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26 März 2007

Kriegsgefangenen - Flucht in Russland 1945

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So weit die Füße tragen
von Josef Martin Bauer
Taschenbuch: 478 Seiten Verlag: Verlagsgruppe Lübbe Erscheinungsjahr: 2002 ISBN: 3404146662 Preis: 9,00 €

Hauptaussagen
• So weit die Füße tragen ist ein packender Abenteuerroman, der
die Odyssee des deutschen Kriegsgefangenen Clemens Forell
schildert, der im Oktober 1949 aus einem sowjetischen Arbeitslager
flieht, sich innerhalb von drei Jahren bis nach Teheran durchschlägt
und schließlich Ende 1952 nach Deutschland zurückkehrt,
das er seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr
gesehen hat.
• So weit die Füße tragen wurde 1955 veröffentlicht und insgesamt
in 15 Sprachen übersetzt. 2001 wurde der Roman von Hardy
Martins mit Bernhard Bettermann in der Rolle des Clemens Forell
an Originalschauplätzen verfilmt.
• So weit die Füße tragen basiert auf dem Erlebnisbericht eines
anonymen deutschen Kriegsgefangenen, den der Autor Josef
Martin Bauer zu einem Roman umarbeitete. Clemens Forell hat
tatsächlich existiert – auch wenn er nicht Clemens Forell hieß.
• So weit die Füße tragen ist nicht nur eine spannende, sondern
auch eine lehrreiche Lektüre. Die Schilderung der Zustände in
dem sowjetischen Arbeitslager, der faszinierenden Landschaft
Sibiriens und der Lebensgewohnheiten der sibirischen Ureinwohner
enthält eine Fülle authentischer und informativer Details.

„Als wirklich einziges sind ihm die Narben am Körper und an der Seele geblieben, die Zeichen vom Blei, und außer jenen Zeichen jene Furcht, die er drei Jahre lang sich selbst abzuleugnen
versuchte. Aus Furcht mag es verstanden werden, dass er seinen wirklichen Namen nicht genannt wissen will.“

Die unglaublichsten Geschichten schreibt das Leben selbst.

Im Jahr 1953 fällt einem Münchner Verleger einer seiner Druckereiangestellten auf, der erst vor wenigen Wochen in seinem Betrieb die Arbeit aufgenommen hat. In einem Gespräch mit dem Mann bekommt er Unglaubliches zu hören. Sein neuer Angestellter ist aus einem sowjetischen Strafgefangenenlager geflohen und hat eine über 14 000 Kilometer lange
Odyssee hinter sich, die ihn vom nordöstlichsten Zipfel Sibiriens zurück nach München führte. Der Verleger wittert sofort das enorme Potential dieses Stoffes und beauftragt den Autor Josef Martin Bauer, die Erzählungen des Heimkehrers zu einem Buch umzuarbeiten.

Bauer der selbst Kriegserfahrungen gesammelt hat, arbeitet die Erzählungen des Flüchtlings zu einem Tatsachenroman um, der 1955 unter dem Titel So weit die Füße tragen erscheint und in 15 Sprachen übersetzt wird. Da sein Gewährsmann anonym bleiben möchte, gibt ihm Bauer in
seinem Roman das Pseudonym „Clemens Forell“. So weit die Füße tragen ist auch nach über vierzig Jahren immer noch eine packende Lektüre, gerade weil der Roman auf authentischen Erlebnissen basiert und eine Fülle von Details enthält, die man unmöglich erfinden kann. Die Zustände in dem sowjetischen Strafgefangenenlager werden mit einer Präzision wiedergegeben, die streckenweise an Der Archipel Gulag von Alexander Solschenyzin erinnert. Bei der spannenden Schilderung von Forells Flucht erfährt der Leser ganz nebenbei Einiges über das ebenso endlose wie faszinierende Sibirien, seine nomadischen Ureinwohner und natürlich auch über Russland. Vor allem aber erfährt er viel über den Menschen ansich, der unter extremen Bedingungen seine schlechtesten, aber auch seine besten Seiten an den Tag legt, der sich in einem Augenblick noch grausam und egoistisch, im nächsten aber hilfsbereit und mitfühlend zeigt. So weit die Füße tragen hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, weil seine Themen zeitlos sind. 2001 wurde der Roman von Hardy Martins mit Bernhard Bettermann in der Hauptrolle verfilmt. Der Film lief im Dezember letzten Jahres in den deutschen Kinos
an.

„Aus den Waggons, die der Tod seit dem letzten Anhalten besucht hat, werden die Leichen in den kalten Tag hinausgehoben und an die Böschung eines etwas höher gelegenen Nachbargleises gelegt.“

Der Weg in die Hölle

Clemens Forell, ehemaliger Oberleutnant der Wehrmacht, wird im Herbst 1945 in Moskau wegen angeblicher Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Zwangsarbeit in einem sowjetischen Strafgefangenenlager verurteilt. In überfüllten Güterwaggons werden er und dreitausend andere deutsche Kriegsgefangene Richtung Sibirien verfrachtet, von denen ein gutes Drittel die Strapazen der zweieinhalbmonatigen Zugfahrt nicht übersteht, die in der sibirischen Stadt Tschita endet. Von dort aus werden sie zunächst mit Pferde-, dann mit Hundeschlitten weiter nach Norden transportiert und erreichen schließlich nach einem qualvollen Fußmarsch den Zielpunkt ihrer Reise, ein Arbeitslager am Kap Deschnew im nordöstlichsten Zipfel

„Man ist Vieh, solang man Gefangener ist. Eisemann, pass auf, was ich dir sage: Ich haue auf der Rückfahrt ab“ „Red keinen Papp!“ „Weißt du, wie breit die Beringstraße ist? Wenn du sie durchschwimmst, wird die Sowjetische Geographische Gesellschaft nicht nur deine Begnadigung erwirken, sondern vorschlagen, dass die Beringstraße auf deinen Namen umgetauft wird.“

„Das Spiel steht eins zu tausend.“ „Weiß ich.“ „Reden sie nicht! Ich höre hier oben mehr als Sie und weiß nichts. Was das Land hinter der Sowjetunion, jenseits des Polarkreises und fernab von jeder Zivilisation. Die 1280 Überlebenden werden in den Stollen eines Bleibergwerkes einquartiert. Auch auf sie wartet der sichere Tod. Wer nicht der mühseligen Arbeit des Bleiabbaus, den unzureichenden hygienischen Bedingungen, der schlechten Ernährung und dem feindseligen Klima zum Opfer fällt, wird langsam an einer Bleivergiftung dahinsiechen.

Forells erster Fluchtversuch

Nach ihrer Ankunft am Kap Deschnew bricht eine Ruhrepidemie unter den Gefangenen aus. Clemens Forell nutzt seinen Aufenthalt in dem nur notdürftig ausgestatteten Lazarett, um zusammen mit seinem Mitgefangenen Heinz Dechant Fluchtpläne zu schmieden. Schon kurz nach seiner Genesung verschafft ihm der deutsche Lagerarzt Dr. Stauffer, ein Bekannter seines gefallenen Bruders Ernst Forell, eine einmalige Chance. Die sowjetischen Bewacher suchen zwei körperlich widerstandsfähige deutsche Strafgefangene, die unter der Aufsicht eines russischen Soldaten aus der nächstgelegenen Stadt Medikamente und Decken für ihre kranken Kameraden heranschaffen. Auf Empfehlung Dr. Stauffers wird Forell für diese Aufgabe eingeteilt. Auf der Rückreise entschlüpft Forell seinem schlafenden Bewacher Wassilij und macht sich auf einen Fußmarsch durch die endlosen Eiswüsten Sibiriens. Bereits am elften Tag wird er von zwei russischen Soldaten aufgegriffen und in sein Straflager zurückgebracht. Er wird bereits von
seinen zornigen Kameraden erwartet. Die sowjetischen Bewacher hatten wegen seines Fluchtversuches ihre Essensrationen herabgesetzt und ihr Arbeitspensum drastisch erhöht. Forell muss einen Spießrutenlauf über sich ergehen lassen und wird von seinen eigenen Kameraden beinahe zu Tode geprügelt. Er verdankt sein Leben einem Machtwort des ehemaligen Hauptmannes Leibrecht, der von den anderen deutschen Strafgefangenen
als moralische Autorität verehrt wird.

Kein Ausweg

Nachdem sich Forell von seinen Verletzungen einigermaßen erholt hat, beginnt auch für ihn die mühsame und eintönige Arbeit des Bleibergbaus. Schon bald muss er sich von der Vergeblichkeit aller Fluchtpläne überzeugen:
Der Strafgefangene Willi Baumann ergattert eine Stelle als Koch auf einem russischen Polarmeerdampfer. Als sein Schiff vor einer amerikanischen Polarinsel vor Anker geht, schwimmt er in einem unbeobachteten Augenblick ans Ufer, wird aber von den Amerikanern umgehend an die Russen ausgeliefert und muss bei seiner Rückkehr ins Lager den obligatorischen Spießrutenlauf über sich ergehen lassen. Zwei weitere deutsche Strafgefangene, die auf dem Landweg entkommen wollten, werden nicht weit vom Lager entfernt erfroren aufgefunden.

Neue Hoffnung

Nach zwei Jahren Zwangsarbeit hat sich Forell, der erste Symptome einer Bleivergiftung aufweist, scheinbar mit seinem Schicksal abgefunden, als ihn Dr. Stauffer zu einem erneuten Fluchtversuch ermutigt. Der Lagerarzt hat bereits alle notwendigen Utensilien für seine eigene Flucht beisammen, ist aber unheilbar an Darmkrebs erkrankt und hat nur noch

„Forell ist schon wieder dabei, seine Schritte zu zählen. Solcher Stumpfsinn (...) lässt nie vergessen, dass in einer Marschnacht mindestens fünfzigtausend Schritte gemacht werden
müssen.“

„Semjon schießt früher als Anastas. Und dann fällt, schräg hinter Forell noch ein Schuss. Die frostbeulige Fratze zerplatzt.“ „Die Türme (...) stehen so eindeutig auf den höchsten Punkten des kahlen Landes, dass ihre Aufgabe und ihre Wirkungsweise über alle Zweifel erhaben sind.
Das ist die Grenze. Der zunächstehende Turm ist besetzt. Auf den anderen ist zwischen den Sparren der Soldat nicht zu erkennen. Natürlich ist auch er besetzt.“

wenige Monate zu leben. Nun soll Forell an seiner Stelle fliehen. Dr. Stauffers billigt Forell eine reelle Chance zu, sich quer durch Sibirien zur südlichen Grenze der Sowjetunion durchschlagen zu können, weil er ein starkes Motiv für den scheinbar aussichtslosen Fluchtversuch hat: Die
Liebe zu seiner Frau Kathrin, die er seit sechs Jahren nicht mehr gesehen hat.

Die erste Etappe der Flucht

Im Oktober 1949 bricht Forell mit der Unterstützung des Lagerarztes aus dem Straflager aus. Er trägt sibirische Winterkleidung, fährt auf sibirischen Schneebrettern, ernährt sich von getrockneten Broten und Fischen und bereitet sich mit einem Spirituskocher Tee zu. Darüber hinaus hat ihm Dr. Stauffer neben einer russischen Pistole und einem sibirischen Messer auch eine von Hand gezeichnete Karte Sibiriens, die ein Mitgefangener angefertigt hat, und einen improvisierten Kompass mit auf den Weg gegeben. Nach drei Wochen Gewaltmarsch Richtung Westen wird Forell an den Ufern des Anadyr von den beiden Rentierhirten Pehtak und Laatmai aufgriffen. Als Laatmais Gast verbringt er den Winter in ihrem Dorf.

Im Bann der Gesetzlosen


Nach der Schneeschmelze zieht er mit einem Nomadenstamm Richtung Süden an und gerät schließlich an die entlaufenen russischen Strafgefangenen Anastas, Semjon und Grigorij, die vor der Staatsgewalt in die endlosen sibirischen Wälder geflohen sind. Forell, der sich inzwischen
Pjotr Jakubowitsch nennt und leidlich Russisch spricht, hilft den drei Gesetzlosen im Sommer beim Goldwaschen und begleitet sie im Winter auf die Pelzjagd. Stets bewegen sie sich fernab von jeder Zivilisation, um nicht ihren Verfolgern in die Hände zu fallen.

Als sich Grigorij weigert, einen Goldklumpen mit seinen Kameraden zu teilen, ist es um die Solidarität zwischen den vier Männern geschehen. Semjon stiehlt sich in einem unbeobachteten Augenblick auf dem gemeinsamen Rentierschlitten mit einem Großteil der gesamten Ausrüstung davon, muss aber schon bald feststellen, dass Grigorij das Gold in Forells Rucksack versteckt hat. Als er seinen ehemaligen Kameraden auflauert, kommen er und Anastas bei einem Schusswechsel um.

Der nächste Showdown zwischen den Überlebenden Grigorij und Forell ist bereits vorprogrammiert. Der eine will sich mit dem Gold Papiere besorgen und ein neues Leben aufbauen, der andere benötigt es für seine Flucht. In einem günstigen Augenblick stößt der Russe den Deutschen einen steilen Abhang hinunter und sucht mit beinahe der gesamten Ausrüstung das Weite. Der verletzte Forell ist ohne Waffen schutzlos einem gierigen Wolfsrudel ausgeliefert und wird buchstäblich in letzter Sekunde von den beiden jakutischen Schlittenhundezüchtern Kolka und Aljoscha gerettet. Er verbringt den Winter als ihr Gast in ihrem Zeltlager und kommt allmählich wieder zu Kräften.

Kurz vor dem Ziel

Im Sommer macht sich Forell erneut auf den Weg, begleitet von seinem Hund Willem, den ihm sein Gastgeber Kolka zum Abschied geschenkt hat. Als er unversehens auf einen Trupp sowjetischer Straßenbauarbeiter „Bilde dir aber nicht zuviel darauf ein, dass du jetzt in
Sicherheit bist! Die Grenze hier ist eine wässerige Sache. Zwanzig Kilometer
weit im Land kannst du jederzeit noch auf russische Streifen stoßen.“

„Also bist du doch Clemens!“ sagt Baudrexel leise. „Ich habe dich nicht erkannt, habe nichts von all dem geglaubt und kenne dich auch jetzt nicht. Aber es besteht kein Zweifel." „Die Ärzte haben es sich eine Weile überlegt, ehe sie dem heimgekehrten Clemens Forell (...) behutsam erklärten, dass er den Sinn für Farben verloren habe.“

stößt, gibt sich Forell als der ehemalige Strafgefangene Pjotr Jakubowitsch Lemengin aus, der sich nach der Ableistung von acht Jahren Zwangsarbeit in Tschita bei dem Polizeikommandanten von Sibirien zu melden hat. Er hat Glück und kann als Transportbegleiter mit dem Zug nach Tschita reisen, der südsibirischen Stadt, die Ende 1945 der Ausgangspunkt
des langen Marsches der deutschen Strafgefangenen nach Kap Deschnew gewesen war.
Die Grenze zur Mongolei ist nicht mehr weit, aber so stark abgesichert, dass sich ein Grenzübertritt als so gut wie unmöglich erweist. Als es Forell dennoch riskiert, wird sein treuer Hund Willem erschossen. Er selbst kommt mit knapper Not davon, schlägt sich entlang der transsibirischen Eisenbahn weiter nach Westen durch und bestreitet seinen Lebensunterhalt
durch Diebstahl, Raubüberfälle und Betteln.

Retter in der Not

Abermals findet Forell Helfer. Der Wiener Leopold Meßmer, der als österreichischer Kriegsgefangener nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Russland geblieben ist, gibt ihm den Rat, sein Glück an der sowjetischen Grenze zum Iran zu versuchen. Die junge Russin Ljuba, die ehemaligen Freundin eines alten Kriegskameraden, besorgt ihm einen Ausweis.
Schließlich vermittelt ihm der armenische Jude Igor Kontakte zu einer Widerstandsbewegung, die es ihm ermöglichen, mit der Hilfe einer Schmugglerbande im Sommer 1952 die Grenze zum Iran zu passieren

Die letzte Hürde

Seine Odyssee ist jedoch noch nicht beendet. Forell wird als mutmaßlicher sowjetischer Spion festgenommen und in ein iranisches Gefängnis geworfen. Auf seine Bitte informieren die iranischen Behörden seinen Onkel Erich Baudrexel. Baudrexel reist nach Teheran, vermag ihn aber bei der Gegenüberstellung nicht wieder zu erkennen, da ihn die vier Jahre in dem sowjetischen Strafgefangenenlager am Kap Deschnew und seine dreijährige Flucht schwer gezeichnet haben. Forell kann seine Identität nur bestätigen, indem er seine Widmung auf einem alten Familienfoto zitiert, das er einst seiner Mutter geschenkt hatte und das sein Onkel mit
nach Teheran gebracht hatte.

Traurige Heimkehr


Forell wird freigelassen und kehrt im Dezember 1952 endlich nach Deutschland zurück, wagt es aber nicht, mit seiner Frau Kathrin in Kontakt zu treten, aus Angst, sie würde ihn nicht mehr wieder erkennen. Dr. Stauffers Ehefrau informiert er brieflich über den Tod ihres Mannes. Als
Forell die Kirche in Ettal besucht, in der er als Kind mit seinem Vater oft gewesen war, wundert er sich, dass das satte Gold der Stukkaturen zu einem matten Silber, das Blutrot der Brokatstoffe zu einem fahlen Gelb und das Himmelblau der Deckenbemalung zu einem trostlosen Grau verblasst ist. Er ist aufgrund seiner Bleivergiftung farbenblind geworden.


Josef Martin Bauer wurde am 11. 3. 1901 in Taufkirchen an der Vils in Bayern geboren. Er wollte ursprünglich Priester werden, brach aber sein Theologiestudium ab und verdiente sich als Fabrikarbeiter, Journalist und Buchhalter seinen Lebensunterhalt, bis er endlich als Schriftsteller Erfolg hatte. 1930 erhielt er den Jugendpreis deutscher Erzähler. Neben So weit
die Füße tragen hat Bauer auch die Romane Achtsiedel, Die Salzstraße, Das Haus am Fischmarkt und Kranich mit dem Stein geschrieben. Wenige Tage nach seinem neunundsechzigsten Geburtstag verstarb Josef Martin Bauer am 15. 3. 1970 in Dorfen in Oberbayern.


So weit die Füße tragen
Ein Fernsehfilm nach dem Roman von Josef Maria Bauer
Drama, Literaturverfilmung ARD/NRWV

Drehbuch: Fritz Umgelter
Regie: Fritz Umgelter
Darsteller: Heinz Weiss (Clemens Forell) und Harri Rivière, Edgar Mandel, Ferdinand Anton, Hans Epskamp, Wolfgang Büttner u.a.

[Image]So weit die Füße tragen


Hinweis: Der Ruhm dieser Serie ist legendär. Es war die erste Unterhaltungsserie im Fernsehen mit "Anspruch". Erstmals wurden die erzählerischen Mittel des neuen Mediums konsequent eingesetzt. Diese Serie war so erfolgreich, daß sie noch im gleichen Jahr wiederholt wurde. Allerdings zeigte sich auch, daß sie recht zäh war. Der Westdeutsche Rundfunk hatte drei Jahre später Erbarmen mit den geplagten Zuschauern und strahlte am 25. 11. und 2. 12. 1962 eine auf zwei Teile zusammengeschnittene Kurzfassung des Fluchtdramas aus. Auch heute noch findet der Mehrteiler sein Publikums und wird jedes Jahr um Weihnachten herum von einem der zahlreichen "Dritten" Programme wiederholt. - 2001 wurde der Stoff in einem Spielfilm erneut verfilmt. Der Streifen lief am 27. Dezember 2003 in der ARD


So weit die Füße tragen

So weit die Füße tragen ist der Titel eines Romans von Josef Martin Bauer, einer Fernsehserie und eines Filmdramas um einen deutschen Kriegsgefangenen, der nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 aus einem ostsibirischen Gefangenenlager flieht und eine abenteuerliche Flucht nach Hause antritt.


Handlung

Das Buch, dem eine wahre Begebenheit zugrunde liegt, erzählt die Geschichte des deutschen Soldaten Clemens Forell, der im Jahre 1945 in der Lubjanka in einem Massenprozess zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wird. Die Erzählung beginnt im westsibirischen Omsk. Forell und seine Kameraden befinden sich in einem Güterzug auf einem Gefangenentransport nach Tschita. Von dort aus geht es erst mit Hundeschlitten, dann zu Fuß bis in den äußersten Nordosten der Sowjetunion bis nach Kap Deschnjow an der Beringstraße. Die Überlebenden des Gewaltmarsches leben und arbeiten in den Stollen eines Bleibergwerkes. Bauer schildert ausführlich die Lebensumstände der Menschen, die kaum das Tageslicht zu Gesicht bekommen. Immer wieder wird von Flucht gesprochen. Als die Amerikaner einen Gefangenen wieder ausliefern, dem die Flucht nach Alaska gelungen ist, bleibt nur noch der fast aussichtslose Weg durch die Weiten Sibiriens, um zu entkommen.

Als sich Clemens Forell 1949 wegen einer schweren Erkrankung im Lazarett befindet, erwachen in ihm neue Fluchtgedanken. Unterstützt von dem krebskranken Lagerarzt Dr. Heinz Stauffer, der ursprünglich selbst fliehen wollte, gelingt ihm im Oktober die Flucht aus dem Lager. Die erste Zeit ist er ganz allein. Eines Nachts wird er von Rentierhirten gefunden. Zunächst ist er misstrauisch, aber nach einiger Zeit fasst er Vertrauen und schließt Freundschaft. Später trifft er auf Jakuten, die ihm weiterhelfen. Fast ein ganzes Jahr zieht er mit Zwei geflohenen russischen Strafgefangenen durch Ostsibirien. Nach einer Auseinandersetzung wegen eines Goldklumpens, den einer der Russen vor seiner Flucht aus einer Goldmine gestohlen hat, ist Forell wieder allein. Es gelingt ihm, eine Eisenbahnlinie zu erreichen und mit einem Holztransport über Tschita nach Ulan-Ude zu gelangen. Von dort aus gelingt es ihm, die Grenze zur Mongolei zu erreichen. Ein Fluchtversuch über diese stark bewachte Grenze misslingt.

Ein Waldarbeiter deutscher Abstammung rät ihm, weiter nach Westen zu gehen und die Flucht über den Iran zu versuchen. Fast ohne Hoffnung geht er weiter. Vor allem durch Diebstahl von Lebensmitteln gelingt ihm das Überleben. Über Abakan gelangt er nach Kasalinsk. Als er beginnt, sich mit einem Leben in der Sowjetunion abzufinden, trifft er auf den armenischen Juden Igor, der bereit ist, ihm zu helfen. Er hat zu einer Gruppe von Schmugglern Kontakt, die illegal Waren und manchmal auch Menschen in den Iran bringen. Er schickt Forell nach Uralsk, wo dieser Kontakt mit den Schmugglern aufnimmt. Über Alexandrowsk und Grosny, quer durch den Kaukasus erreicht er endlich die Grenze. Durch eine Furt in einem Grenzfluss gelangt er auf iranisches Staatsgebiet. Als er einige Tage später Täbris erreicht, wollen ihm die dortigen Behörden seine Geschichte nicht glauben. Das gelingt ihm erst mit der Hilfe seines Onkels Erich Baudrexel, der ihn identifiziert. Inzwischen ist es Dezember 1952 geworden. Über Ankara, Istanbul und Rom fliegt er nach München, wo er zu Weihnachten endlich wieder zu Hause ankommt.

Hintergrund

Josef Martin Bauer lernte einen Mann kennen, der an Leib und Seele schwere Schäden erlitten hatte. Er konnte sich an viele Dinge nur schwer erinnern, aber immer an die Umstände. Der Mann, der seinen richtigen Namen nie preisgab, legte von Kap Deschnjow bis Täbris über 14.000 Kilometer mit Rentierschlitten, Eisenbahnen, Lastwagen, aber vor allem zu Fuß zurück.

Das Magazin History des ZDF und die Passauer Neue Presse recherchierten im Jahre 2002 die Frage der wahren Identität. Es soll sich um Cornelius Rost gehandelt haben, einen 1922 geborenen Wehrmachtsoffizier, der 1949 floh und nach 3 Jahren über Persien entkam. Er starb 1983 in München und fürchtete sich Zeit seines Lebens vor Nachstellungen des KGB. Er soll darum vertraglich das Stillschweigen verlangt haben. [1]

Publikation

Der Roman wurde ein Welterfolg, der bis heute in 15 Sprachen übersetzt wurde (darunter Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Polnisch, Schwedisch, Tschechisch, Isländisch). Er wurde und blieb der größte Erfolg und berühmteste Roman von Josef Martin Bauer.

Kritik

Im allgemeinen wird der Roman von der Kritik sowohl als wertvolles als auch unterhaltsames Stück Zeitgeschichte gesehen. Rezensionen zur Verfilmung merken aber auch an, dass die Geschichte den Zweiten Weltkrieg als Hintergrund weitgehend ausblendet.

Adaptionen

1959, vier Jahre nach Erscheinen des Buches, wurde der Stoff von Fritz Umgelter werkgetreu für das Fernsehen in einem Sechsteiler erstmals verfilmt. Eine zweite Verfilmung aus dem Jahre 2001 von Hardy Martins wich erheblich von der Vorlage des Buches ab. Der Roman galt auch als Vorlage für ein gleichnamiges Hörspiel.

  1. Moritz Schwarz: Als Zerbrochener ans Ziel In: Junge Freiheit


1 Comments:

Anonymous Anonym said...

copy paste artikel! ganz große klasse

http://de.wikipedia.org/wiki/So_weit_die_F%C3%BC%C3%9Fe_tragen

So. Nov. 29, 02:23:00 vorm. MEZ  

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