadt Stuttgart. Berufssoldat. Stauffenberg begann sich nach der Reichspogromnacht 1938 von der nationalsozialistischen Staatsführung zu distanzieren und wurde wegen der Deportation der Juden, der brutalen Besatzungspolitik während des Krieges aber auch wegen der unsachgemäßen militärischen Führung entschiedener Gegner der Nazis und schloss sich dem militärischen Widerstand an. Er trat als treibende Kraft für die Tötung Hitlers ein. 1943 wurde er in Afrika schwer verwundet. Verlust des linken Auges, der rechten Hand und zweier Finger der linken Hand. Zuletzt Oberst im Oberkommando des Heimat-Heeres, Berlin, Bendlerblock. Am 1. Juli 1944 wurde er Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres (BdE). Damit hatte er alle Möglichkeiten, die für den Fall innerer Unruhen vorbereitete Aktion "Walküre" auszulösen. Stauffenberg erarbeitete gemeinsam mit General Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Henning von Tresckow den Operationsplan "Walküre".


Vorgeschichte

Schon 1938 regte sich erster Widerstand in den Kreisen der Offiziere der Wehrmacht gegen die Kriegsvorbereitungen der regierenden Nationalsozialisten. Anlass war die Entlassung des Reichskriegsministers General Werner von Blomberg und die Affäre um Werner von Fritsch im Frühjahr. Dies nutzte Adolf Hitler zur Entmachtung der Wehrmachtsführung und zur gezielten Vorbereitung eines Krieges. Im Herbst trat der Chef des Generalstabes der Wehrmacht Generaloberst Ludwig Beck angesichts der sich ankündigenden Sudetenkrise zurück. Beck hatte von Adolf Hitler Aufklärung über dessen außenpolitische Ziele verlangt. Der Weg war frei für das Besetzen wichtiger Positionen mit Hitler ergebenen Admiralen und Generalen.
Georg Elser, ein Schreiner aus Heidenheim an der Brenz baut eine Bombe, mit der er versucht Hitler 1939 zu töten. Georg Elser wusste, dass Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller zum Gedenken an den Hitlerputsch vom 9.11.1923 eine Rede halten wird. Er ließ sich in den Bürgerbräukeller einschließen und innerhalb eines Monats höhlt er eine Säule aus um dort eine Bombe einzubauen. Die Bombe explodierte wie geplant, 60 Menschen wurden verletzt, 6 getötet - nur, Hitler war schon weg und unterwegs nach Berlin.
Georg Elser wurde beim Versuch über die grüne Grenze in die Schweiz zu flüchten festgenommen. Er gesteht im Verhör die Tat und wird Sonderhäftling im Konzentrationslager Sachsenhausen. 1945 kam er ins KZ Dachau, wo ihn Himmler am 9. April 1945 ermorden ließ.
Mehrere andere Versuche, Hitler zu beseitigen, schlugen fehl: 1943 versuchte der Offizier Henning von Tresckow , Hitler durch eine Sprengladung in dessen Flugzeug zu töten, der Zünder war jedoch defekt. Tresckow war auch der eigentlich Kopf der Verschwörung des 20.Juli, wurde jedoch kurz zuvor an die Ostfront versetzt.
Im Juli 1944 gab es seitens Stauffenbergs mehrere Versuche, das Attentat auszuführen. Es wurde jedoch mehrmals verschoben, da entweder Reichsmarschall Hermann Göring oder Heinrich Himmler (Reichsführer der SS) nicht anwesend waren.
Widerstand gegen Hitler leistete der "Kreisauer Kreis" ebenso wie die "Weiße Rose", das "Nationalkomitee Freies Deutschland" und der "Bund Deutscher Offiziere"; der einsame Attentäter Georg Elser wie der katholische Priester (später Kardinal) von Galen und Dietrich Bonhoeffer. Widerstand gegen Hitler - das war der Aufstand im Warschauer Ghetto ebenso wie der Kampf gegen den Diktator durch jene, die sich ausländischen Widerstandsbewegungen angeschlossen haben.
Doch keiner dieser Anschläge bzw. Aufstände war so nah dran erfolgreich zu sein, wie der des 20.Juli. Wäre Hitler bei diesem Attentat umgekommen, wäre der Staatsstreich mit hoher Wahrscheinlichkeit geglückt. Einige Hundert Militärs (wie der ehemalige Generalstabschef des Heeres, Ludwig Beck), Diplomaten (wie der langjährige Botschafter in Rom, Ulrich von Hassell), Verwaltungsexperten (wie der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister, Carl Friedrich Goerdeler), Sozialdemokraten (wie Julius Leber) und Gewerkschaftsführer (wie Jakob Kaiser, später Mitbegründer der CDU) standen zum Machtwechsel bereit. Stauffenberg selber sollte Staatssekretär in einem Kriegsministerium werden.
Neben dem Attentat selbst sollte der geheime Operationsplan „Walküre“ den Umsturz garantieren. Operation Walküre war ein von General Olbricht entwickelter Aufstandsbekämpfungsplan. Mitte des Jahres 1944 befanden sich etwa 7 Millionen Fremd- und Zwangsarbeiter auf deutschen Boden. Ein Aufstand hätte eine ernste Gefahr für die inner Sicherheit des Reiches bedeutet, darüber hinaus arbeitete die Mehrheit von ihnen in Rüstungsbetrieben und sicherte dadurch den deutschen Nachschub. Dass solche Ängste vonseiten der NS-Führung keineswegs unbegründet waren, zeigte der Aufstand im Warschauer Ghetto, der nur mit der äußersten Härte und Brutalität durch die SS niedergeschlagen wurde. Die Pläne der Operation Walküre sahen vor, dass im Falle eines Aufstandes das von General Fromm geführte Ersatzheer, welches sich aus Wehmachtseinheiten, die sich im Reich aufhielten, zusammensetzte, diesen Aufstand niederschlägt. Mit leichten Abänderungen, jedoch, war Operation Walküre ein hervorragender Plan zur Umsetzung eines Putsches. Tresckow und Stauffenberg überarbeiteten daraufhin Operation Walküre entsprechend für ihre Zwecke des Umsturzes.

Der 20. Juli 1944

20. Juli, ca. 7.00 Uhr: Stauffenberg fliegt gemeinsam mit seinem Adjutanten Werner von Haeften von Berlin zum Führerhauptquartier "Wolfsschanze" (Rastenburg).

10.15 Uhr: Oberst Graf von Stauffenberg trifft mit von Haeften im Führerhauptquartier . ein. Frühstück im Teehaus mit Rittmeister von Möllendorf (Adjutant des Lager Kdt., Oberstleutnant Streve). Aussprache mit General Fellgiebel (Chef der Wehrmacht. Nachr. Wesens) im Nachrichtenbunker. Dienstliche Unterredung mit General Buhle (Chef des Heeresstabes bei IOKW) und Generalleutnant von Thadden (Chef des Stabes beim Wehrkreisbefehlshaber I).

11.30 Uhr: Stauffenberg und von Haeften gelingt es nur, einen der beiden vorgesehenen Sprengsätze scharf zu machen.

12.35 Uhr: Stauffenberg betritt den Besprechungsraum. Das Gedränge verhindert, die Tasche mit dem Sprengstoff unmittelbar neben Hitler zu deponieren. Stauffenberg verlässt unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen, den Raum, nachdem er seine Aktentasche in die Nähe Hitlers rechts neben Oberst Brand am Tischende abgestellt hat. General Schmundt oder Oberst Brandt (K. Adm. Voss) schiebt die Tasche auf die Hitler abgewandte Seite des die Eichenplatte tragenden Sockels des großen Kartentisches (neben den Stenografen Berger).

12.42 Uhr: Die Sprengladung detoniert in dem mit 24 Personen besetzten Raum. Vier Personen werden getötet, fast alle Anwesenden werden verletzt. Hitler befindet sich unter den 20 Überlebenden. Erich Fellgiebel (1886-1944) lässt an die Mitverschwörer in Berlin weiterleiten: "Es ist etwas Furchtbares geschehen: der Führer lebt!".

12.43 Uhr: Der wachhabende Leutnant der Wache 1 ordnet Sperre an. Schließung des Sperrkreises A durch den wachhabenden Leutnant.

12.44 Uhr: Stauffenberg und von Haeften passieren die Wache des Sperrkreises A.

12.45 Uhr: Auslösung des Alarms für beide Sperrkreises.
Stauffenberg wird an der "Außenwache" Süd durch Fw. Kolbe aufgehalten, erhält aber von Rittmeister von Möllendorf telefonisch die Erlaubnis zu passieren. Fahrt zum Flugplatz. (Unterwegs wirft von Haeften ein Paket mit Sprengstoff aus dem Wagen).

Gegen 13 Uhr General Fellgiebel verhängt Nachrichtensperre über das Führerhauptquartier offenbar bis 15.30 Uhr.

12.50-14.00 Uhr: In Berlin sollen unter dem Codewort "Walküre" alle Gestapo -, Partei- und SS - Dienststellen von der Wehrmacht besetzt werden. Fellgiebels nicht eindeutige Nachricht erreicht General der Infanterie Friedrich Olbricht. Er zögert, den "Walküre"-Alarm auszulösen. Nach der Bombenexplosion wird das Führerhauptquartier abgesperrt. Stauffenberg und Haeften können die Wachmannschaften täuschen und gelangen zum Flugplatz. Die beiden Attentäter starten zum Rückflug nach Berlin. Stauffenberg ist überzeugt, Hitler getötet zu haben.

13.15 Uhr, Rückflug Stauffenbergs und von Haeftens nach Berlin in einer He 111 (die auf Befehl des Generals Mertz von Quirnheim bereitgestellt worden ist).

15.00 Uhr: In Rangsdorf bei Berlin geben sie telefonisch die Meldung an die Bendlerstraße durch: "Hitler ist tot." Mertz von Quirnheim überredet den immer noch zögernden Olbricht, die Staatsstreicheinheiten zu alarmieren.

16.30 bis 17 Uhr: Stauffenberg telefoniert mit Oberstleutnant von Hofacker und berichtet ihm über das Attentat.
Die Aktion in Paris läuft an: Der höhere Nachrichtenführer, General Oberhäuser, erhält den Auftrag, den gesamten ihm unterstellten Funk- und Fernsprechverkehr zwischen Frankreich und Deutschland bis auf die Linie Berlin zu sperren und die Sender in Paris zu besetzen. Stadtkommandant von Groß-Paris Generalleutnant von Boineburg-Lengsfeld wird zum Befehlshaber General Carl Heinrich von Stülpnagel befohlen.

16.45 Uhr: Stauffenberg und von Haeften treffen in der Bendlerstraße ein. Der in das Attentat eingeweihte Generaloberst Friedrich Fromm (1888-1945), Chef der Heeresrüstung und Befehshaber des Ersatzheeres, verweigert die Zusammenarbeit und wird daraufhin festgenommen.

17.00 Uhr: Auf Initiative von Hitler und Joseph Goebbels wird im Rundfunk das Überleben Hitlers gemeldet. Fast gleichzeitig erhalten die Stabsoffiziere die Fernschreiben mit den Anweisungen der Verschwörer. Die überwiegende Mehrheit der Offiziere verhält sich angesichts der widersprüchlichen Meldungen abwartend.

18.35 Uhr, Major Otto-Ernst Remer, Kommandeur des Wachbataillons in Berlin, meldet sich bei Goebbels und wird von diesem mit Hitler verbunden; letzterer befiehlt dem Major, den Militärputsch sofort niederzuwerfen. Remer ist Hitler persönlich unterstellt. Er verlegt seinen Befehlsstand in das Vorzimmer Goebbels. Remer löst daraufhin die Absperrung des Regierungsviertels auf und beteiligt sich an der Niederschlagung des Staatsstreichs. Remer telefoniert mit Major Wackernagel (Cottbus), dieser meldet ihm, dass die Masse der Panzer Grenadier Einsatzbrigaden "GD" auf Königswursterhausen marschieren, um den Deutschlandsender zu besetzen.

22 Uhr, Oberst Stauffenberg gibt nach Paris an Oberst von Linstow durch: in Berlin ist alles verloren.

22.30 Uhr, der Sturm auf die SS-Unterkünfte setzte ein. Verhaftung des General Oberg. (Höherer SS- und Polizeiführer in Frankreich). Insgesamt werden 1200 Gestapo und SS-Offiziere in Paris verhaftet. Der deutsche Stadtkommandant lies bereits Sandsäcke im Hof der französischen Militärakademie als Kugelfang für die bevorstehenden Exekutionen der Hitlertreuen aufschichten. Später versuchten sowohl die Aufständischen als auch die Gestapo und SS-Einheiten den Vorfall in Paris zu vertuschen und runterzuspielen, da sich letztere Kampflos ergeben hatten und dementsprechend ernste Folgen zu befürchten hatten.

22.30 Uhr: Eine Gruppe regierungstreuer Offiziere verhaftet Stauffenberg und die Mitverschwörer. Fromm ordnet die sofortige Erschießung wegen Hoch- und Landesverrats an.

20./21. Juli: In der Nacht wird Claus Schenk Graf von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim und Friedrich Olbricht im Hof des Bendlerblocks erschossen. Ludwig Beck wird Gelegenheit zur Selbsttötung gegeben. Er wird nach einem misslungenen Selbstmordversuch ebenfalls erschossen.
21. Juli: Die Leichen der Erschossenen werden auf einem Friedhof mit ihren Uniformen und Ehrenzeichen bestattet. Himmler lässt sie wieder ausgraben und ordnet deren Verbrennung an. Ihre Asche wird über die Felder verstreut.

Folgen des Attentats

Die Familien wurden in "Sippenhaft" genommen. Unglücklicherweise wurde die Verbindung der militärischen mit zivilen Widerstandsgruppen aufgedeckt. So wurden nicht nur der engere Kreis der Verschwörer vom 20. Juli verhaftet und nach Schauprozessen vor dem Volksgerichtshof hingerichtet. Auch das weitere Umfeld der anderen Widerstandsgruppen war betroffen. Insgesamt wurden über 7.000 Personen verhaftet und bis Kriegsende wurden Tausende hingerichtet. Die Verfolgungswelle in Armeekreisen erreichte ein solches Ausmaß, dass die Kriegsführung gefährdet schien. Aber auch Beamte, Diplomaten und Weimarer Politiker wurden von Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Schnellverfahren abgeurteilt und hingerichtet. Andere prominente Opfer, wie Generalfeldmarschall Erwin Rommel, wurden zum Selbstmord gezwungen oder, wie Abwehrchef Canaris oder Dietrich Bonhoeffer, in KZ´s verschleppt und von der SS umgebracht. Keiner der Hauptbeteiligten und kaum einer der Mitwisser des Attentatversuchs vom 20. Juli 1944 überlebte.

Gründe des Scheiterns

Der wesentliche Grund für das Scheitern des Aufstandes ist zweifellos Hitlers Überleben. Viele Militärs fühlten sich, obwohl sie Hitler auf tiefste verachteten, an ihren Eid zum Führer gebunden. Tatsächlich gab es nur sehr wenige Verschwörer, die über eine ähnliche Entschlossenheit verfügten wie der Graf von Stauffenberg. Einige wechselten unmittelbar nach Bekanntgabe, das Hitler lebte, die Seiten. Dass der Putsch trotz Hitlers Überleben hätte Erfolg haben können, beweisen die Aktionen in Paris und Wien. Hätte sich Stauffenberg mit seinem Staatsstreich durchgesetzt, wäre der Krieg im Westen vermutlich umgehend zu Ende gewesen, vermutlich aber auch der Kampf im Osten. In den Fernschreiben, welche den Walküre Befehl enthielten, waren ebenso Direktiven erlassen in denen die KZ Wachmannschaften notfalls mit äußersten Mitteln zu entwaffnen gewesen wären. Der Umsturz hätte demnach auch viele ungarische Juden, welche gegen Ende des Krieges in den KZs massenweise ermordet wurden, gerettet werden können. Des Weiteren wären die Trägodien, welche sich in den deutschen Großstädten durch die flächenmäßige Bombardierung ereigneten, verhindert werden können. Dresden wäre nicht vernichtet worden und auch die Vertreibung der 15 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten mit dem daraus resultierenden Tod von 2 Millionen hätte sich vermutlich nicht so ereignet. Man kann also zweifellos das Scheitern des 20.Juli als einer der größten Tragödien der Geschichte werten. Insgesamt starben in der Zeit nach dem Aufstand bis zum Kriegsende 4 Millionen Deutsche, 1,5 Millionen Rotarmisten, etwa eine halbe Millionen in den KZs und etwa 100000 amerikanischen und britische Soldaten.

Würdigung des Widerstands

In Deutschland scheint das Interesse am Widerstand gegen die Herrschaft Hitlers heute zu wachsen. Deutlich wird dies an Feierlichkeiten, in denen sich die politische Führung zur Tradition des Widerstandes bekennt. Ein Fernsehfilm über Stauffenberg wurde unlängst von siebeneinhalb Millionen Deutschen verfolgt. 60 Jahre nach dem Anschlag ist die Würdigung des Hitler-Attentäters Stauffenberg vielen Deutschen ein Anliegen. Seit Jahrzehnten erinnert die zentrale Gedenkveranstaltung im Innenhof des Bendlerblocks (Berlin) an Stauffenbergs Anschlag, der dem Ziel, Hitler zu töten, denkbar nahe kam.

Es ist Zeit, dass etwas getan wird.
Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein,
dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird.
Unterlässt er die Tat, so wird er zum Verräter vor seinem eigenen Gewissen.
(Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Frühsommer 1944)


Vergessen ist schnell, wie schwer sich die Deutschen mit der Würdigung dieser Tat über viele Jahrzehnte hinweg getan haben. Zunächst bestimmte die NS-Propaganda das Bild. "Ehrgeizzerfressene Offiziere" hätten versucht, ihn zu töten, verkündete Hitler schon in den frühen Abendstunden in seiner ersten Rundfunkansprache. Die meisten Deutschen machten in den folgenden Tagen aus ihrem Abscheu keinen Hehl. Stauffenberg wurde nur insgeheim von jenen bewundert, die wussten, dass Deutschland allein durch eine Niederlage von der NS-Herrschaft befreit werden konnte. Die meisten Zeitgenossen sahen in seiner Tat nur den Versuch eines hohen Offiziers, in letzter Minute die eigene Haut zu retten. Welcher Mut zur Tat gehörte, was Stauffenberg, schwer verletzt in Nordafrika, verheiratet, Familienvater, damit riskierte, wollten sie weder wissen noch würdigen.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wechselte die Perspektive der Deutschen bezüglich Stauffenberg nicht sonderlich. Er wurde zwar nicht mehr offen als Verräter diffamiert, geachtet wurde der Attentäter und seine Mitstreiter aber auch nicht flächendeckend. Während der 50er beschimpfte in Ostdeutschland die SED die Männer des 20.Juli als reaktionäre Agenten des US-Imperialismus, und obwohl es bereits Stauffenberg Briefmarken und Straßennahmen in der BRD gab, war die Hälfte der Deutschen nicht für die Namensgebung einer Schule nach einen der Attentäter des 20.Juli. Ende der 60er Jahre war immer noch ein Viertel der Bürger in der BRD der Meinung, dass die Attentäter des 20.Juli Verräter waren. Die 68er Generation störte sich an die politische Ausrichtung der Attentäter, welche sich nur begrenzt aus Demokraten zusammensetzte und sogar manchen Antisemiten und Kriegsverbrecher beherbergte. 60 Jahre nach dem Attentat, jedoch, hat sich der Blick der Deutschen bezüglich der Attentäter deutlich gewandelt. Laut Umfragen bewundert bzw. achten drei Viertel der Deutschen die Attentäter des 20.Juli, sowohl in Ost und West als auch Jung und Alt. In dem Hof des Bendlerblockes in dem 60 Jahre zuvor die Attentäter des 20.Juli standrechtlich erschossen wurden, werden heute Bundeswehr Soldaten vereidigt. Die inzwischen 2.Nachkriegsgeneration, welche frei von Schuldgefühlen ist, interessiert sich sehr für die Geschehnisse des 20.Juli, besonders über die menschliche Aspekte. Viele interessieren sich, wie aus dem begeisterten Mitläufer des Nationalsozialismus, wie den Grafen von Stauffenberg, ein erbitterter Gegner Hitlers werden konnte, wie die Attentäter mit sich gerungen haben einen Tyrannenmord durchzuführen und wie sie für ihre Überzeugung nicht nur ihre eigenen Leben aufs Spiel setzten sondern auch das ihrer Familien.

Deshalb ist die Erinnerung an den Widerstand wichtig. Denn den Opfern nationalsozialistischer Herrschaft wurde bewusst, dass es ein anderes Deutschland gab, das andere Werte verkörperte als die von den Nationalsozialisten proklamierten. Der Widerstand zeigte, dass es Kräfte in Deutschland gab, die sich dem Nationalsozialismus widersetzt hatten. Sie waren es, die den Deutschen die Rückkehr in den Kreis der zivilisierten Nationen erleichterten. So gesehen, war das Scheitern des Anschlags historisch folgenreich und keineswegs erfolglos. Die letzten Worte des Grafen von Stauffenberg sollen: „Es lebe das Heilige Deutschland!“ gewesen sein. Ob diese Worte nun der Wahrheit entsprechen oder nur eine Legende sind, kann vermutlich niemals ergründet werden. Seine Witwe meinte jedoch, dass es ihm, einem überzeugten Christen, ähnlich sehen würde.

(Ragnar)